Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Sozialhilfe und Pflege

Die Kosten für die Pflege eines pflegebedürftigen Menschen bezahlt meistens die Pflegeversicherung. In manchen Fällen übernimmt aber das Sozialamt die Kosten. Diese Sozialleistung nennt man Hilfe zur Pflege. Man bekommt die Hilfe, wenn das Geld von der Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die Pflege zu bezahlen. Eine weitere Voraussetzung für die Sozialleistung: Die oder der Pflegebedürftige und nahe Angehörige haben nicht genug Geld, um die Pflege selbst zu bezahlen.


Wer erhält Hilfe zur Pflege?

Das Sozialamt bezahlt die Hilfe zur Pflege nur, wenn man kein oder zu wenig Geld von der Pflegeversicherung bekommt. Man sagt dazu: Die Sozialhilfe ist nachrangig gegenüber der Pflegeversicherung. Bevor das Sozialamt zahlt, prüft es aber, ob der Pflegebedürftige oder nahe Angehörige die Pflege selbst bezahlen können.
 
Die Kosten für die Pflege bezahlt das Sozialamt, wenn:

  • das Geld von der Pflegekasse nicht ausreicht, um die Pflege zu bezahlen. Das kommt zum Beispiel bei Menschen vor, die schwerst-pflegebedürftig sind. Die Pflege kostet dann oft sehr viel Geld. Und wenn die pflegebedürfte Person und die nahen Angehörigen nicht genug Geld haben, um selbst die Kosten zu bezahlen.
  • die pflegebedürftige Person keine Leistungen von der Pflegekasse erhält. Zum Beispiel, weil sie nicht kranken- und pflegeversichert ist.
  • keine andere Stelle die Pflege bezahlt, zum Beispiel die Unfallversicherung.

Pflegebedürftige können die Hilfe zur Pflege auch bekommen, wenn sie keinen Pflegegrad haben. Zum Beispiel, wenn sie kürzer als sechs Monate pflegebedürftig sind.
Was "pflegebedürftig" genau bedeutet, können Sie im Familienratgeber-Artikel "Pflegebedürftig - Was heißt das?" lesen.
 
Die rechtliche Grundlage für die Hilfe zur Pflege ist das 12. Sozialgesetzbuch (SGB XII), Paragrafen 61-66.

Welche Pflege-Leistungen bezahlt das Sozialamt?

Das Sozialamt zahlt alle Leistungen, die normalerweise die Pflegekasse übernimmt. Welche das genau sind, können Sie im Familienratgeber-Artikel „Pflegeversicherung“ und „Leistungen der Pflegeversicherung“ nachlesen. Die wichtigsten Pflege-Leistungen, die das Sozialamt bezahlt, sind:

  • Pflegegeld für die Pflege zu Hause. Damit kann man zum Beispiel einen Angehörigen oder Nachbarn bezahlen, der die Pflege übernimmt.
  • die Pflege von ambulanten Pflegediensten.
  • die Tages- oder Nachtpflege in einem Pflegeheim. Das nennt man auch teilstationäre Pflege.
  • Kurzzeitpflege. Das ist die Pflege in einem Pflegeheim für einige Tage oder Wochen.
  • Verhinderungspflege. Zum Beispiel, wenn die eigentliche Pflegeperson krank oder im Urlaub ist. Dann übernimmt eine andere Person oder ein Pflegedienst die Pflege zu Hause.
  • Pflege in einem Pflegeheim. Die pflegebedürftige Person lebt im Pflegeheim. Das nennt man auch vollstationäre Pflege.
  • Verpflegung und Unterkunft in einem Pflegeheim, wenn die Pflegekasse dies nicht bezahlt.
  • Ein Taschengeld für die pflegebedürftige Person. Es beträgt für Erwachsene mindestens 116,64 Euro pro Monat (Stand: 2020).

Muss ich die Hilfe zur Pflege beantragen?

Ja. Die Hilfe zur Pflege müssen Sie schriftlich beantragen. Den Antrag können Sie bei Ihrem Sozialamt stellen. Bei Ihrem Sozialamt bekommen Sie auch ein Antrags-Formular. Sie sollten vorher dort anrufen und fragen, welche Unterlagen Sie mitbringen müssen. Meistens benötigen Sie diese Unterlagen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Belege über Einkommen oder Rente
  • eventuell Belege über Vermögen, zum Beispiel Sparbücher oder Wertpapiere
  • Bescheid über Pflegegrad
  • eventuell Vorsorge- oder Betreuungsvollmacht
  • Rechnungen von Pflegediensten oder dem Pflegeheim
  • Nachweise über Ausgaben, zum Beispiel Mietkosten

Sie sollten den Antrag so früh wie möglich stellen. Die Sozialämter bezahlen nicht für die Vergangenheit. Das Geld bekommen Sie erst ab dem Tag, an dem Sie den Antrag stellen.
Wenn Sie in einer gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versichert sind, helfen Ihnen die Mitarbeiter der Versicherung weiter. Sie haben Anspruch auf eine Pflegeberatung. Die Beratung ist kostenlos.

Weitere Informationen

Weitere Familienratgeber-Artikel zum Thema

zuletzt aktualisiert: 27.10.2020

Adressen vor Ort

Finden Sie Angebote in Ihrer Nähe

Zum Seitenanfang

Netzwerk der Regionalpartner

Über 150 regionale Netzwerke sind bereits für den Familienratgeber aktiv. Informieren Sie sich jetzt.

Zur Karte

Regionalpartner-Anmeldung

Partner werden

Damit das Angebot des Familienratgebers mit Hilfe eines regionalen Netzwerks kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden kann, suchen wir ständig nach weiteren Regionalpartnern.

Jetzt bewerben!

Adressen vor Ort

Sie suchen passende Beratungsstellen für Ihr Anliegen? Finden Sie hier Einrichtungen in Ihrer Nähe, die Sie im Hinblick auf Ihre persönlichen Bedürfnisse professionell beraten.

Jetzt suchen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/sozialhilfe-pflege.php

Zur Aktion Mensch