Flüchtlinge und Behinderung   

Flüchtlinge mit Behinderung haben in der Europäischen Union besondere Schutz-Rechte. Besondere Rechte haben auch minderjährige Flüchtlinge, die ohne erwachsene Angehörige nach Deutschland kommen. Welche Rechte sind das? Wo gibt es Beratung? Welche Hilfen und medizinische Versorgung bekommen Flüchtlinge mit Behinderung?


Viele Flüchtlinge, die nach Europa und Deutschland kommen, stehen unter besonderem Schutz. Dazu gehören chronisch Kranke, traumatisierte Personen, Schwangere, minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung und Menschen mit Behinderung. Etwa 15 Prozent der Flüchtlinge und Asylsuchenden haben eine chronische Krankheit oder Behinderung. Sie haben besondere Bedürfnisse, die das Aufnahmeland in Europa berücksichtigen muss. Hierzu zählt zum Beispiel:

  • die möglichst barrierefreie Aufnahmeunterkunft
  • die medizinische Betreuung
  • die Versorgung mit Hilfsmitteln, zum Beispiel eine Gehhilfe

Die rechtliche Grundlage für den Umgang mit schutz-bedürftigen Flüchtlingen ist die EU-Aufnahmerichtlinie für Schutzsuchende (2013/33/EU). Diese EU-Richtlinie setzt Deutschland bisher nur teilweise um.

Beratung für Flüchtlinge mit Behinderung und deren Angehörige

Beratungsstellen für Flüchtlinge und Menschen mit Behinderung gibt es von vielen Organisationen. Zum Beispiel von diesen:

  • Migrations-Beratungsstellen in Wohnortnähe – Eine Liste auf der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge
  • Wohlfahrtsverbände, zum Beispiel der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, die Arbeiterwohlfahrt (AWO) oder das Deutsche Rote Kreuz
  • Bundesverband Lebenshilfe
  • Kirchengemeinden
  • Beratungsstellen der Städte und Kommunen

Im Internet stehen inzwischen viele hilfreiche Informationen für Flüchtlinge. Zum Beispiel zu den Themen Ankunft in Deutschland, Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit. Eine gute Übersicht finden Sie auf der Internetseite von Pro Asyl. Pro Asyl leistet auch telefonische „Erste Hilfe“, zum Beispiel bei Fragen zum Asylverfahren, zum Familien-Nachzug, zur drohenden Abschiebung. Eine Beratung ist auf Deutsch oder Englisch möglich.

Sie können bei Pro Asyl anrufen oder eine E-Mail schicken:
Telefon-Nummer: +49 (0)69-242 314 20, Mo–Fr 10–12 Uhr und 14–16 Uhr
E-Mail: proasyl@proasyl.de

Medizinische Versorgung für Flüchtlinge mit Behinderung

Welche Behandlung Flüchtlinge mit chronischer Erkrankung oder Behinderung bekommen können, ist in Deutschland nicht eindeutig geregelt. Die Behörden können selbst entscheiden, ob sie Hilfen und Leistungen geben oder nicht. Das nennt man "behördliches Ermessen". Je nach Bundesland, Stadt oder Kommune ist die medizinische Versorgung deshalb sehr unterschiedlich. Aktuell haben Flüchtlinge und Asylbewerber nur bei akuten Erkrankungen oder Schmerz-Zuständen einen Anspruch auf medizinische Leistungen. Andere Leistungen werden nur bezahlt, wenn ein Arzt sagt, dass die Behandlung unbedingt notwendig ist. (Paragraf 4 Asylbewerberleistungsgesetz).

Anders ist dies bei Asylbewerbern, die länger als 15 Monate in Deutschland leben. Sie haben Anspruch auf die gleiche medizinische Versorgung wie Empfänger von Sozialhilfe. Die Asylbewerber bekommen dann auch eine elektronische Gesundheitskarte.
Hier können Flüchtlinge mit Behinderung und deren Angehörige weitere Informationen bekommen:

Traumatisierte Flüchtlinge und Folteropfer erhalten professionelle Hilfe in Psychosozialen Zentren. Zurzeit gibt es in Deutschland 39 Psychosoziale Zentren. Auf der Internetseite der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Psychosozialer Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF) finden Sie Informationen zum Thema „Behandlung traumatisierter Flüchtlinge“.

Das Portal Kindergesundheit-info.de hat eine Reihe von Informationen zum Thema Gesundheit von Flüchtlingskindern gesammelt. Die Informationen sind teilweise mehrsprachig und richten sich auch an ehrenamtliche Helfer und das Fachpersonal.
Den "Ratgeber Gesundheit für Asylsuchende in Deutschland" gibt das Bundesgesundheitsministerium und das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. heraus. Er bietet Informationen zur Gesundheitsversorgung für Asylbewerber in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch, Paschtu, Dari, Farsi und Kurdisch-Kurmanci. Die Ratgeber können Sie kostenlos herunterladen.

Der "Leitfaden zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen mit Behinderung" bezieht sich auf Berlin, ist aber auch für andere Orte hilfreich. Das Heft (PDF) hat 15 Seiten. Es ist eine Hilfe für Menschen, die Flüchtlinge mit Behinderung unterstützen wollen.

Angebote in verschiedenen Sprachen

Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) bietet kostenlose Beratung per Telefon und per E-Mail an. Hier können Sie Ihre Fragen zur Gesundheit stellen. Die Beratung ist in verschiedenen Sprachen möglich, unter anderen auf Arabisch. Viele Flüchtlinge sprechen zunächst wenig oder kein Deutsch. Für sie kann ein Arzt, der ihre Sprache spricht, wichtig sein. Die Kassenärztliche Vereinigung hilft bei der Suche. Adressen und Telefonnummern von Ärzten stehen auf der Internet-Seite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Für den Besuch beim Arzt gibt es hilfreiche Informationen in verschiedenen Sprachen im Internet. Kostenlos sind zum Beispiel diese:

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Für minderjährige Flüchtlinge, die ohne einen erwachsenen Angehörigen in Deutschland sind, ist das Jugendamt zuständig. Nicht die Ausländerbehörde. In der Jugendhilfe steht die Sicherheit (Sozialgesetzbuch 8, Paragraf 8a, b Kinderschutz) und das Wohl des Kindes im Vordergrund. Die geflüchteten Kinder und Jugendlichen haben zum Beispiel Anspruch auf:

  • Unterbringung und Versorgung in einer Einrichtung des Jugendamtes
  • einen persönlichen Vormund. Das ist ein Erwachsener, der sich um sie kümmert und ihr rechtlicher Vertreter ist.
  • Schulbildung oder berufliche Ausbildung

Die rechtliche Grundlage hierfür ist das Kinder- und Jugendhilferecht (Sozialgesetzbuch 8). Geflüchtete Mädchen und Jungen haben oft extreme Flucht- und Gewalterfahrungen gemacht. Deshalb brauchen sie eine besondere psychosoziale Begleitung. Wenn sie keine professionelle Hilfe bekommen, können diese Erfahrungen zu einer seelischen Behinderung führen.

Informationen für Menschen, die Flüchtlingen helfen wollen

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zuletzt aktualisiert: 08.11.2017

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