Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Welche Aufgaben hat die Krankenversicherung? Wie viel kostet sie? Und was bekommt man dafür? Kann man Familienmitglieder mitversichern? Welche Sonderregelungen gibt es für chronisch kranke Menschen und Menschen mit Behinderung? Diese und andere Fragen beantwortet der Text.


Aufgaben

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist in Deutschland eine Pflichtversicherung. Sie hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu verbessern. Wenn man krank ist, soll sie helfen wieder gesund zu werden. Wenn man wegen einer Krankheit oder einer Behinderung zum Arzt oder in ein Krankenhaus muss, zahlt die Krankenversicherung die Kosten für die Behandlung. Sie übernimmt die Kosten entweder ganz oder teilweise. Die Versicherung bezahlt auch Arzneimittel, die ein Arzt verschreibt. Alle Menschen, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, bekommen die gleichen Grund-Leistungen. Dabei ist es egal, bei welcher Krankenkasse man versichert ist. Die rechtliche Grundlage für die Krankenversicherung ist das 5. Sozialgesetzbuch (SGB V). Dort stehen auch die Aufgaben der Versicherung und welche Leistungen sie erbringt. Manche Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern freiwillig Extra-Leistungen an. Zum Beispiel Sportkurse für die Gesundheitsvorsorge oder alternative Heilmethoden. Beispiele für alternative Heilmethoden sind die Akupunktur und die Homöopathie.

Wieviel kostet die Krankenversicherung?

Alle Versicherten in gesetzlichen Krankenkassen zahlen den gleichen Grundbetrag. Diesen Grundbetrag nennt man auch Sockelbetrag oder Beitragssatz. Momentan beträgt er 14,6 Prozent des Einkommens. Wenn man Arbeitnehmer ist, übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte des Beitragssatzes. Das sind 7,3 Prozent. Der Beitragssatz reicht jedoch nicht aus, um die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen zu decken. Deshalb verlangen die Krankenkassen von den Versicherten einen Zusatzbeitrag. Den Zusatzbeitrag müssen die Versicherten alleine bezahlen. Die Arbeitgeber beteiligen sich nicht. 2016 lag der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,1 Prozent des Einkommens. Wie hoch die einzelnen Zusatzbeiträge sind, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse.

Familienversicherung

Wer in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, kann Familienmitglieder kostenfrei mitversichern. Das gilt für folgende Familienmitglieder:

  • Kinder, Adoptivkinder
  • Ehepartner
  • eingetragene Lebenspartner
  • Stiefkinder und Enkel, wenn der Versicherte für sie sorgt
  • Pflegekinder
  • Kinder von familienversicherten Kindern

Kinder über 18 Jahre können Sie nur unter bestimmten Voraussetzungen mitversichern. Zum Beispiel dürfen die Kinder noch nicht selbst arbeiten. Bis zum 25. Lebensjahr kann man sie mitversichern, wenn sie noch zur Schule gehen oder eine Berufsausbildung machen. Mehr hierzu lesen Sie auf der Internetseite des Ministeriums für Gesundheit.

Zuzahlung bei Arzneimitteln und Hilfsmitteln

Ein anderes Wort für Arzneimittel ist Medikament. Medikamente sollen dabei helfen, Krankheiten zu heilen oder vor Krankheiten schützen. Es gibt Medikamente, die jeder in der Apotheke kaufen kann. Man nennt sie rezeptfreie Medikamente. Und es gibt andere Medikamente, die man nur mit einem Rezept vom Arzt bekommen kann. Diese nennt man verschreibungspflichtige Medikamente.

Rezeptfreie Medikamente muss man selbst bezahlen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten dafür meistens nicht. Zum Beispiel gibt es für ein Nasenspray oder ein Kopfschmerzmittel meistens kein Geld von der Krankenkasse. Für verschreibungspflichtige Medikamente gibt es ein Rezept beim Arzt. Damit geht der Patient zur Apotheke und bekommt dort das Medikament. Die Krankenkasse bezahlt die Kosten dafür. Einen Teil der Kosten muss der Patient aber selbst bezahlen, nämlich zehn Prozent. Mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro. Kostet das Medikament weniger als fünf Euro, muss der Patient den vollen Preis selbst bezahlen.

Beispiele:

  • Kostet ein Medikament 20 Euro, zahlt der Patient 5 Euro.
  • Kostet ein Medikament 60 Euro, zahlt der Patient 6 Euro.
  • Kostet es 250 Euro, zahlt er 10 Euro.
  • Kostet es 3,50 Euro, zahlt er 3,50 Euro.

Für Kinder unter 18 Jahren gilt die Zuzahlung für Arzneimittel nicht! Auch nicht für Schwangere, wenn sie das Arznei- oder Hilfsmittel wegen ihrer Schwangerschaft benötigen. Das gleiche gilt auch für Verbands- und Hilfsmittel (zum Beispiel Prothesen, Rollstühle oder Hörgeräte). Bei manchen Hilfsmitteln gibt es Festbeträge. Das bedeutet, die Krankenkasse zahlt nur bis zu diesem Betrag. Den Rest muss man selbst bezahlen.

Chronisch kranke Menschen

Wer chronisch krank ist, braucht regelmäßig Medikamente und muss oft zum Arzt oder zu einer Therapie. Deshalb ist die Zuzahlung für chronisch Kranke begrenzt. Die Grenze für die Zuzahlung liegt bei einem Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens. Verdient man zum Beispiel 30.000 Euro im Jahr, muss man maximal 300 Euro selbst zahlen. Wer verheiratet ist oder Kinder hat, kann Freibeträge vom Bruttoeinkommen abziehen. Wenn die Zuzahlung für Medikamente, Hilfs- und Heilmittel die Grenze von einem Prozent übersteigt, zahlt die Krankenkasse.
Als chronisch krank gilt:

  • wer wegen einer Krankheit ein Jahr lang mindestens einmal im Quartal zum Arzt muss

und wer zudem:

  • pflegebedürftig ist, oder
  • einen Grad der Behinderung von mindestens 60 hat, oder
  • eine Erwerbsminderung von mindestens 60 Prozent hat, oder
  • wegen der Krankheit immer wieder und oft zum Arzt muss.

Tipp

Wenn Sie die Grenze für die Zuzahlung erreicht haben, können Sie einen Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung stellen. Den Antrag geben Sie bei Ihrer Krankenkasse ab.

Behandlung beim Zahnarzt

Bei der Zahnarzt-Behandlung übernimmt die Krankenkasse die sogenannte Regelversorgung. Die Regelversorgung ist die Behandlung, die medizinisch notwendig ist. Zum Beispiel bekommt man Zahnersatz, wenn ein oder mehrere Zähne fehlen. Sonderleistungen muss man selbst bezahlen. Sonderleistungen sind zum Beispiel Zahnersatz oder Kronen aus Gold oder Keramik, oder eine Zahnfüllung aus Kunststoff. Wenn man Sonderleistungen wählt, kann man trotzdem das Geld für die Regelversorgung erhalten.

Weitere Informationen

zuletzt aktualisiert: 29.03.2017

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