Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Die wichtigsten Infos der neuen Eingliederungshilfe

Manche Menschen mit Behinderung brauchen Hilfe, damit sie arbeiten, zur Schule gehen, ein Museum besuchen oder Freunde treffen können. Diese und viele weitere Hilfe-Leistungen bietet die Eingliederungshilfe. Mit der Eingliederungshilfe soll es für Menschen mit Behinderung besser möglich sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zur Eingliederungshilfe.


Warum ist Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung so wichtig?

Manche Menschen mit Behinderung brauchen Hilfe, damit sie ganz normale Dinge machen können: Zum Beispiel arbeiten, zur Schule gehen, Sport machen, ins Kino gehen, mit anderen Menschen sprechen. Die Eingliederungshilfe soll dafür sorgen, dass Menschen mit Behinderung diese Hilfe bekommen. So soll es für Menschen mit Behinderung möglich sein, ein selbstbestimmtes Leben wie alle Menschen zu führen. Durch die Eingliederungshilfe sollen sie selbst entscheiden, wie sie leben wollen, welchen Beruf sie lernen wollen, welche Hobbys sie ausüben wollen.

Die wichtigsten Aufgaben der Eingliederungshilfe:

  • Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, so zu leben, wie sie es gerne möchten
  • Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen
  • eine Behinderung zu vermeiden
  • die Folgen einer Behinderung zu beseitigen
  • die Folgen einer Behinderung abzuschwächen

Was ist neu an der Eingliederungshilfe seit 1. Januar 2020?

  1. Der Mensch soll im Mittelpunkt stehen: Denn jeder Mensch ist anders. Selbst wenn manche Menschen eine sehr ähnliche Behinderung haben, so können sie sich doch sehr unterscheiden. Denn auch der Ort an dem sie leben spielt eine Rolle. Oder ob sie viel Geld haben oder nur sehr wenig. Ob es jemandem leichtfällt, sich auf neue Dinge einzulassen oder nicht.
  2. Der Mensch mit Behinderung soll selbst bestimmen: Das neue Gesetz sorgt für mehr Mitbestimmungsrecht. Mehr dazu unter „Mehr Selbstbestimmung durch das Wunsch- und Wahlrecht“.
  3. Die Eingliederungshilfe ist klar von Sozialleistungen, wie zum Beispiel Hartz 4 getrennt. Das Ziel dieser Änderung: Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr als Bittsteller im Sozialamt auftreten müssen. Sondern sie sollen ein Recht auf Eingliederungshilfe haben, so wie jeder ein Recht hat, wählen zu gehen. Wer neben der Eingliederungshilfe auch Sozialleistungen erhalten möchte, muss jetzt zwei Anträge stellen: einen für die Eingliederungshilfe und einen für die Sozialleistungen. Es gibt eine Ausnahme: Für Menschen mit Behinderung unter 18 Jahren ist die Eingliederungshilfe von Sozialleistungen nicht getrennt. So können zum Beispiel Schüler in ein Internat gehen, wo sie Essen und Unterricht bekommen.
  4. Menschen mit Behinderung können immer eine Person zur Unterstützung und Beratung mitnehmen. So kann zum Beispiel ein sehr guter Freund, der Vater oder die Nachbarin zum Eingliederungshilfe-Beratungsgespräch mitkommen. Denn mit einer Vertrauensperson kann man gestärkter in ein Gespräch gehen. Denn bei der Eingliederungshilfe gibt es immer wieder Situationen, in denen man miteinander sprechen und beraten sollte. Zum Beispiel: 1. Beratungsgespräch, wenn man zum ersten Mal Eingliederungshilfe beantragen möchte. 2. Gesamtplankonferenz. 3. Verlängerung einer Maßnahme der Eingliederungshilfe.
  5. Die Beratung zur Eingliederungshilfe muss verständlich sein. Im Gesetz heißt es „wahrnehmbar“. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein gehörloser Mensch die Beratung in Gebärdensprache bekommen soll. Ein Mensch mit geistiger Behinderung in Leichter Sprache.
  6. Das Vermögen und Einkommen von Partnern von Menschen mit Behinderung oder Eltern von volljährigen Kindern mit Behinderung wird für die Eingliederungshilfe nicht angerechnet.

Durch das neue Gesetz soll es besser möglich sein, auf jeden einzelnen Menschen und sein persönliches Leben einzugehen. Auch sollen Menschen mit Behinderung selbstbestimmt und nach eigenen Vorstellungen mitbestimmen können. Doch das Gesetz ist noch sehr neu. Es ist also noch nicht klar, ob dieses Ziel auch im echten Leben erreicht wird.

In welcher Form gibt es Eingliederungshilfe?

Man kann Eingliederungshilfe als Geld-, Sach- oder Dienstleistung bekommen:

LeistungsformErklärung
Geld-leistungMan bekommt Geld auf das Konto überwiesen. Mit diesem Geld kann man dann die Hilfe selbst bezahlen (Persönliches Budget).
Sach-leistungSachleistungen sind zum Beispiel: Hilfsmittel wie Hörgeräte, Assistenzen für Arbeit oder Schule, Reha-Sport.
Dienst-leistungKostenlose Beratung und Unterstützung rund um die Eingliederungshilfe. Das kann zum Beispiel Hilfe bei der Antragstellung sein. Oder Beratung, welche Träger, Maßnahmen und Möglichkeiten der Eingliederungshilfe es gibt.

Wie ist die Eingliederungshilfe eingeteilt?

Die Eingliederungshilfe ist in vier Bereiche eingeteilt:

BereichStelle im 9. SozialgesetzbuchBeispiele
Medizinische RehabilitationParagraf 109 bis 110Behandlung durch Ärzte, Früherkennung, Frühförderung, Hilfe bei der Vermittlung zur Selbsthilfe, Psychotherapie, Medikamente, Verbandsmittel. Weitere Infos zum Thema finden Sie in der Familienratgeber-Rubrik Reha und Therapie
Teilhabe am ArbeitslebenParagraf 111Hilfsmittel für den Arbeitsplatz, Assistenzen, Werkstätten für behinderte Menschen
Teilhabe an BildungParagraf 112Schulbegleitung, Vorlesekräfte, Studienassistenzen, Kommunikationsassistenzen
Soziale TeilhabeParagraf 113 bis 116Leistungen für Wohnraum, Assistenz, zur Betreuung in einer Pflegefamilie, Mobilität, Hilfsmittel, Freizeit

Streit bei den Zuständigkeiten

Es ist nicht immer klar, welcher Bereich für eine bestimmte Maßnahme zuständig ist. Deswegen kann es zu Problemen kommen, wer die Eingliederungshilfe bezahlen soll. Wichtig ist, warum ein Mensch mit Behinderung eine Maßnahme braucht. Das Ziel der Maßnahme ist also entscheidend. Ein Beispiel: Das heilpädagogische Reiten hat verschiedene Ziele: Das Reiten kann für Kinder entspannend sein und zu mehr Lebensfreude führen. Mit diesen Zielen müsste diese Maßnahme von der Sozialen Teilhabe abgedeckt werden. Ist das Ziel aber, dass sich das Kind körperlich und geistig weiterentwickeln soll, dann gehört die Maßnahme zur medizinischen Rehabilitation. Je nach Ziel ändert sich also der Bereich, der für die Maßnahme bezahlen muss.

Mehr Selbstbestimmung durch das Wunsch- und Wahlrecht

Menschen mit Behinderung haben das Recht darauf mitzubestimmen, welche Leistung sie bekommen sollen. So steht es in Paragraf 8 des 9. Sozialgesetzbuch. Außerdem ist es auch entscheidend,

  • wie alt eine Person ist,
  • ob die Person eine Frau, ein Mann oder ein diverses Geschlecht hat,
  • ob die Person eine Familie hat und wie sie zusammenleben,
  • welche Religion eine Person hat oder woran die Person glaubt.

Was bedeutet das? So kann zum Beispiel ein junger Mensch mit Behinderung sagen, dass er nicht in einem Altenwohnheim wohnen möchte. Das Alter ist hier entscheidend. Oder eine weibliche Person kann sagen, dass sie nicht an einer Reha-Maßnahme teilnehmen möchte, an der ganz viele Männer teilnehmen.
Doch das bedeutet nicht, dass jeder Mensch nun frei entscheiden kann. Auch Kosten, die Qualität der Leistung oder der Wohnort sind wichtig.

So soll das Wunsch- und Wahlrecht funktionieren:

  • Das wichtigste einer Leistung ist, dass sie den Bedarf deckt. Das heißt, dass eine Person auch genau das bekommt soll, was sie braucht. Zum Beispiel: Eine Person braucht eine Reha mit dem Schwerpunkt Bewegung und Ernährung. Dann ist eine Reha-Klinik mit dem Schwerpunkt Sucht nicht richtig. Der Bedarf kann dort nicht gedeckt werden.
  • Gibt es mehrere Leistungen die den Bedarf decken, greift das neue Wunsch- und Wahlrecht. Als erstes muss jetzt geprüft werden, ob die Leistung zumutbar ist. Was zumutbar ist oder nicht, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Deswegen muss man jetzt schauen, wie lebt diese Person, wie alt ist sie, wo wohnt sie, welche Religion hat sie.
  • Ist eine Leistung unzumutbar, dann fällt sie weg.
  • Gibt es mehrere Leistungen, die zumutbar sind, sind die Kosten entscheidend. Eine Leistung, die sehr viel teurer ist, fällt dann weg.

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zuletzt aktualisiert: 14.05.2020

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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/eingliederungshilfe.php

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