Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Ambulante Hilfen

Manche Menschen mit Behinderung brauchen in ihrem Alltag Hilfe. Sowohl zu Hause als auch unterwegs. Dafür gibt es verschiedene Unterstützungs-Möglichkeiten. Welche ambulante Hilfe für Sie am besten ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Zum Beispiel davon, in welchen Bereichen Sie Unterstützung brauchen. Und davon, wie viel Hilfe Sie brauchen. Hier stellen wir Ihnen verschiedene ambulante Hilfen vor.


Mobiler Sozialer Dienst (MSD)

Der Mobile Soziale Dienst hilft älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung, die zu Hause wohnen. Zum Beispiel kommen Mitarbeiter des Mobilen Sozialen Dienstes zu Ihnen nach Hause und

  • sind Gesprächspartner, lesen Ihnen vor, gehen mit Ihnen Spazieren
  • begleiten Sie zum Arzt, zu Behörden, zu Veranstaltungen oder zum Einkaufen
  • helfen Ihnen im Haushalt, beim Abwaschen, beim Staub wischen oder beim Bett beziehen
  • helfen Ihnen beim Duschen oder beim An- und Auskleiden

Oft bezahlen die Pflegeversicherungen die Kosten für den Mobilen sozialen Dienst. In manchen Fällen bezahlt auch das Sozialamt, das Jugendamt, die Berufsgenossenschaft, die Rentenversicherung oder die private Unfallversicherung. Beratung dazu bekommen Sie bei den Mobilen Sozialen Diensten oder bei Ihrer Kranken- und Pflegeversicherung. Auch Beratungsstellen für Senioren oder die EUTB-Beratungsstellen helfen Ihnen weiter.
Wer für Sie den MSD bezahlt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab.
Die gesetzliche Grundlage dafür sind das Pflegeversicherungsgesetz (PflegeVG) und das 12. Sozialgesetzbuch, Paragraf 63 (Hilfe zur Pflege).

Individuelle Schwerst-Behinderten-Betreuung (ISB) und Assistenz

Früher hieß die persönliche Hilfe für Menschen mit sehr schweren Behinderungen Individuelle Schwerst-Behinderten-Betreuung (ISB). Heute heißt diese Hilfe persönliche Assistenz. Persönliche Assistenten helfen Menschen mit Schwerst-Behinderung in allen Bereichen des täglichen Lebens. Zum Beispiel im Haushalt, in der Schule, bei der Arbeit, im Studium oder in der Freizeit. Auch Unterstützung bei der Körperpflege kann zum Aufgabenbereich gehören. Weitere Informationen dazu lesen Sie im Familienratgeber-Artikel "Persönliche Assistenz".

Haushaltshilfe

Wenn Sie ins Krankenhaus oder zur Reha müssen, können Sie Ihren Haushalt nicht mehr selbst führen. Das kann auch bei einer schwierigen Schwangerschaft oder einer Krankheit der Fall sein. Haben Sie außerdem Kinder, kann dies zu einem echten Problem werden. In diesen Fällen können Sie eine Haushaltshilfe beantragen. Der Reha-Träger (meist die gesetzliche Krankenversicherung) kann die Kosten für die Haushaltshilfe übernehmen. Die Kosten müssen angemessen sein. Das bedeutet, dass der Stunden- oder Tageslohn der Haushaltshilfe nicht zu hoch sein darf. Im Jahr 2020 ist der Höchstbetrag 80 Euro pro Tag. Pro Tag dürfen Sie höchstens 8 Stunden anrechnen. Der Höchstbetrag pro Stunde ist also 10 Euro. Die Reha-Träger übernehmen die Kosten für höchstens 26 Wochen.

Sie bekommen die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn Sie:

  1. den Haushalt nicht führen können, weil Sie
    - schwer krank sind oder
    - ins Krankenhaus oder zur Reha müssen oder
    - Ihr Kind zu einer Kinder-Reha begleiten oder
    - eine besonders schwierige Schwangerschaft haben.
  2. Sie haben mindestens ein Kind unter 12 Jahren. Bei manchen Krankenkassen liegt die Altersgrenze bei 14 Jahren. Oder bei Ihnen lebt ein Kind mit Behinderung, das Hilfe braucht.
  3. Es gibt keine anderen Personen im Haushalt, die den Haushalt führen können. Zum Beispiel erwachsene Kinder oder Großeltern.

Der Reha-Träger kann Ihnen eine Haushaltshilfe besorgen. Oder sie suchen selbst eine Haushaltshilfe. Wenn Sie sich selbst eine Haushaltshilfe suchen, müssen Sie die Haushaltshilfe vorher beim Reha-Träger beantragen.
Die Regeln sind unterschiedlich, wann die Krankenkasse oder der Reha-Träger die Kosten bezahlt. Deshalb sollten Sie vorher mit der Krankenkasse oder Ihrem Reha-Träger über die Kosten der Haushaltshilfe sprechen.
Wenn Verwandte, Bekannte, Freunde oder Nachbarn die Betreuung der Kinder übernehmen, können ebenfalls Kosten entstehen. Auch wenn Sie Ihr Kind in eine Kindertagesstätte geben. Auch in diesem Fall kann der Reha-Träger Kosten übernehmen. Wieviel Geld Sie bekommen können, erfragen Sie bei Ihrem Reha-Träger.
 
Mehr Informationen dazu lesen Sie auf der Internetseite des Sozialverbandes VDK.

Häusliche Kinderkrankenpflege

Kinder mit Behinderung oder chronischer Erkrankung können auch zu Hause gepflegt werden. Die Pflege zu Hause ist für viele Kinder entspannter als in der Klinik. Die Kosten für die Kinderkrankenpflege übernimmt meist die Krankenkasse (5. Sozialgesetzbuch, Paragraf 37). Die häusliche Kinderkrankenpflege muss Ihnen ein Arzt verschreiben. Mit der Verschreibung melden Sie sich bei einem Pflegedienst. Die Kosten für den Pflegedienst bezahlt dann Ihre Krankenkasse.
Wie Sie einen Pflegedienst finden, lesen Sie im Familienratgeber-Artikel „Ambulante Pflegedienste“.

Kinderkrankengeld

!Corona-Sonderregelung 2021!

Wegen der Corona-Pandemie haben Eltern jetzt länger Anspruch auf Kinderkrankengeld. Jeder Elternteil erhält für 2021 jeweils zusätzlich 10 Anspruchstage, Alleinerziehende zusätzlich 20 Tage. Diese Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2021.
Im Jahr 2021 können Sie auch Kinderkrankengeld bekommen, wenn ihr Kind nicht krank ist. Nämlich dann, wenn Sie Ihr Kind zu Hause betreuen müssen. Zum Beispiel, weil die Kita, der Kindergarten oder die Schule geschlossen ist (wegen der Corona-Pandemie). Oder, wenn Kita und Schule nur zeitweise öffnen. Das gilt auch für Kinder mit Behinderung, die in besonderen Einrichtungen betreut werden. Die Krankenkasse kann in diesen Fällen eine Bescheinigung der Einrichtung, Kita oder Schule verlangen.

Kinderkrankengeld können Eltern erhalten, die sich um ein krankes Kind kümmern. Das gilt bis zum 12. Lebensjahr des Kindes. Für Kinder mit Behinderung, die Hilfe brauchen, gilt diese Altersgrenze nicht.
Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt das Kinderkrankengeld. Manche Krankenkassen nennen diese Leistung auch "Krankengeld bei Erkrankung des Kindes", "Kinderpflege-Krankengeld" oder "Kinderpflege-Krankentagegeld".
Wenn die Eltern das kranke Kind pflegen, können sie nicht zur Arbeit gehen. In dieser Zeit bekommen die Eltern vom Arbeitgeber unbezahlt frei. Mutter und Vater bekommen für die Pflege pro Kind je 10 Arbeitstage frei. Alleinerziehende erhalten 20 Arbeitstage. Insgesamt bekommen Eltern aber höchstens 25 Arbeitstage frei, auch wenn sie drei und mehr Kinder haben. Bei Alleinerziehenden maximal 50 Tage.
Für diese Zeiten erhalten die Eltern Kinderkrankengeld. Lebt ein Kind wahrscheinlich nur noch wenige Monate, gibt es das Kinderkrankengeld zeitlich unbegrenzt.
Das Kinderkrankengeld entspricht dem Krankengeld bei Arbeitsunfähigkeit: 70 Prozent des letzten Bruttoverdienstes, höchstens 90 Prozent vom Nettoverdienst.
Die gesetzliche Grundlage für das Kinderkrankengeld ist das 5. Sozialgesetzbuch, Paragraf 45.

Mahlzeitendienst / Essen auf Rädern

Nicht jeder schafft es, sich täglich eine warme Mahlzeit zu kochen. Sie können in diesem Fall eine warme Mahlzeit bei einem Mahlzeitendienst bestellen. Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen bieten Essen auf Rädern an. Zum Beispiel der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die Caritas, der Malteser Hilfsdienst, das Deutsches Rote Kreuz (DRK) oder der Paritätische Wohlfahrtsverband. Es gibt auch viele private Anbieter. Sie können oft auch spezielles Essen bestellen, zum Beispiel bei Diabetes. Bei manchen Anbietern können Sie sich das Essen auch tiefgekühlt liefern lassen. So können Sie es dann warm machen, wenn Sie Hunger haben.
Die Kosten für diesen Dienst müssen Sie normalerweise selbst bezahlen. Wenn Sie sehr wenig Geld haben, können Sie einen Zuschuss erhalten. Den Zuschuss bekommen Sie vom Sozialamt. Informationen dazu bekommen Sie ebenfalls bei Ihrem Sozialamt. Die gesetzliche Grundlage dafür ist das 12. Sozialgesetzbuch.

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