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Unterstützung in der Schule für Kinder mit Behinderung: Schulbegleiter

Kinder mit Behinderung haben das Recht, auf eine Regelschule zu gehen. Zum Beispiel auf eine Real-, Haupt-, Gesamtschule oder auf ein Gymnasium. Einige Kinder brauchen dafür Unterstützung. Auch auf diese Unterstützung haben sie ein Recht. Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter bieten diese Unterstützung.


Was sind Schulbegleiter und was machen sie?

Schulbegleiter, Schulassistenten, Integrationshelfer, Inklusionsassistenten, Individualbegleiter – sie alle machen dasselbe: Sie machen es möglich, dass ein Kind mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung auf eine Regelschule gehen kann. Sie unterstützen das Kind nur bei Dingen, die das Kind durch die Behinderung nicht alleine erledigen kann. Zum Beispiel Hilfe beim An- und Ausziehen, beim Gang zur Toilette, bei der Motivation, bei der Konzentration. Sie helfen auch, wenn es Ärger gibt.

Welche Arten von Schulbegleitung gibt es?

Am meisten gibt es die 1:1 Begleitung. Das heißt, ein Schulbegleiter kümmert sich um ein Kind. Der Vorteil der 1:1 Begleitung: Ein Schulbegleiter kann sich um ein Kind kümmern und ist sofort da, wenn das Kind Hilfe braucht. Es gibt aber auch Nachteile: 1. Das Kind könnte versuchen, bei jeder Kleinigkeit den Schulbegleiter um Unterstützung bitten. Das ist aber nicht das Ziel der Schulbegleitung. Denn das Kind mit Behinderung soll auch lernen, andere Schüler um Hilfe zu bitten. Es soll so viel wie möglich alleine schaffen und den Schulbegleiter nur einsetzen, wenn es nicht anders geht. Der 2. Nachteil ist, dass andere Kinder es seltsam finden könnten, dass da immer ein Schulbegleiter dabei ist. Das ist auch schwierig für das Kind mit Behinderung: Denn es braucht zwar Unterstützung. Aber meistens will es einfach nur so sein, wie alle anderen Schüler auch. Der 3. Nachteil ist, dass das Kind mit Behinderung den Schulbegleiter nicht (mehr) akzeptieren könnte. Besonders in der Pubertät könnte es schwieriger werden. Denn besonders in diesem Alter wollen junge Menschen selbstständig sein und eigene Entscheidungen treffen.

Eine weitere Möglichkeit ist die 1:2 oder 1:3 Begleitung. Das bedeutet, dass ein Schulbegleiter für zwei (1:2) oder drei Schüler (1:3) zuständig ist. Diese Begleitung funktioniert, wenn die Schüler mit Behinderung nicht ganz so viel Unterstützung brauchen. Oft akzeptieren die Kinder den Schulbegleiter besser. Denn es ist nicht ein Kind alleine, das Unterstützung braucht, sondern es sind mehrere. Alle Kinder in der Klasse merken dadurch, dass es „normal“ ist, Unterstützung zu bekommen. Außerdem lernen die Kinder selbstständig zu sein und so viel wie möglich selbst zu schaffen. Denn der Schulbegleiter ist auch für andere Kinder da.

Der Klassenhelfer kann Unterstützung bieten, wenn es mehr als drei Kinder mit Behinderung gibt. Hier ist es wichtig, dass der Klassenhelfer und der Lehrer oder die Lehrerin gut zusammenarbeiten. Außerdem müssen die Kinder mit Behinderung auch recht selbstständig sein, damit alle Schüler die Hilfe bekommen, die sie brauchen. Die Kinder akzeptieren den Klassenhelfer meist recht gut: Denn er oder sie bietet mehreren Kindern Hilfe an.

Manche Schulen nutzen die Pool- oder Budget-Lösung. Man nennt diese Schulen daher auch Pool- oder Budget-Schulen. Die Schulen arbeiten mit einem Träger zusammen, der Schulbegleitung anbietet. Die Schule und der Träger legen fest, wie viele Schulbegleiter eine Schule braucht. Diese Anzahl von Schulbegleitern bekommt die Schule dann. Bei Schulausflügen kann die Schule auch mehr Schulbegleiter bekommen. So hat die Schule den Vorteil, dass sie bei Bedarf mehr Schulbegleiter bekommen kann, wenn sie sie braucht.

Die einzelnen Schulbegleiter arbeiten normalerweise mit einer festen Klasse oder einem bestimmten Schüler zusammen. Der Träger kann dafür sorgen, dass die Schulbegleiter an gemeinsamen Fortbildungen teilnehmen können.

Wie lange dauert eine Schulbegleitung?

Das ist ganz unterschiedlich. Viele Schüler brauchen Schulbegleiter nur für einen gewissen Zeitraum. Das sind manchmal nur einige Monate, manchmal ein paar Jahre und bei manchen Schülern auch bis zum Schulabschluss. Denn einige Schüler brauchen für ein selbstständiges Leben immer Hilfe. Nach der Schule sind dann Arbeitsassistenz, Studienassistenz oder eine persönliche Assistenz möglich.

Wie kann man Schulbegleitung bekommen?

Wenn Sie Schulbegleitung für Ihr Kind haben wollen, dann müssen Sie einen Antrag auf Eingliederungshilfe stellen. Kosten entstehen keine, da Eingliederungshilfe für die Teilhabe an Bildung kostenlos ist. Mehr dazu lesen Sie im Familienratgeber Artikel „Infos zum Antrag auf Eingliederungshilfe“.
Wenn Ihr Kind auf eine sogenannte Pool- oder Budgetschule geht, müssen Sie meistens keinen Antrag stellen. Nähere Informationen bekommen Sie dann in der Schule selbst.

Welche Ausbildung brauchen Schulbegleiter oder Schulbegleiterinnen?

Ein Schulbegleiter oder eine Schulbegleiterin braucht nicht unbedingt eine Ausbildung. Denn es kommt darauf an, welche Hilfe ein Kind braucht. So können zum Beispiel Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, Schulbegleiter sein. Sie haben keine besondere Ausbildung. Es gibt aber auch Schulbegleiter, die eine Ausbildung als Erzieher, Heilerziehungspflegerin, Heilpädagoge, Sozialassistentin, Sozialpädagogin oder Sozialpädagoge haben.
Will jemand Schulbegleiterin oder Schulbegleiter werden, muss er oder sie oft folgende Bescheinigungen vorlegen:

  • erweitertes Führungszeugnis zur Vorlage bei Behörden
  • schriftliche Erklärung, dass keine Straftaten vorliegen oder ein Ermittlungsverfahren läuft.

Am besten, Sie lassen sich beraten. EUTBs, Caritas, Diakonie oder Lebenshilfe bieten zum Beispiel Beratung zur Schulbegleitung an. Sie können unter dem Stichwort „Schulbegleitung“ in der Familienratgeber-Suche nach Beratungsstellen suchen.

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zuletzt aktualisiert: 15.05.2020

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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/lebensphasen/kindergarten-schule/schulbegleitung.php

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