Mütter mit Behinderung   

Viele Frauen mit Behinderung wünschen sich Kinder. Doch statt Hilfe, bekommen sie häufig viele Gründe zu hören, warum sie lieber keine Kinder haben sollten. Dabei ist das Recht auf Elternschaft ein Menschenrecht. Außerdem können Mütter mit Behinderung sehr wohl für ihre Kinder sorgen. Manche brauchen Hilfe durch Assistenzen oder besondere Wohnangebote. Andere können ihre Kinder wie alle Menschen alleine oder mit Hilfe der Familie versorgen.


Kinderwunsch

Frauen mit Behinderung haben es oft schwer, wenn sie sich ein Kind wünschen. Oft hören sie, dass sie sich nicht richtig um das Kind kümmern könnten. Oder ob sie nicht Angst hätten, dass ihr Kind auch eine Behinderung haben könnte. Dabei sind nur vier Prozent der Behinderungen angeboren, alle anderen treten im Laufe des Lebens auf. Freunde, Familie oder auch Ärzte versuchen manchmal sogar Druck auf die Frauen mit Behinderung aufzubauen. Sie verweigern zum Beispiel Hilfe und Unterstützung.

Doch Mutter zu werden ist ein Menschenrecht. Auch in der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Recht auf Elternschaft von Menschen mit Behinderung festgeschrieben. Deutschland hat die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben und sich damit verpflichtet, jede Benachteiligung von Eltern mit Behinderung abzubauen. Menschen mit Behinderung haben also das Recht, frei zu entscheiden, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. Auch wie viele Kinder und wie schnell hintereinander ein zweites oder drittes Kind gewünscht ist, sollen Menschen mit Behinderung frei entscheiden.

Menschen mit geistiger Behinderung sollten sich über die Familienplanung gut informieren. Eigene Kinder zu haben ist eine große Freude, doch sie bedeuten auch eine große Verantwortung und viel Arbeit. Ein Praktikum zum Beispiel in einem Kindergarten kann einen Einblick geben, wie man den Alltag mit Kindern organisieren muss. Mehr Infos zur Aufklärungsarbeit für Menschen mit geistiger Behinderung finden Sie auf der Internetseite der Lebenshilfe.

Kein Mensch darf gegen seinen Willen sterilisiert werden

Frauen mit psychischen Krankheiten oder geistigen Behinderungen bekommen oft den Rat, sich sterilisieren zu lassen. Seit 1992 darf keine Frau (und auch kein Mann) gegen ihren Willen sterilisiert werden. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs ist die Sterilisation gesetzlich verboten. Danach soll jeder Mensch selbst entscheiden. Wenn Menschen nicht selbst einwilligen können, muss ein strenges gesetzliches Vorgehen eingehalten werden:

  1. Wenn ein Mensch keinen Sex hat, darf er oder sie nicht sterilisiert werden. Denn dann kann die Frau nicht schwanger und der Mann nicht Vater werden.
  2. Wenn andere Maßnahmen der Schwangerschaftsverhütung zumutbar sind, müssen erst diese Maßnahmen ergriffen werden.
  3. Eine Frau oder ein Mann muss die Sterilisation selbst wollen. Oder der Betreuer oder die Betreuerin will die Sterilisation, sie darf aber nicht gegen den Willen der betreuten Person geschehen.
  4. Ein Gericht bestellt eigens einen Betreuer für die Sterilisation. Betreuungs-Vereine oder Behörden dürfen nicht als Sterilisationsbetreuer bestellt werden.
  5. Ein Betreuungsgericht kann erst jetzt der Sterilisation zustimmen.
  6. Die Sterilisation darf erst zwei Wochen nach dem Gerichtsbeschluss vorgenommen werden. Wenn es möglich ist, muss die Sterilisations-Operation gewählt werden, die auch wieder rückgängig gemacht werden kann.

Eltern-Assistenz, begleitete Elternschaft und Hilfsmittel

Viele Mütter mit Behinderung brauchen Hilfe bei der täglichen Betreuung und Pflege ihrer Kinder. Je nach Behinderung mehr oder weniger, manche kommen komplett ohne Hilfe aus. Menschen mit geistiger Behinderung können zum Beispiel in speziellen Wohn-Angeboten Hilfe und Unterstützung erhalten.
Mehr Informationen zur Eltern-Assistenz und zur Begleiteten Elternschaft finden Sie im Familienratgeber-Artikel "Eltern mit Behinderung".

Frauen müssen von Reha-Trägern besonders berücksichtigt werden

Frauen sind häufig durch Kindererziehung und Haushalt stark belastet. Kommt eine Behinderung dazu ist die tägliche Arbeit mit Familie und Beruf noch anstrengender. Oft schaffen es Frauen mit Behinderung deswegen nicht, an Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation teilzunehmen. Und sie sind häufiger und länger arbeitslos.

Deshalb regelt das 9. Sozialgesetzbuch zur Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderung: Alle Rehabilitationsträger müssen die Bedürfnisse von Frauen besonders berücksichtigen. Das bedeutet, dass es Angebote in Wohnortnähe geben muss. Hilfen bei der Kinderbetreuung, beim Einkauf oder beim Besuch einer Behörde können familienunterstützende und entlastende Dienste (siehe Link unten) leisten. Dadurch können Frauen mit Behinderung eher an Förderungen und Therapien teilnehmen. Wenn Mütter mit Behinderung keine Betreuung finden, können sie ihre Kinder auch zu den Maßnahmen zur Rehabilitation mitnehmen. Reisekosten und Übernachtung bezahlt der Rehabilitationsträger. Bei einer stationären Rehabilitation haben Mütter mit Behinderung normalerweise Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Besteht aus irgendeinem Grund kein Anspruch, kann eine Pauschale von 130 Euro gezahlt werden. Denn die Mutter benötigt während einer Rehabilitation trotzdem Kinderbetreuung (SGB 9, Paragraf 54).

Nachteilsausgleiche sind häufig an einen Arbeitsplatz gebunden

Menschen mit Behinderung bekommen manche Nachteilsausgleiche nur dann, wenn sie arbeiten. Dadurch sind Mütter mit Behinderung benachteiligt, die ihre Kinder selbst erziehen. Menschen mit Behinderung können zum Beispiel Zuschüsse zum Auto-Kauf oder zur Anpassung der Wohnung erhalten. Mütter mit Behinderung erhalten diese Leistungen dagegen nur schwer, wenn sie nicht arbeiten. Meist handelt es sich um Ermessensleistungen. Das heißt, die Behörde muss diese Leistung nicht bezahlen. Sie entscheidet je nachdem, wie viel Geld sie noch zur Verfügung hat. Tipps wie man zum Beispiel an Zuschüsse kommt, können oft andere Eltern und Mütter mit Behinderung geben. Sie kennen wichtige Ansprechpartner und wissen, welchen Zuschuss man noch beantragen könnte.

Weitere Informationen

  • Auf der Internet-Seite des Bundesverbands behinderter und chronisch kranker Eltern - bbe e.V. finden Sie Tipps und Kontakt zu anderen Eltern und Müttern mit Behinderung.
  • Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bundesverband e. V. (VAMV) bietet vor allem Beratung und Infos für Alleinerziehende.
  • Angebote zur Unterstützung von Eltern mit geistiger Behinderung finden Sie auf der Internetseite www.begleiteteelternschaft.de.
  • Der Selbsthilfeverein Schatten und Licht e.V. bietet Hilfe bei Depressionen nach der Geburt.
  • Eine Gruppe von Menschen möchte Kindern von Menschen mit psychischer Erkrankung helfen. Auf der Internetseite www.netz-und-boden.de finden Sie weitere Infos.
  • Der Verein bvkm bietet eine Broschüre als PDF für Mütter, die in den Beruf zurückkehren möchten und ein Kind mit Behinderung haben.
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zuletzt aktualisiert: 12.06.2017

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