Schwerbehindertenausweis

Menschen mit einem Grad der Behinderung von 50 und mehr können einen Schwerbehindertenausweis bekommen. Wer hat Anspruch auf den Ausweis? Was nützt er? Und wo beantragt man den Ausweis? Diese und andere Fragen beantwortet der Text.


Wozu braucht man einen Schwerbehindertenausweis?

Menschen mit Behinderung haben durch ihre Behinderung oft einen größeren Aufwand im Alltag. So müssen sie zum Beispiel mehr Geld für Medikamente, Hilfsmittel oder Pflege ausgeben. Um diesen und andere Nachteile zumindest etwas auszugleichen, gibt es „Nachteilsausgleiche“. Mehr zum Thema in der Familienratgeber-Rubrik Nachteilsausgleiche.

Für viele der Nachteilsausgleiche muss man nachweisen, dass man schwerbehindert ist. Hier kommt der Schwerbehindertenausweis ins Spiel. Der Schwerbehindertenausweis ist sozusagen die amtliche Anerkennung einer Schwerbehinderung. So erhalten nur Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung einen besonderen Kündigungsschutz für ihren Arbeitsplatz, Zusatzurlaub oder Vergünstigungen bei der Besteuerung. Auch um günstigere Karten für Museen, Schwimmbäder, Busse oder Bahnen zu bekommen, muss man einen Schwerbehindertenausweis vorlegen.

Einige Nachteilsausgleiche auch ohne Schwerbehindertenausweis möglich

Es gibt aber auch Nachteilsausgleiche, für die man keinen Schwerbehindertenausweis braucht. Diese Nachteilsausgleiche bekommt man meist, wenn man auf der Suche nach einem Arbeitsplatz ist. Auch Studierende können Nachteilsausgleiche, ohne Schwerbehindertenausweis erhalten. In solchen Fällen genügt es oft, wenn man ein ärztliches Gutachten über die Behinderung vorlegen kann. Keiner muss einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Jeder kann selbst überlegen, ob er oder sie einen Ausweis will oder nicht.

Wer bekommt einen Schwerbehindertenausweis?

Einen Schwerbehindertenausweis erhalten nur Menschen mit Schwerbehinderung. Schwerbehindert ist man, wenn der Grad der Behinderung (GdB) 50 oder mehr beträgt. Außerdem muss man in Deutschland wohnen oder hier arbeiten.

Sie müssen nicht unbedingt einen Schwerbehindertenausweis haben, um notwendige Hilfen zu bekommen. Für die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben braucht man zum Beispiel keinen Schwerbehindertenausweis. Es gibt aber bestimmte Nachteilsausgleiche, für die Sie den Ausweis auf jeden Fall benötigen. So erhalten nur Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung den besonderen Kündigungsschutz, den Zusatzurlaub oder Vergünstigungen bei der Besteuerung. Um günstigere Fahrkarten in Bussen oder Bahnen zu bekommen, muss man auch einen Schwerbehindertenausweis vorlegen.

Wo und wie beantragt man einen Schwerbehindertenausweis?

Den Schwerbehindertenausweis beantragen Sie bei Ihrer Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt. Die Adresse des zuständigen Amtes erfahren Sie beim Bürgeramt Ihrer Stadt. Den Antrag können Sie formlos oder mit einem Antragsformular stellen. Erziehungsberechtigte oder Bevollmächtigte können den Antrag ebenfalls stellen. Antragsformulare gibt es bei den Kommunalverwaltungen, Versorgungsämtern, Fürsorgestellen, Sozialämtern, Behindertenverbänden und bei den Vertretungen für Menschen mit Schwerbehinderung in Betrieben. Bei vielen Kommunalverwaltungen und Versorgungsämtern können Sie den Schwerbehindertenausweis auch online beantragen.

Sie können den Antrag auf Schwerbehinderung auch auf der Internetseite Einfach Teilhaben finden und herunterladen.

Der Schwerbehindertenausweis

Seit 2015 gibt es den Schwerbehindertenausweis im Scheckkarten-Format. Der neue Ausweis enthält zusätzlich einen Hinweis zur Behinderung in englischer Sprache. Bei blinden Personen gibt es außerdem einen Hinweis in Brailleschrift. Bei Menschen ab dem zehnten Lebensjahr hat der Ausweis ein Passbild. Der Schwerbehindertenausweis ist kostenlos. Das gilt auch dann, wenn Sie das Original verloren haben und einen neuen Ausweis anfordern. Die Grundfarbe ist grün.
Bei Menschen, die in ihrem Ausweis eines der Merkzeichen „G“, „aG“, „H“, „Bl“ oder „Gl“ haben, ist der Ausweis orange-grün. Sie dürfen kostenlos im Personennahverkehr mitfahren. Ganz kostenlos ist die Beförderung aber nicht: Man muss erst bei der Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt eine Wertmarke für die „Freifahrt“ kaufen. Diese kostet 80 Euro pro Jahr, 40 Euro für ein halbes Jahr. Steht in Ihrem Ausweis das Merkzeichen „H“ (hilflos) oder „Bl“ (blind), bekommen Sie die Wertmarke kostenlos. Auch Empfänger von Sozialleistungen nach dem 3. Sozialgesetzbuch (SGB III), zum Beispiel Empfänger von Arbeitslosengeld II - (ALG-II), erhalten die Wertmarke kostenlos. Ist auf der Vorderseite des grün-orangenen Ausweises das Merkzeichen „B“ (Begleitperson) nicht gestrichen, so kann auch eine Begleitperson im Personennahverkehr kostenlos mitfahren.

Weitere Informationen

Gesundheitsmerkmale im Schwerbehindertenausweis

Auf dem Schwerbehindertenausweis sind verschiedene Merkzeichen aufgedruckt:

G = Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich eingeschränkt
aG = Außergewöhnliche Gehbehinderung
H = Hilflos
Bl = Blind
Gl = Gehörlos
B = Die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson ist nachgewiesen.
TBl = Taubblind
RF = Ermäßigung des Rundfunkbeitrags um 2/3 auf Antrag

Schwerbehindertenausweis verlängern

Der Schwerbehindertenausweis ist bis zu fünf Jahre gültig. In Ausnahmefällen wird er unbefristet ausgestellt. Den Ausweis können Sie zweimal verlängern lassen. Das macht das zuständige Versorgungsamt oder die Kommunalverwaltung. Nach zwei Verlängerungen können Sie beim Versorgungsamt oder bei der Kommunalverwaltung einen neuen Ausweis beantragen. Ärztliche Gutachten müssen Sie für die Verlängerung normalerweise nicht beifügen. Wenn sich Ihr Gesundheitszustand wesentlich verändert (verbessert oder verschlechtert) hat, müssen Sie dies dem Versorgungsamt melden. Dann werden der Grad der Behinderung (GdB) und die Merkzeichen neu festgesetzt.

Darf man mit dem Schwerbehindertenausweis auf Behindertenparkplätzen parken?

Nein. Nur wer einen besonderen Parkausweis hat, darf auf einem Behindertenparkplatz parken. Weitere Informationen erhalten Sie im Familienratgeber-Artikel Parkerleichterungen für Menschen mit Schwerbehinderung.

Weitere Informationen

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Informationen in Deutscher Gebärdensprache

zuletzt aktualisiert: 19.11.2018

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