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Patientenverfügung

Was ist eine Patientenverfügung? Für wen ist sie sinnvoll? Und worauf sollte man achten, wenn man eine schreiben möchte. Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie im folgenden Text.


Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist eine Art Anweisung für Ärzte. Sie ist wichtig für den Fall, das eine Person nicht mehr selbst entscheiden kann. Zum Beispiel wenn Sein nach einem Unfall im Koma liegen. In der Patientenverfügung steht dann, welche Behandlung die Ärzte vornehmen dürfen und welche nicht. Zum Beispiel, dass ein Arzt keine Magensonde zur künstlichen Ernährung legen darf.
Deutschland kann jede Person über 18 Jahre eine solche Anweisung schreiben.

Wann wird die Patientenverfügung aktiv?

Solange Sie als Patient bei Bewusstsein sind, müssen Sie jeder Behandlung persönlich zustimmen oder sie ablehnen. Erst dann, wenn Sie nicht mehr selbst entscheiden können, wird die Patientenverfügung aktiv.

Wie schreibe ich eine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung sollte so genau wie möglich sein. Sie sollten genau beschreiben, in welcher Situation Sie welche Behandlung erhalten wollen. Zum Beispiel:
 
"Ich möchte keine künstliche Ernährung, wenn mein Gehirn nicht mehr richtig funktioniert. Das heißt, wenn ich sehr wahrscheinlich nie mehr selbst Entscheidungen treffen kann. Zwei verschiedene Ärzte sollen prüfen, ob ich auch in Zukunft nicht mehr selbst Entscheidungen treffen kann. Erst dann möchte ich keine künstliche Ernährung."
 
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat Beispiel-Texte für verschiedene Situationen zusammengestellt. Anhand dieser Beispiel-Texte können Sie entscheiden, wann Sie eine ärztliche Behandlung erlauben möchten und wann nicht.

Was passiert, wenn jemand keine Patientenverfügung hat?

Dann muss das Gericht einen Betreuer bestimmen. Der Betreuer entscheidet anschließend, ob der Arzt eine Behandlung vornehmen soll oder nicht. Familienangehörige wie Ehepartner oder Kinder können nicht für andere Personen entscheiden. Einen Betreuer bekommt jeder Mensch, der nicht für sich selbst entscheiden kann. Zum Beispiel, weil er eine geistige oder psychische Behinderung hat oder im Koma liegt. Genaueres dazu lesen Sie im Familienratgeber-Artikel "Rechtliche Betreuung".

Hat der Patient eine Vorsorgevollmacht, entscheidet der Bevollmächtigte für den Patienten. Näheres lesen Sie dazu im Familienratgeber-Artikel "Vorsorgevollmacht".

Welche Regeln muss ich für eine gültige Patientenverfügung einhalten?

Damit Ihre Patientenverfügung gültig ist, müssen Sie folgende Regeln einhalten:

  • Wenn Sie die Patientenverfügung schreiben, müssen Sie volljährig sein. Außerdem müssen Sie einwilligungsfähig sein. Das bedeutet, Sie müssen verstehen, welche Folgen eine ärztliche Behandlung haben kann. Die Folgen einer Operation können zum Beispiel sein, dass Sie für lange Zeit Medikamente einnehmen müssen. Oder, dass Sie nicht mehr gut sehen können.
  • Die Patientenverfügung muss schriftlich vorliegen und unterschrieben sein.

Wo bewahre ich die Patientenverfügung am besten auf?

Ihre Patientenverfügung sollte an einem Ort liegen, an dem man sie leicht findet. Zum Beispiel in einer Schublade im Schreibtisch. Am besten Sie sagen einer Person, der Sie vertrauen, wo die Patientenverfügung liegt. So können Angehörige die Verfügung schnell finden und weitergeben. Sie können sich auch eine so genannte Informationskarte besorgen. Auf der Karte steht, dass Sie eine Patientenverfügung haben und wo sie liegt. Die Info-Karte tragen Sie am besten immer bei sich, zum Beispiel im Geldbeutel. Ein kostenloses Muster für eine Informationskarte bietet das Justizministerium von Rheinland-Pfalz.

Ist eine Patientenverfügung für immer gültig?

Nein! Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit für ungültig erklären. Dafür müssen Sie nur aufschreiben, dass die Patientenverfügung ungültig ist und unterschreiben. Sie können sie auch zerreißen. Manche Menschen haben Ihrem Arzt oder Verwandten eine Kopie Ihrer Patientenverfügung gegeben. Sorgen Sie dafür, dass auch diese Kopien ungültig werden.

Muss ich eine Patientenverfügung schreiben?

Nein! Jeder Mensch über 18 Jahre kann selbst entscheiden, ob er eine Verfügung schreiben möchte oder nicht.

Wie treffen Betreuer, Bevollmächtigte und Ärzte eine Entscheidung?

Ein Patient hatte zum Beispiel einen Unfall, liegt im Koma und kann nicht mehr selbst entscheiden. Als erstes überprüft ein Arzt, welche Behandlung für den Patienten notwendig ist. Der Arzt und der Betreuer besprechen die Behandlungen. Hat der Patient einen Bevollmächtigten, spricht der Arzt mit dem Bevollmächtigten. Zum Beispiel darüber, welche Risiken eine Behandlung hat. Der Arzt und der Betreuer (oder Bevollmächtigte) versuchen jetzt eine Entscheidung zu treffen, die dem Willen des Patienten entspricht. Je genauer eine Patientenverfügung ist, desto leichter können der Arzt und der Betreuer (oder Bevollmächtigte) eine Entscheidung treffen und sie befolgen. Wenn Betreuer (oder Bevollmächtigter) und Arzt sich nicht einig sind, wie man die Patientenverfügung verstehen soll, muss das Betreuungsgericht eine Entscheidung fällen.

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zuletzt aktualisiert: 08.10.2020

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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/rechte/patientenverfuegung.php

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