Selbstbestimmt Wohnen

Menschen mit Behinderung können heute schon viel besser selbstbestimmt Wohnen als früher. Die UN-Behindertenrechtskonvention und der deutsche Gesetzgeber haben dafür entsprechende Artikel und Gesetze erlassen. Es gibt viele Angebote für ambulantes Wohnen, Wohn-Assistenz oder Wohn-Gemeinschaften. Doch noch immer gibt es Menschen mit Behinderung, die nicht so wohnen können, wie sie wollen.


Rechtliche Situation

In Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention heißt es: „Menschen mit Behinderung müssen gleichberechtigt die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben. Sie dürfen nicht auf eine besondere Wohnform verpflichtet sein.“ Im 9. Sozialgesetzbuch (Paragraf 9 Absatz 3) steht: "Leistungen, Dienste und Einrichtungen lassen den Leistungsberechtigten möglichst viel Raum zu eigenverantwortlicher Gestaltung ihrer Lebensumstände und fördern ihre Selbstbestimmung."
Beide Gesetze sollen erreichen, dass Menschen mit Behinderung frei wählen können,

  • wo sie wohnen,
  • wie sie wohnen,
  • mit wem sie wohnen.

Die rechtliche Situation hat sich für Menschen mit Behinderung dadurch sehr verbessert. Doch noch immer fehlen barrierefreie Wohnungen, ambulante Wohn-Angebote und mehr finanzielle Unterstützung. Ambulantes Wohnen bedeutet: Menschen wohnen in einer Wohnung oder Wohn-Gemeinschaft und bekommen nur dann Hilfe, wenn sie welche brauchen.

Wohnen im Wandel

Bis in die 1970er Jahre haben viele Menschen mit Behinderung in Wohnheimen gelebt. Heute gibt es mehr Möglichkeiten: Man kann zum Beispiel in Mehr-Generationen-Häusern, in Wohn-Gemeinschaften oder in Wohn-Gruppen leben. Durch Assistenz und ambulante Hilfe können viele Menschen mit Behinderung auch alleine, mit Partner oder Familie wohnen. Das Wohnheim mit einer 24-Stunden-Betreuung gibt es immer noch.

Es gibt keine genauen Zahlen, wie viele Menschen mit Behinderung in den unterschiedlichen Wohn-Angeboten leben. Insgesamt steigen die ambulanten Wohn-Angebote immer weiter. Etwa 40 Prozent der Menschen mit Behinderung leben in diesen Wohn-Formen. Die Bewohner dort haben eher eine körperliche Behinderung. Rund 60 Prozent der erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung leben bei ihrer Familie. Aber auch die Wohnheime für Menschen mit Behinderung haben sich seit den 1970er Jahren verändert. Heute leben weniger Menschen in einer Wohnheim-Gruppe zusammen. Einzel- oder Doppel-Zimmer ermöglichen einen eigenen persönlichen Bereich.

Anbieter von Wohnheimen

Die Anbieter vieler Wohnheime sind oft die Wohlfahrtsverbände. Zum Beispiel der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, das Rote Kreuz, die Diakonie, die Caritas. Außerdem betreiben auch gemeinnützige Vereine wie die Lebenshilfe und der Sozialverband VdK Wohnheime für Menschen mit Behinderung. An diese Verbände oder Vereine können Sie sich auch wenden, wenn Sie Fragen zum Thema Wohnen und Behinderung haben.

Weitere Informationen

  • Die Lebenshilfe hat ein Buch in Leichter Sprache herausgebracht: "Wohnen heute. Beispiele für selbstbestimmtes Leben. Menschen mit geistiger Behinderung berichten, wie sie wohnen." Das Heft gibt einen Überblick über verschiedene Wohn-Formen und kostet fünf Euro. Sie können das Buch bei der Lebenshilfe bestellen unter Telefon: 0 64 21 - 49 11 23 oder E-Mail: vertrieb@lebenshilfe.de.
  • Ebenfalls von der Lebenshilfe stammt der Text "Der Umzug in eine neue Wohnung“. Auch dieser Text ist in Leichter Sprache. Sie können das PDF kostenlos herunterladen.
  • Auf der Internet-Seite von INTAKT finden Sie einen Überblick über verschiedene Wohn-Formen. INTAKT ist ein Forum für Eltern von Kindern mit Behinderung.
  • Auch auf der Internet-Seite von MyHandicap finden Sie Informationen zum Thema Wohnen für Menschen mit Behinderung.
  • Der Verein Barrierefrei Leben e. V. bietet eine Online-Wohnberatung an.
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zuletzt aktualisiert: 29.03.2017

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