Sexuelle Aufklärung

Für die meisten Jugendlichen ist Sexualität ein wichtiges Thema – auch wenn selten offen darüber gesprochen wird. Gerade bei Jugendlichen mit Behinderung gibt es noch sehr viele Tabus und Unsicherheiten. Besonders, wenn es sich um schwere und mehrfache Behinderungen handelt, haben vielen Menschen Angst die richtigen Worte zu finden. Eine frühzeitige und wiederholende sexuelle Aufklärung kann Unsicherheiten abbauen.


Jugendliche wollen Sexualität erleben und können Wege dazu finden - egal ob in einer festen Partnerschaft oder ohne Beziehung. Wer Jugendlichen helfen will, ein - auch sexuell - erfülltes Leben zu führen, muss in Erfahrung bringen, was der oder die Betreffende schön findet.

Pubertät

Die Pubertät der eigenen Kinder ist für Eltern meistens eine schwierige Zeit. Die Kinder werden frech und testen ihre Grenzen aus oder streiten sich häufig mit jedem. Körperlich entwickeln sich Menschen mit geistiger Behinderung genauso wie jeder in diesem Alter. Die seelisch-geistige Entwicklung verläuft häufig etwas langsamer. Aber auch wenn es langsamer geht, Menschen mit geistiger Behinderung entdecken irgendwann ihre sexuellen Wünsche. Und sie wollen darüber sprechen und sie gestalten.

Oft haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen oder Eltern Sorgen und Ängste, wenn beim Kind die Sexualität erwacht. Dabei kann die Pubertät für Menschen mit geistiger Behinderung eine große Chance sein. Sexuelle Befriedigung, ein Verhältnis zu einem anderen Menschen, Zuneigung, vielleicht sogar Liebe können einen jungen Menschen sehr glücklich machen. Junge Menschen zu unterstützen und zu festigen, kann auch zu einem besseren Verhältnis zu den Eltern führen.

Weitere Informationen:

Sexualaufklärung im Jugendalter

Sexuelle Aufklärung ist enorm wichtig, um über Probleme und Wünsche sprechen zu können. Eltern sollten je nach Entwicklung frühzeitig damit anfangen. Wenn zum Beispiel die Nachbarin einen dicken Bauch und dann ein Baby bekommt, können Eltern erklären, wie ein Kind entsteht. Mädchen und Jungen sollten darüber aufgeklärt werden, dass sich ihr Körper in der Pubertät verändern wird. Am besten schon, bevor die Monatsblutung oder ein Samenerguss auftreten. Vor allem bei jungen Menschen mit einer geistigen Behinderung ist es wichtig, die sexuelle Aufklärung deutlich und wiederholend zu gestalten. Denn oft haben Menschen mit geistiger Behinderung später erste sexuelle Kontakte als gleichaltrige Jugendliche. Wenn es dann zu einem sexuellen Kontakt kommt, können sie sich vielleicht kaum noch daran erinnern, was der Lehrer im Aufklärungsunterricht gesagt hat. Wenn Eltern und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Einrichtungen und Diensten früh und wiederholend mit den Kindern und Jugendlichen über sexuelle Themen sprechen, ist es für alle leichter, Worte zu finden.

Beratung für Jugendliche mit Behinderung

Die Nachfrage nach Beratung und Hilfe für ein erfülltes sexuelles Leben zeigt, wie wichtig dieses Thema ist. Sexuelle Wünsche sind sehr verschieden und persönlich. Nicht immer können alle Wünsche erfüllt werden, aber sie sollten nicht ignoriert werden. Professionelle Sexualberatung kann für die Jugendlichen mit Behinderung sehr hilfreich sein. Aber auch Familienangehörige und Mitarbeiter in Einrichtungen können bei Problemen oder Unsicherheiten mit Sexualberatern sprechen. Zu empfehlen sind die Pro Familia-Beratungsstellen. 180 Beratungsstellen verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet. Hier können Sie Ihre Fragen zu Themen wie Sexualität, Partnerschaft, Schwangerschaft und Elternschaft stellen. Pro Familia bietet auch eine kostenlose Online-Beratung.

Sexualität und geistige Behinderung

Jugendliche mit geistiger Behinderung haben keine besondere Sexualität. Die meisten von ihnen wünschen sich genau das Gleiche wie Jugendliche ohne Behinderung: Freundschaft, Liebe, Partnerschaft, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Leidenschaft. Jugendliche mit geistiger Behinderung haben sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Eigenschaften. Gerade bei dem sensiblen Thema Sexualität muss diese Einzigartigkeit berücksichtigt werden. Deswegen kann man auch keine generelle Empfehlung geben, wie man Jugendliche bei ihrer Sexualität unterstützen und begleiten kann. Es gibt Einrichtungen, die sich auf die sexual-pädagogische Arbeit mit Jugendlichen mit geistiger Behinderung spezialisiert haben. Dort können Familienangehörige und Fachkräfte Beratung und Hilfe bekommen.

Selbstbefriedigung

Die meisten Jugendlichen befriedigen sich selbst. Mädchen und Jungen mit Behinderung selbstverständlich auch. Der Fachbegriff für Selbstbefriedigung ist Masturbation. Selbstbefriedigung ist völlig normal und hilft, den eigenen Körper besser kennen zu lernen. Die Jugendlichen sollten aber Lernen, wo Masturbation erlaubt ist und wo sie verboten ist. In den meisten Fällen verstehen Jugendliche, dass man in der Öffentlichkeit so intime Aktivitäten wie Masturbation nicht frei ausüben darf.

In der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen steht, dass sie ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Privatsphäre haben, so wie jeder andere auch. Jugendliche mit geistiger Behinderung benötigen aber oft Hilfe, wie sie sich selbst befriedigen können. Sie empfinden Lust, finden aber keinen Weg sie auszuleben. So bleibt ihre Sexualität gehemmt und unterentwickelt. Beratungsstellen können auch hier helfen, zum Beispiel Pro Familia.

Sexuelle Beziehungen und Partnerschaft

Auch Mädchen und Jungen mit einer geistigen Behinderung haben irgendwann den Wunsch nach Geschlechtsverkehr. Viele Eltern kommen gut damit zurecht. Sie sind froh, dass ihr jugendliches Kind eine Partnerin oder einen Partner gefunden hat. Dabei kommt es natürlich auch vor, dass ein Junge einen Jungen liebt oder ein Mädchen mit einem Mädchen zusammen ist. Gleichgeschlechtliche Liebe (Homosexualität) und Liebe zwischen Mann und Frau kommen unter Menschen mit geistiger Behinderung ebenso häufig vor wie in der Gesamtbevölkerung.

Schwangerschaftsverhütung

Bevor es zum Geschlechtsverkehr kommt, sollten junge Menschen mit Behinderung wissen, was sie tun können, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Jungen und Mädchen sollten gleichermaßen mit dem Thema der Schwangerschaftsverhütung vertraut gemacht werden. Neben Eltern oder Lehrern können auch Sexualtherapeuten den Jugendlichen zeigen, wie man ein Kondom benutzt oder was die Anti-Baby-Pille ist.

Welche Art der Verhütung einer Schwangerschaft gewählt werden kann und soll, muss sorgfältig überlegt werden. Offene Gespräche über das Thema Partnerschaft, im Zusammenhang mit Sex und Verhütung, sind sehr wichtig. Besonders jungen Frauen mit geistiger Behinderung wird oft vorsorglich eine Drei-Monatsspritze oder die Anti-Baby-Pille verabreicht, obwohl sie gar keinen sexuellen Kontakt haben. Dabei können manche Verhütungsmittel erhebliche Nebenwirkungen haben. Bei der Wahl der Verhütungsmethode sollte zudem unbedingt ein Facharzt gefragt werden. Manche Art der Verhütung verträgt sich nicht mit anderen Medikamenten, wie zum Beispiel Anti-Epileptika. Auch bei bestimmten Krankheiten darf man manche Art der Verhütung nicht anwenden.

Hat sich eine junge Frau mit geistiger Behinderung für die Anti-Baby-Pille entschieden, sollte die Pille immer an derselben auffälligen Stelle liegen. So wird die Einnahme nicht so schnell vergessen. Junge Frauen sollten auch eine Vertrauensperson haben, mit der sie über die Einnahme der Pille sprechen können. Wenn Nebenwirkungen auftreten oder die Einnahme der Pille vergessen wurde, können die jungen Frauen nach Rat und Hilfe fragen.

Weitere Informationen:

zuletzt aktualisiert: 09.05.2017

Adressen vor Ort

Finden Sie Beratungsstellen in Ihrer Nähe.

Zum Seitenanfang

Regionalpartner-Anmeldung

Partner werden

Damit das Angebot des Familienratgebers mit Hilfe eines regionalen Netzwerks kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden kann, suchen wir ständig nach weiteren Regionalpartnern.

Jetzt bewerben!

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/lebensphasen/kindergarten-schule/sexuelle-aufklaerung.php