Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Schule und Inklusion

Immer mehr Kinder mit und ohne Behinderung gehen gemeinsam auf eine Schule, wie zum Beispiel Grundschule, Realschule oder Gymnasium. Insgesamt geht die Inklusion in der Schule aber nur langsam voran. Denn noch immer lernen viele Kinder mit Behinderung auf einer Förderschule.


Was bedeutet Inklusion in der Schule?

Kinder mit und ohne Förderbedarf gehen auf dieselbe Schule und lernen gemeinsam. Lehrerinnen und Lehrer unterrichten alle Kinder. Brauchen Kinder mit Behinderung besondere Förderung, so unterstützen Sonderpädagogen den Unterricht. Manche Kinder mit Behinderung haben außerdem einen Assistenten dabei.

Der Unterricht ist nicht für alle Kinder in einer Klasse gleich: So bekommen Kinder, die langsamer lernen, Lernstoff oder Lernformen, die zu ihnen passen. Das können zum Beispiel besondere Arbeitsblätter oder Gruppenarbeit sein. Kinder, die sehr schnell lernen, bekommen schwierigere Aufgaben, denn auch sie brauchen Förderung.

Natürlich müssen die Schulen auch barrierefrei sein. Denn Kinder mit einer Gehbehinderung brauchen Fahrstühle oder Rampen. Kinder mit Sehbehinderung barrierefreie Unterrichtsmaterialien in digitaler Form oder Brailleschrift.

Recht auf gemeinsames Lernen in der Schule

Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf gleichberechtigte Bildung. So steht es

  • im 9. Sozialgesetzbuch Paragraf 112 und
  • in der UN-Behindertenrechtskonvention Artikel 24.

Sie sollen Unterstützung bekommen, damit sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Auch Schule und Bildung gehören zum gesellschaftlichen Leben.

Wie sieht es mit inklusivem Unterricht in Deutschland aus?

Kinder mit Behinderung gehen in Deutschland immer noch zu selten auf Regelschulen. Regelschulen sind zum Beispiel Grundschule, Gesamtschule, Haupt- oder Realschule und Gymnasium. Im echten Leben müssen Kinder mit Behinderung und ihre Eltern für eine gleichberechtigte Schulbildung kämpfen. Es fehlen immer noch Assistenten, Sonderpädagogen, Schulbegleiter, barrierefreien Schulen und vieles mehr.

In einigen Bundesländern wie Bremen und Schleswig-Holstein klappt Inklusion in der Schule schon recht gut. Dort können viele Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit allen Kindern in eine Regel-Schule gehen.

Grund- und Gesamtschulen bieten in Deutschland öfter inklusiven Unterricht an. Realschulen und Gymnasien schließen Kinder mit Behinderung oft aus.

Viele Länder in Europa schaffen es besser, Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten. Die meisten europäischen Länder haben viele ihrer Förderschulen schon geschlossen. Fast 85 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf lernen im europäischen Durchschnitt inklusiv. Deutschland schneidet in diesem Vergleich sehr schlecht ab.

Mehr Zahlen, Daten und Fakten finden Sie auf der Internetseite der Aktion Mensch zum Thema Inklusion in der Schule.

Vorteile von inklusiver Bildung

  • Jedes Kind bekommt genau die Förderung, die es braucht: Jeder Mensch ist anders. Und so hat auch jedes Kind seine eigenen Stärken und Schwächen, Talente, Interessen und Begabungen. Egal ob es eine Behinderung hat oder nicht. Im Moment müssen in der Schule alle Kinder eines Jahrgangs dasselbe lernen, in der derselben Geschwindigkeit. Das gilt für Kinder, die schneller lernen, genauso wie für Kinder, die langsamer lernen. Besser wäre es, wenn Lehrerinnen und Lehrer jedes Kind gezielt nach seinen Talenten, Begabungen, Interessen, Stärken und Schwächen fördern könnte. Inklusion hat genau das zum Ziel: Unterricht so zu gestalten, dass jedes Kind Förderung, Aufgaben und Lernmaterial bekommt, das es braucht. Durch neue Unterrichtsformen, offene Lerngruppen und persönliche Förderangebote können alle Kinder gemeinsam lernen. Jedes Kind nach seinen persönlichen Möglichkeiten.
  • Kinder lernen viel leichter mit Unterschieden umzugehen: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Teams mit unterschiedlichen Menschen erfolgreicher sind. Männer und Frauen mit unterschiedlichen Religionen, unterschiedlichem Alter, aus unterschiedlichen Ländern haben unterschiedliche Erfahrungen. Damit umzugehen, ist nicht immer leicht. Lernen Kinder schon von klein auf, wie man mit Unterschieden umgeht, haben sie es auch als Erwachsene viel leichter. Im inklusiven Unterricht lernen Kinder also noch viel mehr als nur den Lernstoff. Sie lernen den Wert und Gewinn der Vielfalt kennen.
  • Bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz für Kinder mit Behinderung: Gehen Kinder mit Behinderung auf eine inklusive Schule, dann haben sie als Erwachsene viel bessere Chancen einen Arbeitsplatz zu finden. Außerdem ist die Chance höher, dass Kinder mit Behinderung einen besseren Schulabschluss erreichen. Das bedeutet, dass sie später weniger staatliche Unterstützung brauchen und ein selbstständiges Leben führen können.
  • Bessere Leistungen aller Schülerinnen und Schüler im gemeinsamen Unterricht: Gehen Kinder in eine inklusive Schule, so verschlechtert sich die Leistung nicht, sondern wird teilweise sogar besser. Der Grund: Gelungene Inklusion verbessert den Unterricht.

Mehr Informationen zu den Vorteilen von inklusiver Bildung für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer finden Sie auf der Internetseite der Aktion Mensch zum Thema Potentiale und Mehrwerte.

Schwierigkeiten bei der Inklusion in der Schule

Inklusion kann nur funktionieren, wenn alle zusammenarbeiten: Bundesregierung, Bundesländer, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Bis jetzt gibt es noch nicht viele Schulen, an denen Inklusion sehr gut funktioniert.

Was sich an vielen Schulen noch ändern müsste:

  • Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Unterstützung beim inklusiven Unterricht. Sie brauchen Weiterbildungen. Sonderpädagogen und zusätzliche Lehrer sollten den Unterricht unterstützen.
  • Eltern brauchen mehr Informationen. Viele Eltern von Kindern ohne Förderbedarf haben Angst, dass ihr Kind zu wenig lernt. Viele Eltern von Kindern mit Behinderung haben dagegen Angst, dass ihr Kind mit Behinderung in der Schule keine Chance hat. Das es nur lernt, was es alles nicht kann und von Kindern ohne Behinderung ausgelacht wird. Eltern müssen erfahren, dass alle Kinder durch Inklusion gefördert werden können. Sehr intelligente Schüler, Schüler mit Förderbedarf oder auch Schüler, die handwerklich sehr begabt sind.
  • Schulen müssen barrierefrei, digitaler und moderner werden. Behindertentoiletten, Fahrstühle, Rampen und barrierefreie Lernmaterialien sind nur einige Dinge, die eine inklusive Schule braucht. Nur so können alle Schülerinnen und Schüler sich möglichst selbstständig bewegen.
  • Bund und Länder müssen gemeinsam daran arbeiten, dass Inklusion in deutschen Schulen zur Selbstverständlichkeit wird und gelingt. Bisher ist der Bund für die Sozialgesetzgebung und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zuständig. Die Bundesländer sind für die Schulgesetzgebung, Schulaufsicht, den Unterricht, die Lehrerinnen und Lehrer und weiteres pädagogische Personal zuständig. Die Städte und Kreise haben die Verantwortung für den Bau, Umbau und Betrieb von Schulen.
  • Schülerinnen und Schüler sollten lernen, dass es ganz normal ist, unterschiedlich zu sein. Am besten kann dies funktionieren, wenn Kinder schon von klein auf gemeinsam ihre Zeit verbringen: In der Kita genauso wie im Sportverein, im Schwimmbad oder auf dem Spielplatz. So ist es auch in der Grundschule, auf dem Gymnasium, der Haupt-, Real- oder Gesamtschule viel einfacher sich gegenseitig zu akzeptieren und auch zu respektieren.
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zuletzt aktualisiert: 15.05.2020

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