Nachteilsausgleiche bei Schwerbehinderung   

Nachteilsausgleiche sind Vergünstigungen oder Leistungen für Menschen mit Behinderung. Welche Nachteilsausgleiche man bekommt, hängt vom Grad der Behinderung und von der Art der Behinderung ab. In diesem Artikel werden einige Nachteilsausgleiche vorgestellt.


Menschen mit Behinderung können so genannte Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen. Nachteilsausgleiche sind Vergünstigungen in ganz unterschiedlichen Bereichen. Sie sollen Nachteile und zusätzliche Kosten aufgrund der Behinderung ausgleichen. So gibt es für Menschen mit Schwerbehinderung zum Beispiel besondere Regeln im Arbeitsrecht und bestimmte Steuervergünstigungen. Auch die kostenlose Benutzung von Bussen und Bahnen im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) gehört dazu.

Nachteilsausgleiche müssen Sie beantragen. Für die meisten Nachteilsausgleiche benötigen Sie einen Schwerbehindertenausweis. Diesen beantragen Sie beim Versorgungsamt oder der zuständigen Kommunalverwaltung. Auf dem Ausweis befinden sich Merkzeichen. Von diesen Merkzeichen hängt es ab, ob Sie bestimmte Nachteilsausgleiche erhalten.
Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis, die zu bestimmten Nachteilsausgleichen berechtigen:

  • "G" (Beeinträchtigungen im Straßenverkehr)
  • "aG" (außergewöhnlich gehbehindert)
  • "H" (hilflos)
  • "Bl" (blind)
  • "Gl" (gehörlos)
  • "B" (berechtigt zur Mitnahme einer Begleitperson)
  • "RF" (Ermäßigung des Rundfunkbeitrags möglich)
  • "TBl" (Taubblindheit)

Altersrente

Menschen mit Schwerbehinderung können unter bestimmten Voraussetzungen mit 62 Jahren in Rente gehen. Voraussetzung hierfür: Sie haben mindestens 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Es kann zu Kürzungen kommen, wenn man vorzeitig in Rente geht. Sie bekommen dann weniger Rente ausbezahlt. Das hängt vom Geburtsjahrgang ab. Nähere Informationen geben Ihnen die Rentenversicherungsträger.

Besonderer Kündigungsschutz

Menschen mit Schwerbehinderung haben einen besonderen Kündigungsschutz. Eine Schwerbehinderung besteht ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Um Menschen mit Schwerbehinderung zu kündigen, muss das Integrationsamt zustimmen. So soll verhindert werden, dass Arbeitnehmern auf Grund ihrer Schwerbehinderung gekündigt wird. Statt der Kündigung können bestimmte Unterstützungsmöglichkeiten dafür sorgen, dass eventuelle Einschränkungen ausgeglichen werden. Unterstützungsmöglichkeiten sind zum Beispiel:

  • Arbeitsassistenz
  • Finanzielle Unterstützung
  • Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Hilfsmitteln
  • Ein anderen Arbeitsplatz, der besser passt

Eine Kündigung ist unwirksam, wenn das Integrationsamt nicht vorher zugestimmt hat. Nachträglich kann das Integrationsamt die Kündigung nicht genehmigen. Der besondere Kündigungsschutz gilt auch, wenn ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter mit Schwerbehinderung kündigt, ohne von dessen Behinderung gewusst zu haben. Den besonderen Kündigungsschutz haben auch Menschen mit einem GdB von 30, wenn sie schwerbehinderten Menschen gleichgestellt wurden. Die Gleichstellung macht die Agentur für Arbeit. Rechtsgrundlage für den besonderen Kündigungsschutz ist das 9. Sozialgesetzbuch, Paragrafen 85–92.

Lesen Sie dazu auch den Familienratgeber-Artikel zum Thema "Arbeiten mit Behinderung".

Zusatzurlaub

Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf fünf Tage bezahlten Zusatzurlaub im Jahr. Diesen muss der Arbeitgeber genehmigen, zusätzlich zum Grundurlaub. Weitere Informationen hierzu geben die Integrationsämter.

Bausparverträge

Schwerbehinderte Menschen ab einem Grad der Behinderung von 95 können vorzeitig über ihren Bausparvertrag verfügen. Das gilt auch für ihre Ehepartner. Schreiben Sie an Ihre Bausparkasse, wenn Sie sich Ihr Guthaben vorzeitig auszahlen lassen wollen.

Blindensendungen

Die Deutsche Post versendet Schriftstücke in Brailleschrift (Blindenschrift) kostenlos. Ebenso Tonträger (zum Beispiel CDs), wenn der Absender oder Empfänger eine amtlich anerkannte Blindenanstalt ist. Die Briefe und Tonträger können kostenfrei ins In- und Ausland verschickt werden. Die Sendungen dürfen nicht verschlossen sein. Über der Anschrift muss der Zusatz „Blindensendung“ stehen.

Ermäßigungen

Gegen Vorlage des Schwerbehindertenausweises gibt es oft eine Ermäßigung auf Eintrittspreise für Kultur- und Freizeitveranstaltungen. Ob es eine Ermäßigung gibt und wie hoch sie ist, muss man beim jeweiligen Veranstalter anfragen.

Kindergeld

Für Kinder mit Schwerbehinderung wird auch nach dem 25. Lebensjahr Kindergeld gezahlt. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Die Behinderung ist vor dem 25. Lebensjahr eingetreten.
  • Das Kind kann seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen.

Das Kindergeld wird dann ohne Altersbegrenzung gezahlt. Es wird an die Eltern ausgezahlt, nicht an das Kind selbst. Weitere Informationen finden Sie im Familienratgeber-Artikel "Steuerfreibeträge".

Kriegsopferfürsorge

Die Kriegsopferfürsorge gab es ursprünglich für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene des Zweiten Weltkrieges. Inzwischen können aber auch andere Personen die Leistungen bekommen. Hierzu gehören:

  • Soldatinnen und Soldaten, die eine Wehrdienstbeschädigung erlitten haben
  • Zivildienstleistende, die eine Schädigung erlitten haben
  • Opfer von Gewalttaten
  • Impfgeschädigte
  • Opfer staatlichen Unrechts in der DDR

Unterstützungen gibt es als Dienst-, Sach- oder Geldleistungen. Die Hilfen legt das Bundesversorgungsgesetz (BVG) fest. Die wichtigsten Hilfen sind:

  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (Paragraf 26 und Paragraf 26a BVG):
  • Krankenhilfe (Paragraf 26b BVG)
  • Hilfe zur Pflege (Paragraf 26c BVG)
  • Hilfe zur Weiterführung des Haushalts (Paragraf 26d BVG)
  • Hilfen in besonderen Lebenslagen (Paragraf 27d BVG)

Rundfunk-Beitrag

Anspruch auf Befreiung vom Rundfunkbeitrag haben:

  • taubblinde Menschen und
  • Empfänger von Blindenhilfe (nach Sozialgesetzbuch 12, Paragraf 72)

Menschen mit Merkzeichen "RF" im Schwerbehindertenausweis können eine Ermäßigung beantragen. Sie zahlen einen reduzierten Beitrag von 5,83 Euro im Monat.

Weitere Informationen zum Rundfunkbeitrag für Menschen mit Behinderung finden Sie auf der Internetseite www.rundfunkbeitrag.de. Dort können Sie auch den Antrag auf Befreiung oder Ermäßigung finden.

Sozialhilfe

Schwerbehinderte Empfänger von Sozialhilfe und Grundsicherung erhalten in besonderen Situationen einen finanziellen Zuschlag. Dieser Zuschlag wird Mehrbedarf genannt. Er beträgt 17 Prozent des Regelsatzes. Voraussetzung für den Zuschlag: Man muss dauerhaft erwerbsunfähig sein und einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "G" besitzen. Auch Menschen mit Behinderung, die Eingliederungshilfe zur Schul-, Aus- oder Fortbildung bekommen und mindestens 15 Jahre alt sind, steht ein Mehrbedarf zu. Dieser beträgt 35 Prozent des Regelsatzes. Rechtsgrundlage ist das 12. Sozialgesetzbuch, Paragraf 30.

Lesen Sie für weitere Informationen den Familienratgeber-Artikel "Sozialhilfe-Gesetz - 12. Sozialgesetzbuch".

Studium

Studenten mit Behinderung, die BAföG erhalten, können dieses Geld länger als üblich bekommen: Nämlich auch dann, wenn sie die Förderungshöchstdauer für ihr Studienfach überschritten haben. Die Leistung erhalten die Studenten laut Gesetz für "eine angemessene Zeit". BAföG ist die Abkürzung für Bundesausbildungsförderungsgesetz.

Weitere Informationen lesen Sie im Familienratgeber-Artikel "Studieren mit Behinderung".

Telefon

Die Deutsche Telekom bietet ihren Kunden einen Sozialtarif an. Die Vergünstigung bekommen Menschen, die vom Rundfunkbeitrag befreit sind. Außerdem blinde, gehörlose oder sprachbehinderte Menschen, die einen Grad der Behinderung von mindestens 90 haben. Die Telekom bietet zudem besondere Telefone für Menschen mit Hör- und Bewegungsbehinderung an. Auch andere Anbieter von Handy-Verträgen bieten Rabatte für Menschen mit Behinderung. Mehr Informationen dazu bietet die Internetseite www.Handyflash.de. Voraussetzung ist ein Grad der Behinderung von 50. Nähere Informationen zu einzelnen Tarifen gibt es bei den jeweiligen Anbietern.

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zuletzt aktualisiert: 03.04.2017

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