Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Frauen mit Behinderung und Arbeit

Frauen mit Behinderung finden schwerer einen Arbeits- und Ausbildungsplatz als Männer mit Behinderung. Sie verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss. Und sie sind öfter arbeitslos. Obwohl Frauen mit Behinderung mehr Förderung brauchen, ist bisher nur wenig geschehen. Eltern, Lehrer*innen und Betreuer*innen sollten deswegen Mädchen und Frauen mit Behinderung besonders unterstützen. Auch die Politik, Unternehmen und Schulen sollten gezielt Frauen mit Behinderung fördern. Zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Ausbildung, einem Studium und später nach einem Arbeitsplatz.


Schule und Ausbildung

Mädchen mit Behinderung sollten schon in der Schule erfahren, welche Möglichkeiten es zur Ausbildung oder zu einem Studium gibt. Sie sollten selbst entscheiden dürfen, in welchem Bereich sie arbeiten wollen. Durch eine gute Vorbereitung verbessert sich die Möglichkeit, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ohne Ausbildung oder Studium ist es später sehr schwer, für sich selbst zu sorgen. Auch sollten Eltern, Lehrer*innen und Betreuer*innen die Mädchen und junge Frauen schon möglichst früh in ihrer Persönlichkeit stärken. Sie können die jungen Frauen zum Beispiel dazu ermutigen, ein Praktikum zu machen. Auch eine ehrenamtliche Tätigkeit oder ein Nebenjob können hilfreich sein. Junge Frauen mit Behinderung können dort erste Arbeitserfahrungen sammeln, Aufgaben und Verantwortung übernehmen. Diese Erfahrungen können auch später in der Ausbildung und im Beruf nützlich sein.

Warum sind Frauen mit Behinderung doppelt benachteiligt?

Schon beim Übergang von der Schule in den Beruf sind Frauen und Mädchen mit Behinderung benachteiligt. Sie verlassen im Vergleich zu Jungen doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss. Mädchen mit Behinderung bekommen seltener einen Ausbildungsplatz als Jungen mit Behinderung. Auch an Förder-Maßnahmen nehmen weniger junge Frauen mit Behinderung teil. Zum Beispiel an einem berufsvorbereitenden Jahr. Dadurch starten junge Frauen mit Behinderung schon schlechter ins Berufsleben. Hinzu kommt die Benachteiligung durch die Behinderung. Denn Menschen mit Behinderung sind häufiger arbeitslos als Menschen ohne Behinderung.
Frauen mit Behinderung sind auf dem Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt: als Frau und als Mensch mit Behinderung. Diese doppelte Benachteiligung ist noch nicht allgemein anerkannt. Eine Studie der Aktion Mensch (aus dem Jahr 2021) zeigt, dass Frauen mit Behinderung:

  • weniger verdienen,
  • seltener Vollzeit arbeiten,
  • seltener in einer Führungsposition
  • insgesamt häufiger arbeitslos sind.

Außerdem sind Frauen mit Behinderung durch Aufgaben in Haushalt und Familie besonders belastet.
Zur Studie "Frauen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt"

Arbeitslosigkeit und das Risiko, arm zu sein

Der schlechte Start vieler junger Frauen ins Berufsleben hat Folgen: Viele Frauen mit Behinderung sind arm.
Etwa die Hälfte der Männer mit Behinderung hat einen Arbeitsplatz, aber nur 39 Prozent der Frauen mit Behinderung. Frauen mit Behinderung melden sich zudem seltener arbeitslos. Sie ziehen sich aus dem Arbeitsleben zurück, wenn sie für sich keine Möglichkeit mehr sehen, einen Job zu finden. Auch an Maßnahmen der Berufsförderung nehmen Frauen mit Behinderung seltener teil. Zum Beispiel an Umschulungen oder einem Berufs-Training.
Ein Grund dafür: Viele Maßnahmen der beruflichen Wieder-Eingliederung finden nicht wohnortnah statt. Die Frauen müssten deshalb entweder weit fahren oder für einige Zeit woanders wohnen. Das ist besonders schwierig für Frauen, die eine eigene Familie haben. Auch hier fehlen Angebote zur Kinderbetreuung.

Wie kann man diese Benachteiligung beenden?

Gute Beratung und Schulungen der Frauen und Mädchen zu Ausbildungs-Möglichkeiten sind wichtig. Zum Beispiel in Berufsbildungswerken. Arbeitsagenturen, Integrationsämter und EUTB-Beratungsstellen können Frauen mit Behinderung und deren Familien bei der Suche nach Arbeitsplätzen beraten und unterstützen.
Infos zu berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) finden junge Frauen mit Behinderung auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit. Diese Bildungsmaßnahmen dauern bis zu 10 Monaten. Sie bestehen aus mehreren Praktika in verschiedenen Betrieben plus Unterricht. Junge Menschen können dadurch:

  • verschiedene Berufe und Betriebe kennenlernen,
  • Kontakte zu möglichen Ausbildungs-Betrieben bekommen,
  • andere junge Menschen kennenlernen, die in einer ähnlichen Situation sind.

Warum sollten Unternehmen Frauen mit Behinderung einstellen?

Frauen mit Behinderung sind wertvolle Fachkräfte. Sie sind oft besser ausgebildet als Menschen ohne Behinderung. Und sie sind sehr motiviert.
Zudem lohnt sich eine Einstellung für Arbeitgeber*innen auch finanziell. Denn: Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeiter*innen müssen mindestens fünf Prozent Menschen mit Schwerbehinderung einstellen. Erfüllen sie diese Pflicht nicht, müssen sie die Ausgleichsabgabe zahlen. Das ist eine Art Strafzahlung. Um die Marke von fünf Prozent zu erfüllen, sollten Unternehmen auch verstärkt Frauen mit Schwerbehinderung berücksichtigen. Einige Arbeitgeber*innen versuchen schon Frauen zu ermutigen, sich zu bewerben. Sie schreiben in die Ausschreibung, dass "Bewerbungen von Frauen ausdrücklich erwünscht sind". Einige schreiben auch, dass Menschen mit Behinderung bei der Stellenvergabe bevorzugt werden. Es gibt viele gute Gründe Frauen mit Behinderung besonders anzusprechen und zu einer Bewerbung zu ermutigen.

10 Gründe Frauen mit Behinderung zu beschäftigen

Von der Aktion Mensch gibt es ein Info-Heft für Arbeitgeber*innen mit dem Titel „10 Gründe einen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen“. Darin finden Sie viele gute Gründe, Frauen und Männer mit Behinderung einzustellen.
Sie können das Info-Heft kostenlos herunterladen oder als gedrucktes Heft bestellen.

Was ist das Budget für Arbeit und Ausbildung?

Eine interessante Möglichkeit für Frauen mit Behinderung, eine Arbeit zu finden, kann das Budget für Arbeit sein. Es soll Menschen mit Behinderung dabei helfen, einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Das Budget für Arbeit können Personen bekommen:

  • die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) arbeiten,
  • oder die das Recht haben, dort zu arbeiten.

Seit 2020 gibt es zudem das Budget für Ausbildung. Es soll jungen Menschen helfen, eine betriebliche Ausbildung zu machen. Auch das Budget für Ausbildung ist eine Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM).
Die rechtliche Grundlage für das Budget für Arbeit und Ausbildung ist das Sozialgesetzbuch 9, Paragraf 61.

Mehr Informationen dazu lesen Sie in den Familienratgeber-Artikeln
Budget für Arbeit und
Ausbildung mit Behinderung.

Weitere Informationen

  • Aktion Mensch: Thema "Frauen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt".
  • Weibernetz e.V. setzt sich für die Rechte von Frauen mit Behinderung ein. Sie finden dort auch den Kontakt zu lokalen Netzwerken für Frauen mit Behinderung.
  • Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in Nordrhein-Westfalen hat Kompetenz-Zentren für "Frauen und Wirtschaft" aufgebaut. Auf der Internetseite Competentia können kleine und mittelständische Unternehmen nach solchen Zentren vor Ort suchen. Die lokalen Zentren bieten Schulungen und Beratung. Zum Beispiel für Unternehmen, die familienfreundlicher werden möchten. Sie finden dort auch interessante Termine zum Thema Arbeit und Frauen mit Behinderung.
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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/schwerbehinderung/frauen-maedchen/frauen-arbeit.php

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