Schwerbehindertenausweis

Menschen mit einem Grad der Behinderung von 50 und mehr können einen Schwerbehindertenausweis bekommen. Wer hat Anspruch auf den Ausweis? Was nützt er? Und wo beantragt man den Ausweis? Diese und andere Fragen beantwortet der Text.


Wer bekommt einen Schwerbehindertenausweis?

Einen Schwerbehindertenausweis erhalten nur Menschen mit Schwerbehinderung. Schwerbehindert ist man, wenn der Grad der Behinderung (GdB) 50 oder mehr beträgt. Außerdem muss man in Deutschland wohnen oder hier arbeiten.

Sie müssen nicht unbedingt den Grad der Behinderung feststellen lassen und einen Schwerbehindertenausweis haben, um notwendige Hilfen zu bekommen. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zum Beispiel setzen keine Anerkennung der Schwerbehinderung voraus. Es gibt aber bestimmte Nachteilsausgleiche, für die Sie den Ausweis auf jeden Fall benötigen. So erhalten nur Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung den besonderen Kündigungsschutz, den Zusatzurlaub oder Vergünstigungen bei der Besteuerung des Einkommens. Um Vergünstigungen im öffentlichen Personennahverkehr zu bekommen, muss man den Grad der Behinderung nachweisen. Sie können also selbst überlegen, ob es für Sie sinnvoll ist, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen oder nicht.

Wo und wie beantragt man einen Schwerbehindertenausweis?

Den Schwerbehindertenausweis beantragen Sie bei Ihrer Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt. Die Adresse des zuständigen Amtes erfahren Sie beim Bürgeramt Ihrer Stadt. Den Antrag können Sie formlos oder direkt mit dem entsprechenden Antragsformular stellen. Erziehungsberechtigte oder Bevollmächtigte können den Antrag ebenfalls stellen. Antragsformulare gibt es bei den Kommunalverwaltungen, Versorgungsämtern, Fürsorgestellen, Sozialämtern, Behindertenverbänden und bei den Vertretungen für Menschen mit Schwerbehinderung in Betrieben. Bei vielen Kommunalverwaltungen und Versorgungsämter können Sie den Schwerbehindertenausweis auch online beantragen.

Der Schwerbehindertenausweis

Seit 2015 gibt es den Schwerbehindertenausweis im Scheckkartenformat. Der neue Ausweis enthält zusätzlich einen Hinweis zur Behinderung in englischer Sprache. Bei blinden Personen gibt es außerdem einen Hinweis in Brailleschrift. Das neue Format ersetzt die großen Ausweise aus Papier. Der Schwerbehindertenausweis ist grün und bei Menschen ab dem zehnten Lebensjahr mit einem Passbild versehen. Der Ausweis ist kostenlos. Das gilt auch dann, wenn Sie das Original verloren haben und einen neuen Ausweis beantragen.

Menschen mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr haben einen grün-orangen Ausweis. Diese haben das Recht auf kostenlose Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr. Ganz kostenlos ist die Beförderung im Grunde genommen aber nicht: Man muss zunächst bei der Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt eine Wertmarke für die „Freifahrt“ kaufen. Diese kostet 80 Euro pro Jahr, 40 Euro für ein halbes Jahr. Steht in Ihrem Ausweis das Merkzeichen „H“ (hilflos) oder „Bl“ (blind), bekommen Sie die Wertmarke kostenlos. Auch Empfänger von Sozialleistungen nach dem 3. Sozialgesetzbuch (SGB III), zum Beispiel Empfänger von Arbeitslosengeld II - (ALG-II), erhalten die Wertmarke kostenlos. Ist auf der Vorderseite des Ausweises das Merkzeichen „B“ (Begleitperson) nicht gestrichen (nur bei grün-orangem Ausweis), so kann auch eine Begleitperson im gesamten Personennahverkehr kostenlos mitfahren.

Gesundheitsmerkmale im Schwerbehindertenausweis

Als gesundheitliche Merkmale sind auf dem Schwerbehindertenausweis vermerkt:

G = Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich eingeschränkt
aG = Außergewöhnliche Gehbehinderung
H = Hilflos
Bl = Blind
Gl = Gehörlos
B = Die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson ist nachgewiesen.
TBl = Taubblind
RF = Ermäßigung des Rundfunkbeitrags um 2/3 auf Antrag

Schwerbehindertenausweis verlängern

Der Schwerbehindertenausweis ist bis zu fünf Jahre gültig. In Ausnahmefällen wird er unbefristet ausgestellt. Der Ausweis kann zweimal verlängert werden. Das macht das zuständige Versorgungsamt oder die Kommunalverwaltung. Ist der Ausweis bereits zweimal verlängert worden, können Sie beim Versorgungsamt oder bei der Kommunalverwaltung einen neuen Ausweis beantragen. Ärztliche Gutachten müssen Sie für die Verlängerung in der Regel nicht beifügen. Wenn sich Ihr Gesundheitszustand wesentlich verändert (verbessert oder verschlechtert) hat, müssen Sie dies dem Versorgungsamt mitteilen. Dann wird der Grad der Behinderung (GdB) und die Merkzeichen neu festgesetzt.

Darf man mit dem Schwerbehindertenausweis auf Behindertenparkplätzen parken?

Nein, der Besitz eines Ausweises allein reicht nicht aus, um Behindertenparkplätze nutzen zu dürfen! Weitere Informationen erhalten Sie im Familienratgeber-Artikel Parkerleichterungen für Menschen mit Schwerbehinderung.

Weitere Informationen

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zuletzt aktualisiert: 29.03.2017

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