Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Mütter mit Behinderung

Viele Frauen mit Behinderung wünschen sich Kinder. Und viele Frauen mit Behinderung haben bereits Kinder. Manchmal brauchen sie Unterstützung bei der Erziehung und Versorgung der Kinder. Doch statt Hilfe, bekommen sie häufig Gründe zu hören, warum sie lieber keine Kinder haben sollten. Dabei ist das Recht auf Elternschaft ein Menschenrecht. Mütter mit Behinderung können sehr wohl für ihre Kinder sorgen. Unterstützung können sie zum Beispiel in besonderen Wohnangeboten oder durch Eltern-Assistenz bekommen.


Kinderwunsch

Frauen mit Behinderung haben es oft schwer, wenn sie sich ein Kind wünschen. Oft hören sie, dass sie sich nicht richtig um das Kind kümmern könnten. Oder sie stoßen auf Vorurteile. Zum Beispiel, dass sie keine Verantwortung für einen Menschen übernehmen sollten, wenn sie selbst Unterstützung brauchen. Doch Mutter zu werden ist ein Menschenrecht. Auch in der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Recht auf Elternschaft von Menschen mit Behinderung festgeschrieben. Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben und sich damit verpflichtet, jede Benachteiligung von Eltern mit Behinderung abzubauen. Menschen mit Behinderung haben also das Recht, frei zu entscheiden, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. Auch wie viele Kinder und wie schnell hintereinander ein zweites oder drittes Kind gewünscht ist, sollen Menschen mit Behinderung frei entscheiden.

Menschen mit geistiger Behinderung sollten sich über die Familienplanung gut informieren. Eigene Kinder zu haben ist eine große Freude. Es bedeutet aber auch eine große Verantwortung und viel Arbeit. Ein Praktikum zum Beispiel in einem Kindergarten kann hilfreich sein. Dabei lernt man, wie man den Alltag mit Kindern organisieren muss. Mehr Infos zur Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung finden Sie auf der Internetseite der Lebenshilfe.

Kein Mensch darf gegen seinen Willen sterilisiert werden

Frauen mit psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen bekommen oft den Rat, sich sterilisieren zu lassen. Seit 1992 darf keine Frau (und auch kein Mann) gegen ihren Willen sterilisiert werden. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs ist die Sterilisation gesetzlich verboten. Danach soll jeder Mensch selbst entscheiden. Wenn Menschen nicht selbst einwilligen können, muss ein strenges gesetzliches Vorgehen eingehalten werden:

  1. Wenn ein Mensch keinen Sex hat, darf er oder sie nicht sterilisiert werden. Denn dann kann die Frau nicht schwanger und der Mann nicht Vater werden.
  2. Wenn andere Maßnahmen der Schwangerschaftsverhütung zumutbar sind, müssen erst diese Maßnahmen ergriffen werden.
  3. Eine Frau oder ein Mann muss die Sterilisation selbst wollen. Oder der Betreuer oder die Betreuerin will die Sterilisation, sie darf aber nicht gegen den Willen der betreuten Person geschehen.
  4. Ein Gericht bestellt eigens einen Betreuer für die Sterilisation. Betreuungs-Vereine oder Behörden dürfen nicht als Sterilisationsbetreuer bestellt werden.
  5. Ein Betreuungsgericht kann erst jetzt der Sterilisation zustimmen.
  6. Die Sterilisation darf erst zwei Wochen nach dem Gerichtsbeschluss vorgenommen werden. Wenn es möglich ist, muss die Sterilisations-Operation gewählt werden, die auch wieder rückgängig gemacht werden kann.

Mehr Informationen:
Positionspapier zur Zwangssterilisation, von der Staatlichen Koordinierungsstelle zur UN-Behindertenrechtskonvention.

Hilfen für Mütter mit Behinderung: Eltern-Assistenz und begleitete Elternschaft

Manche Mütter mit Behinderung brauchen Hilfe bei der Betreuung und Pflege ihrer Kinder. Je nach Behinderung mehr oder weniger. Mütter mit einer Lernbehinderung können zum Beispiel in speziellen Wohn-Angeboten Hilfe und Unterstützung erhalten. Fachleute in der Behindertenhilfe unterscheiden zwischen zwei Hilfe-Angeboten:

Eltern-Assistenz
Für viele Mütter mit Behinderung ist eine Assistenz die wichtigste Hilfe für den Alltag. Vor allem Mütter mit Körper- oder Sinnesbehinderung nehmen Eltern-Assistenz in Anspruch. Auch viele Mütter mit einer chronischen Erkrankung. Die Assistentinnen und Assistenten unterstützen bei verschiedene Aufgaben im Alltag. Eltern-Assistenz ersetzt nicht den Bedarf an persönlicher Assistenz! Mütter mit Behinderung haben zusätzlich ein Recht darauf.

Begleitete Elternschaft
Begleitete Elternschaft gibt es besonders für Mütter mit einer geistigen Behinderung oder Lernschwierigkeit. Auch sie möchten mit ihren Kindern zusammenleben. Und sie möchten die wichtigste Bezugsperson für die Kinder sein. Damit das möglich ist, brauchen sie manchmal Unterstützung. Zum Beispiel bei der Erziehung der Kinder. Oder dabei, den Tagesablauf zu planen. Manchmal brauchen sie auch Hilfe bei den Arbeiten im Haushalt oder beim Umgang mit Geld.

Mehr Informationen zur Eltern-Assistenz und zur Begleiteten Elternschaft finden Sie im Familienratgeber-Artikel "Eltern mit Behinderung".

Frauen müssen von Reha-Trägern besonders berücksichtigt werden

Frauen sind häufig durch Kindererziehung und Haushalt stark belastet. Kommt eine Behinderung dazu, ist die tägliche Arbeit mit Familie und Beruf noch anstrengender. Oft schaffen es Frauen mit Behinderung deswegen nicht, an Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation teilzunehmen. Und sie sind häufiger und länger arbeitslos.
Deshalb regelt das 9. Sozialgesetzbuch zur Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderung: Alle Rehabilitationsträger müssen die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigen (SGB 9, Paragraf 1). Das bedeutet, dass es Angebote in Wohnortnähe geben muss. Hilfen bei der Kinderbetreuung, beim Einkauf oder beim Besuch einer Behörde können auch familienunterstützende und entlastende Dienste leisten. Dadurch können Frauen mit Behinderung eher an Förderungen und Therapien teilnehmen. Wenn Mütter mit Behinderung keine Betreuung finden, können sie ihre Kinder auch zur Rehabilitation mitnehmen. Reisekosten und Übernachtung bezahlt der Rehabilitationsträger. Bei einer stationären Rehabilitation haben Mütter mit Behinderung Anspruch auf Kinderbetreuungskosten. Pro Kind können sie dafür bis zu 160 Euro im Monat bekommen. Die rechtliche Grundlage hierfür ist das Sozialgesetzbuch 9, Paragraf 74.

Nachteilsausgleiche sind häufig an einen Arbeitsplatz gebunden

Menschen mit Behinderung bekommen manche Nachteilsausgleiche nur dann, wenn sie arbeiten. Dadurch sind Mütter mit Behinderung benachteiligt, die ihre Kinder selbst erziehen. Menschen mit Behinderung können zum Beispiel Zuschüsse zum Auto-Kauf oder zur Anpassung der Wohnung erhalten. Mütter mit Behinderung erhalten diese Leistungen dagegen nur schwer, wenn sie nicht arbeiten. Meist handelt es sich um Ermessensleistungen. Das heißt, die Behörde muss diese Leistung nicht bezahlen. Sie entscheidet je nachdem, wie viel Geld sie noch zur Verfügung hat. Tipps wie man zum Beispiel an Zuschüsse kommt, können oft andere Eltern und Mütter mit Behinderung geben. Sie kennen wichtige Ansprechpartner und wissen, welchen Zuschuss man noch beantragen könnte.

Auf der Internet-Seite des Bundesverbands behinderter und chronisch kranker Eltern (bbe) e.V. finden Sie Tipps und Kontakte zu anderen Eltern und Müttern mit Behinderung.

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zuletzt aktualisiert: 12.05.2020

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