Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Nachteilsausgleiche bei Schwerbehinderung

Nachteilsausgleiche können ein günstiger Eintrittspreis, längerer Urlaub oder Steuervorteile sein. Denn Menschen mit Behinderung haben durch ihre Behinderung oft einen größeren Aufwand im Alltag. So müssen sie zum Beispiel mehr Geld für Medikamente, Hilfsmittel oder Pflege ausgeben. Um diesen und andere Nachteile zumindest etwas auszugleichen, gibt es „Nachteilsausgleiche“. Welche Nachteilsausgleiche man bekommt, hängt vom Grad der Behinderung und von der Art der Behinderung ab. In diesem Artikel werden einige Nachteilsausgleiche vorgestellt.


Nachteilsausgleiche und Schwerbehindertenausweis

Nachteilsausgleiche müssen Sie beantragen. Für die meisten Nachteilsausgleiche benötigen Sie einen Schwerbehindertenausweis. Denn der Schwerbehindertenausweis ist der amtliche Nachweis, dass Sie eine Schwerbehinderung haben. Im Ausweis stehen der Grad der Behinderung (GdB) und Merkzeichen. Der GdB und die Merkzeichen sind für viele Nachteilsausgleiche wichtig. Lesen Sie in der Familienratgeber-Rubrik „Schwerbehinderung“ mehr zum Thema Grad der Behinderung, Schwerbehindertenausweis und Merkzeichen.

Früher in Altersrente gehen

Menschen mit Schwerbehinderung können zwei Jahre früher in Rente gehen. Voraussetzung dafür: Sie haben mindestens 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Außerdem müssen Sie einen GdB von 50 oder mehr haben.
Menschen mit Schwerbehinderung können auch noch früher in Rente gehen, doch bekommen sie dann weniger Rente ausbezahlt. Insgesamt können Menschen mit Schwerbehinderung fünf Jahre früher in Rente gehen. Mehr Informationen erhalten Sie bei Ihrer Rentenversicherung.

Besonderer Kündigungsschutz

Menschen mit Schwerbehinderung können nicht so einfach gekündigt werden. Der Arbeitgeber muss erst beim Integrationsamt einen Antrag stellen. Das Integrationsamt prüft dann, ob die Behinderung der Grund für die Kündigung ist. Ist tatsächlich die Behinderung der Grund für die Kündigung, lehnt das Integrationsamt die Kündigung ab: Der Arbeitgeber darf dem Mitarbeiter mit Schwerbehinderung nicht kündigen. Das Integrationsamt bietet dem Arbeitgeber auch Hilfe an: So kann der Arbeitgeber zum Beispiel Geld für den Umbau des Arbeitsplatzes bekommen.

Der besondere Kündigungsschutz gilt auch, wenn der Arbeitgeber nichts von der Schwerbehinderung des Mitarbeiters gewusst hat. Auch für Menschen mit einem GdB von 30 gilt der besondere Kündigungsschutz. Voraussetzung dafür ist: Sie müssen einem schwerbehinderten Menschen gleichgestellt sein. Die Gleichstellung macht die Agentur für Arbeit. Rechtsgrundlage für den besonderen Kündigungsschutz ist das 9. Sozialgesetzbuch, Paragrafen 85–92.

Doch Vorsicht! Der besondere Kündigungsschutz bedeutet nicht, dass Menschen mit Schwerbehinderung unkündbar sind. Das Integrationsamt versucht zwar den Arbeitsplatz zu erhalten und bietet dem Arbeitgeber Hilfe an. Doch das funktioniert nicht immer: In etwa 75 Prozent der Fälle stimmt das Integrationsamt einer Kündigung zu: Dem Menschen mit Schwerbehinderung kann gekündigt werden.
Bei Zeitverträgen, in der Probezeit oder bei Probearbeit gibt es keinen besonderen Kündigungsschutz für Menschen mit Schwerbehinderung.

Lesen Sie dazu auch den Familienratgeber-Artikel zum Thema "Arbeiten mit Behinderung".

Zusatzurlaub

Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr. Will ein Mensch mit Schwerbehinderung diesen Zusatzurlaub erhalten, muss er dem Arbeitgeber seine Schwerbehinderung nachweisen. Zum Beispiel durch einen Schwerbehindertenausweis. Weitere Informationen hierzu geben die Integrationsämter.

Ermäßigungen: Weniger Kosten beim Eintritt ins Museum, Theater oder Kino

Mit dem Schwerbehindertenausweis gibt es oft eine Ermäßigung auf Eintrittspreise: Das heißt, man muss weniger Geld für eine Eintrittskarte im Kino, im Schwimmbad, im Museum oder im Theater bezahlen. Informationen zu Ermäßigungen bekommen Sie an der Kasse, telefonisch oder auf Internetseiten.

Kindergeld

Eltern erhalten für Kinder mit Schwerbehinderung auch nach dem 25. Lebensjahr Kindergeld. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Die Behinderung ist vor dem 25. Lebensjahr eingetreten.
  • Das Kind kann seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen.

Das Kindergeld wird an die Eltern ausgezahlt, nicht an das Kind selbst. Weitere Informationen finden Sie im Familienratgeber-Artikel "Kindergeld".

Rundfunkbeitrag

Folgende Menschen müssen keinen Rundfunkbeitrag bezahlen:

  • taubblinde Menschen und
  • Empfänger von Blindenhilfe (nach Sozialgesetzbuch 12, Paragraf 72)

Menschen mit Merkzeichen "RF" im Schwerbehindertenausweis können eine Ermäßigung beantragen. Sie zahlen nur 5,83 Euro im Monat. Menschen, die Sozialleistungen bekommen, müssen keinen Rundfunkbeitrag bezahlen. Sozialleistungen sind zum Beispiel Grundsicherung oder Arbeitslosengeld 2. Wer keinen oder einen ermäßigten Beitrag bezahlen möchte, muss einen Antrag stellen.
Weitere Informationen zum Rundfunkbeitrag für Menschen mit Behinderung finden Sie auf der Internetseite www.rundfunkbeitrag.de. Dort können Sie auch den Antrag auf Befreiung oder Ermäßigung finden.

Kriegsopferfürsorge

Ursprünglich war die Kriegsopferfürsorge für Menschen, die sich im Zweiten Weltkrieg verletzt haben, gedacht. Inzwischen gibt es noch mehr Menschen, die die Hilfe und Unterstützung der Kriegsopferfürsorge bekommen können:

  • Soldaten, die sich während ihrer Dienstzeit verletzt haben. Der Fachausdruck dafür ist „Wehrdienstbeschädigung“.
  • Zivildienstleistende, die sich während ihrer Dienstzeit verletzt haben.
  • Opfer von Gewalttaten.
  • Menschen, die durch eine Impfung zu Schaden gekommen sind.
  • Opfer staatlichen Unrechts in der DDR.

Hilfe und Unterstützung gibt es als Dienst-, Sach- oder Geldleistungen. Die Hilfen legt das Bundesversorgungsgesetz (BVG) fest. Die wichtigsten Hilfen sind:

  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Paragraf 26 und Paragraf 26a BVG):
  • Krankenhilfe (Paragraf 26b BVG)
  • Hilfe zur Pflege (Paragraf 26c BVG)
  • Hilfe zur Weiterführung des Haushalts (Paragraf 26d BVG)
  • Hilfen in besonderen Lebenslagen (Paragraf 27d BVG)

Mehrbedarf bei Sozialhilfe

Menschen mit Schwerbehinderung haben manchmal einen Anspruch auf mehr Geld. Der Fachbegriff dafür ist „Mehrbedarf“. Voraussetzung für den Zuschlag:

  • Man muss Empfänger von Sozialleistungen sein, wie zum Beispiel Grundsicherung oder Sozialhilfe.
  • Man muss dauerhaft erwerbsunfähig sein und einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "G" oder „aG“ besitzen.
  • Auch Menschen mit Behinderung, die Eingliederungshilfe zur Schul-, Aus- oder Fortbildung bekommen und mindestens 15 Jahre alt sind, steht ein Mehrbedarf zu.

Der Mehrbedarf bedeutet also mehr Geld, zusätzlich zu den Sozialleistungen. Rechtsgrundlage ist das 12. Sozialgesetzbuch, Paragraf 30. Lesen Sie für weitere Informationen den Familienratgeber-Artikel "Sozialhilfe-Gesetz - 12. Sozialgesetzbuch".

Studium

Normalerweise gibt es BAföG nur für eine bestimmte Zeit. Der Fachausdruck dafür ist „Förderungshöchstdauer“. Studenten mit Behinderung können das BAföG länger bekommen. Wie lange, ist im Gesetz nicht genau festgelegt. Mehr Informationen erhalten Studenten mit Behinderung beim Studentenwerk oder im Familienratgeber-Artikel "Studieren mit Behinderung".

Telefon

Telefongesellschaften bieten manchmal besondere Tarife für Menschen mit Behinderung an. Voraussetzung dafür ist meist ein Grad der Behinderung von 50 oder höher. Es kann aber trotzdem sein, dass ein normaler Tarif günstiger ist: zum Beispiel für Menschen, die viel telefonieren. Verbraucherschutzzentralen können Hilfe und Beratung bieten.

Blindensendungen

Die Deutsche Post versendet Schriftstücke in Brailleschrift (Blindenschrift) kostenlos im In- und Ausland. Schriftstücke können Briefe, Bücher oder Broschüren sein. Ebenso Tonträger, wie zum Beispiel CDs, wenn der Absender oder Empfänger eine amtlich anerkannte Blindenanstalt ist. Wer eine Blindensendung verschickt, darf den Brief oder das Päckchen nicht zukleben. Außerdem muss über dem Namen des Empfängers der Zusatz „Blindensendung“ stehen.

Bausparverträge

Schwerbehinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung von 95 können früher auf ihr Geld im Bausparvertrag zugreifen. Das bedeutet, sie können das Geld früher bekommen, als es im Vertrag steht. Dadurch entstehen keine zusätzlichen Kosten oder Abzüge. Auch wenn der Ehepartner einen GdB von mehr als 95 hat, kann der Bausparvertrag früher gekündigt werden. Schreiben Sie an Ihre Bausparkasse, wenn Sie sich Ihr Guthaben vorzeitig auszahlen lassen wollen.

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zuletzt aktualisiert: 02.04.2019

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