Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Wohnheim für Menschen mit Behinderung

In einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung ist ständig Pflege-Personal anwesend. Das kann für manche Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf sehr hilfreich sein. Die Kosten für das Heim übernimmt meist der Sozialhilfe-Träger. Eigenes Vermögen oder Einkommen wird aber angerechnet.


Wohnheim ja oder nein?

In einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung wohnen mehrere Menschen in einem Haus. Sie leben dort meist in Einzel- oder Doppelzimmern. Für manche Menschen mit Behinderung kann es sinnvoll sein, in einem Wohnheim zu wohnen. Grund dafür kann zum Beispiel ein hoher Hilfebedarf sein. Das Pflegepersonal ist ständig vor Ort und kann helfen und pflegen.
Im 12. Sozialgesetzbuch steht aber, dass ambulante Wohnformen stationären Wohnformen vorzuziehen sind (12. Sozialgesetzbuch Paragraf 13). Menschen mit Behinderung sollen zusammen mit Menschen ohne Behinderung wohnen. Einige Menschen mit Behinderung wollen erreichen, dass kein Mensch mit Behinderung in einem Wohnheim leben muss.
In Zukunft wird es weniger und kleinere Wohnheime für Menschen mit Behinderung geben.

Wo gibt es Wohnheime?

Wohnheime für Menschen mit Behinderung gibt es in vielen Städten und Gemeinden. Anbieter vieler Wohnheime sind die Wohlfahrtsverbände. Zum Beispiel der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, das Rote Kreuz, die Diakonie, die Caritas. Außerdem betreiben auch gemeinnützige Vereine wie die Lebenshilfe und der Sozialverband VdK Wohnheime für Menschen mit Behinderung. An diese Verbände oder Vereine können Sie sich auch wenden, wenn Sie Fragen zum Thema Wohnen und Behinderung haben.
Informationen zum Wohnen in einem Wohnheim bekommen Sie auch bei den EUTB-Beratungsstellen.

Probe-Wohnen

Wenn Sie in ein Heim ziehen wollen, können Sie auch erst einmal Probe-Wohnen. Das heißt, Sie ziehen für ein bis zwei Wochen in das Heim und testen, wie es Ihnen dort gefällt. Außerdem können Sie den Vertrag mit dem Wohnheim-Träger in den ersten zwei Wochen nach Einzug fristlos kündigen.

Wer bezahlt die Kosten für das Wohnheim?

Die Kosten für ein Wohnheim zahlt meist der Sozialhilfeträger, dies ist oft das Sozialamt. Die Kosten kann man über Leistungen der Eingliederungshilfe (12. Sozialgesetzbuch, Kapitel 6) beantragen. Wichtig ist, dass Sie erst den Antrag stellen und auf eine schriftliche Kostenzusage warten. Erst anschließend sollten Sie in ein Wohnheim ziehen. Denn die Eingliederungshilfe bekommen Sie nicht rückwirkend.
 
Achtung!
Ab 2020 gibt es eine Neuregelung der Eingliederungshilfe. Ab dann werden die Kosten für ein stationäres Wohnheim nicht mehr komplett über die Eingliederungshilfe bezahlt. Die Eingliederungshilfe übernimmt in Zukunft nur noch die Fachleistungen. Das sind zum Beispiel Therapien und die pädagogische Betreuung. Die Wohnleistungen, also Kosten für Unterkunft und Verpflegung bezahlt die Eingliederungshilfe dann nicht mehr. Diese Kosten übernimmt dann das örtliche Sozialamt.
Die gesetzliche Grundlage hierfür ist das Bundesteilhabegesetz (BTHG).

Durch das neue Bundesteilhabegesetz ändert sich einiges für Menschen mit Behinderung, die in Wohnheimen leben. Von der Bundesvereinigung Lebenshilfe gibt es dazu eine Checkliste. Die Checkliste erklärt, was sich ändert und worauf man achten muss.
Checkliste in Schwerer Sprache
Checkliste in Einfacher Sprache

Eigenes Einkommen und Vermögen

Der große Nachteil bei Einzug in ein Wohnheim ist: Sie müssen einen großen Teil Ihres Einkommens und Vermögens nutzen, um die Kosten zu zahlen. Auch Ehegatten oder Lebenspartner müssen sich an den Kosten beteiligen. Als Alleinstehender dürfen Sie höchstens 5.000 Euro Ersparnisse behalten.
Wenn Sie Leistungen der Eingliederungshilfe erhalten, gilt ein zusätzlicher Vermögensfreibetrag von 25.000 Euro. Sie können dann also insgesamt 30.000 Euro behalten. Ab 2020 steigt der Vermögensfreibetrag auf rund 50.000 Euro. Außerdem wird ab dann das Einkommen und Vermögen des Lebenspartners nicht mehr herangezogen. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist das Bundesteilhabe-Gesetz (BTHG).

Eltern von erwachsenen Kindern mit Behinderung

Bekommt Ihr volljähriges Kind mit Behinderung Eingliederungshilfe für die Wohnheimkosten, müssen Sie nur Unterhalt in Höhe von 31,06 Euro monatlich bezahlen. Ihr Einkommen oder Vermögen wird nicht geprüft.
Manchmal müssen die Eltern auch einen höheren Betrag von 57,94 Euro bezahlen. Nämlich dann, wenn das volljährige Kind neben der Hilfe zum Wohnen auch Hilfe zum Lebensunterhalt bekommt. Dies ist häufig beim Wohnen in stationären Wohneinrichtungen der Fall. (Stand: 2019)

Weitere Informationen

Weitere Familienratgeber-Artikel zum Thema

zuletzt aktualisiert: 22.07.2019

Adressen vor Ort

Finden Sie Angebote in Ihrer Nähe

Zum Seitenanfang

Netzwerk der Regionalpartner

Über 150 regionale Netzwerke sind bereits für den Familienratgeber aktiv. Informieren Sie sich jetzt.

Zur Karte

Regionalpartner-Anmeldung

Partner werden

Damit das Angebot des Familienratgebers mit Hilfe eines regionalen Netzwerks kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden kann, suchen wir ständig nach weiteren Regionalpartnern.

Jetzt bewerben!

Adressen vor Ort

Sie suchen passende Beratungsstellen für Ihr Anliegen? Finden Sie hier Einrichtungen in Ihrer Nähe, die Sie im Hinblick auf Ihre persönlichen Bedürfnisse professionell beraten.

Jetzt suchen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/schwerbehinderung/selbstbestimmt-leben/wohnheim.php

Zur Aktion Mensch