Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Eingliederungshilfe

Die Eingliederungshilfe ist eine Geld- oder Sach-Leistung für Menschen mit Behinderung. Durch die Eingliederungshilfe sollen Menschen mit Behinderung besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Auch Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen bekommen Eingliederungshilfe. Ganz konkret heißt das: Sie bekommen Geld für verschiedene Hilfen. Zum Beispiel für eine persönliche Hilfe am Arbeitsplatz. Welche Hilfen zur Eingliederungshilfe gehören, steht im 9. Sozialgesetzbuch, Teil 2.


Aufgaben der Eingliederungshilfe

Die wichtigsten Aufgaben der Eingliederungshilfe sind laut Gesetz:

  • Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, so zu leben, wie sie es gerne möchten
  • Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen
  • eine Behinderung zu vermeiden
  • die Folgen einer Behinderung zu beseitigen
  • die Folgen einer Behinderung abzuschwächen

Durch diese Aufgaben ergeben sich verschiedene Leistungen. Man kann die Eingliederungshilfe in vier Bereiche einteilen:

  • Hilfen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren
  • Hilfen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
  • Hilfen zur Ausbildung, zum Studium und zum Beruf
  • Hilfen zur medizinischen Rehabilitation

Hilfen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Eingliederungshilfe erhalten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer psychischen oder seelischen Behinderung. Das kann zum Beispiel eine Depression, eine Entwicklungsverzögerung beim Sprechen, eine Drogensucht oder auch ADHS sein. Von Geburt an bis zum Ende der Schulzeit bietet die Eingliederungshilfe verschiedene Leistungen.

Leistungen der EingliederungshilfeErklärung und Beispiele
FrühförderungZiel der Frühförderung ist es, Kinder mit Behinderung noch vor der Schule zu fördern. Die Kinder bekommen dann zum Beispiel Hilfe, wenn sie nicht gut Sprechen können. Mehr Informationen können Sie im Familienratgeber-Artikel "Frühförderung" lesen.
Kindergarten & Co.Kinder mit Behinderung können in einen heilpädagogischen Kindergarten, eine inklusive Kinderkrippe oder inklusive Kindertagesstätte gehen. Dort bekommen sie intensive Förderung. Zum Beispiel Sprachförderung oder Bewegungsübungen. Mehr Informationen können Sie im Familienratgeber-Artikel "Kindergarten & Co." lesen.
SchuleGeht das Kind in eine Regelschule, braucht es manchmal Hilfe durch einen persönlichen Assistenten. Die Kosten dafür kann die Eingliederungshilfe tragen. Mehr Informationen können Sie im Familienratgeber-Artikel "Inklusion in der Schule" lesen.

Leistungen zur sozialen Teilhabe

Damit Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, brauchen sie manchmal Hilfe. Die UN-Behindertenrechtskonvention garantiert dieses Recht. In Deutschland ist dieses Recht im Sozialgesetzbuch 9 (SGB IX) festgeschrieben. Welche Hilfen dies sind, steht in Paragraf 113 im Sozialgesetzbuch 9 (SGB 9, § 113).
Die Kosten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben übernimmt die Eingliederungshilfe, wenn keine andere Stelle zuständig ist. Andere Stellen können zum Beispiel die Krankenkasse oder die Unfallversicherung sein.
Beispiele für Leistungen zur Teilhabe:

  • Nicht medizinische Hilfsmittel: Zum Beispiel Dinge, die im Alltag helfen, wie spezielles Besteck. In besonderen Einzelfällen kann auch ein Auto dazu gehören.
  • Hilfen beim Kontakt mit anderen Menschen: Zum Beispiel ein Sprach-Computer, Gebärdensprach-Dolmetscher.
  • Hilfen für eine barrierefreie Wohnung: Die Eingliederungshilfe kann zum Beispiel Teile der Kosten für den Umbau oder Bau einer barrierefreien Wohnung übernehmen.
  • Hilfen beim ambulant betreuten Wohnen: Zum Beispiel die Kosten für eine Haushaltshilfe oder einen Sozialarbeiter.
  • Hilfen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: Zum Beispiel die Kosten für Taxi-Fahrten, einen Assistenten, Kino- oder Theater-Karten.

Hilfen für Ausbildung, Studium und Beruf

Zur Eingliederungshilfe im 9. Sozialgesetzbuch gehören auch die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und an der Bildung. Zum Beispiel die Hilfen für Menschen mit Behinderung in der Ausbildung, im Studium oder im Beruf. Die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben regelt Paragraf 111. Die Leistungen zur Teilhabe an Bildung regelt Paragraf 112. Die Kosten für Hilfen im Beruf übernehmen oft das Arbeitsamt, der Integrationsfachdienst, das Integrationsamt oder eine Kranken- oder Pflegeversicherung. Nur wenn keine dieser Stellen zuständig ist, greift die Eingliederungshilfe. Zum Beispiel übernimmt sie dann die Kosten für eine Arbeitsassistenz oder für einen Sprach-Computer.
Mehr Informationen zu Hilfen im Bereich Ausbildung, Studium und Beruf finden Sie in der Familienratgeber-Rubrik "Bildung und Arbeit".

Hilfen zur medizinischen Rehabilitation

Siehe hierzu die Familienratgeber-Texte „Reha und Therapie

Persönliches Budget

Man kann die Leistungen der Eingliederungshilfe auch als Persönliches Budget erhalten. Das Persönliche Budget ist eine Geld-Leistung. Mit diesem Geld können sich Menschen mit Behinderung die Hilfe zur Teilhabe selbst "einkaufen". Das heißt konkret, sie stellen eine persönliche Assistentin oder einen persönlichen Assistenten an. Das bedeutet viel Selbstbestimmung aber auch viel organisatorische Arbeit.
Wer Leistungen der Eingliederungshilfe bekommt, hat ein Recht auf das Persönliche Budget. Das Persönliche Budget regelt Paragraf 29 im 9. Sozialgesetzbuch (SGB 9, § 29).
Mehr Informationen finden Sie im Familienratgeber-Artikel "Persönliches Budget".

Wer bezahlt die Eingliederungshilfe?

Eingliederungshilfe bekommen Menschen mit Behinderung nur, wenn kein anderer Kostenträger die notwendige Hilfe bezahlt. Zum Beispiel die Pflegeversicherung oder das Integrationsamt. Das nennt man „Nachrang der Eingliederungshilfe“. Bis einschließlich 2019 gehört die Eingliederungshilfe zu den Sozialleistungen und wird von den Sozialämtern bezahlt. Ab dem 1.1.2020 ist die Eingliederungshilfe nicht mehr Teil der Sozialhilfe.
Wer dann die Eingliederungshilfe bezahlt, hängt davon ab, in welchem Bundesland man lebt. In den meisten Bundesländern sind die Landkreise und die kreisfreien Städte zuständig. In Nordrhein-Westfalen sind die Landschaftsverbände die Träger der Eingliederungshilfe.
Wer in Ihrem Bundesland die Eingliederungshilfe übernimmt, können Sie auf der Internetseite „Umsetzungsbegleitung Bundesteilhabegesetz“ lesen.

Wo stelle ich den Antrag auf Eingliederungshilfe?

Den Antrag auf Eingliederungshilfe müssen Sie zurzeit (2019) noch beim örtlichen Sozialamt stellen. Ab dem 1.1.2020 ändern sich die zuständigen Stellen. Fragen Sie nach, bei Ihrer Stadt- oder Kreisverwaltung, oder bei einer EUTB-Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Die EUTB-Beratungsstellen beraten Sie auch bei weiteren Fragen zur Eingliederungshilfe.

Weitere Informationen

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zuletzt aktualisiert: 29.10.2019

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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/eingliederungshilfe.php

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