Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Wie bekommt man einen Pflegegrad?

Um Leistungen der Pflegekasse zu bekommen, müssen Sie einen Pflegegrad haben. Wenn Sie einen Pflegegrad beantragen wollen, müssen Sie sich bei Ihrer Pflege- oder Krankenkasse melden. Es gibt insgesamt fünf Pflegegrade. Welchen Pflegegrad Sie bekommen, hängt davon ab, wie viel Pflege und Unterstützung Sie brauchen.


Welche Pflegegrade gibt es?

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die Pflege

Wie bekomme ich einen Pflegegrad?

Um einen Pflegegrad zu bekommen, müssen Sie einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse stellen. Die Pflegekasse ist dort, wo auch Ihre Krankenkasse ist. Den Antrag können Sie per Brief, Fax, Telefon oder E-Mail stellen. Wichtig ist der Satz: „Ich stelle einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse“. Stellen Sie Ihren Antrag so früh wie möglich. Dann bekommen Sie auch früher die Leistungen.
Die Pflegekasse schickt Ihnen anschließend ein Antrags-Formular zu. Wenn Sie Hilfe beim Ausfüllen des Antrags brauchen, bekommen Sie diese bei der Pflegekasse. Auch diePflegestützpunkte und Pflege-Beratungsstellen können Ihnen helfen.
Außerdem beauftragt die Pflegekasse einen Gutachter. Der Gutachter meldet sich bei Ihnen, um einen Termin zu vereinbaren. Der Gutachter kommt dann zu Ihnen nach Hause und schaut sich an, wie viel Hilfe Sie brauchen. Wenn Sie einen Pflegegrad für Ihr Kind oder einen Angehörigen beantragen wollen, funktioniert es genauso.
Sagen Sie dem Gutachter, dass Ihnen der Bescheid und das Gutachten zugesandt werden soll. Denn im Gutachten können Sie prüfen, warum ein bestimmter Pflegegrad vergeben wurde. Wenn Sie mit dem Gutachten und dem Pflegegrad nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch einlegen. Die Pflegekasse schickt den Bescheid und das Gutachten per Post.

Wie kann man sich auf das Gutachten vorbereiten?

Am besten ist es, wenn Sie sich auf den Besuch des Gutachters vorbereiten. Schreiben Sie zwei Wochen lang alles auf, was mit der Pflege zu tun hat. Zum Beispiel morgens 7:00 bis 7:30 Uhr waschen. Sie sollten auch alles aufschreiben, was für Sie besonders schwierig ist. Haben Sie zum Beispiel einen Angehörigen, der 100 Kilo wiegt, dann ist es sehr schwer ihn aus dem Bett zu heben.
Sie können dazu auch das kostenlose Pflegetagebuch des Familienratgebers nutzen. Das Pflegetagebuch ist für pflegende Eltern geschrieben. Sie können es aber auch für sich selbst oder Angehörige nutzen:

Pflegetagebuch herunterladen und ausdrucken

Tipp: Füllen Sie Ihr Pflegetagebuch aus und lassen Sie es von einer Beratungsstelle prüfen

Die Pflegesprache ist manchmal kompliziert. Deswegen kann sehr hilfreich sein, wenn Sie das ausgefüllte Tagebuch mit Experten besprechen. Zum Beispiel mit den Mitarbeitern einer Beratungsstelle oder eines Selbsthilfevereins. Diese Experten können Ihnen noch einmal wichtige Tipps und Infos geben. Die Erfahrung zeigt: Manchmal ist es eine ungünstige Formulierung. Oder Sie haben die Zeit für den Verbandswechsel zu kurz angegeben. Dann fehlen nur ein paar Minuten und schon kann es sein, dass Sie einen zu niedrigen Pflegegrad bekommen.

Sie können in der Familienratgeber-Suche nach Beratungsstellen für Pflege in Ihrer Nähe suchen: zur Familienratgeber-Suche

Wie funktioniert die Begutachtung?

Die Gutachter prüfen, wie viel eine Person selbst machen kann und wie viel Unterstützung sie braucht. Die Gutachter bewerten die Pflegebedürftigkeit in einzelnen Bereichen. Diese Bereiche nennt man Module. Jedes Modul hat eine gewisse Gewichtung. Das bedeutet, dass manche Module wichtiger für das Gutachten sind als andere. Zum Beispiel ist die „Selbstversorgung“ besonders wichtig: Dieses Modul fließt mit 40 Prozent in die Gesamtbewertung ein.

Das 2. und 3. Modul prüft der Gutachter einzeln. Für das Ergebnis des Gutachtens ist aber nur das Modul mit der höheren Punktzahl wichtig. Also entweder das 2. oder das 3. Modul.

In diesen sechs Modulen prüfen die Gutachter die Selbstständigkeit:

ModulBedeutung. In diesem Modul prüft der Gutachter,Gewichtung
1. Mobilitätob man selbstständig in der Wohnung gehen kann, ob man Treppen steigen kann, ob man im Bett gedreht werden muss.10 Prozent
2. geistige und kommunikative Fähigkeitenob man andere Menschen erkennt, ob man seine Wünsche und Bedürfnisse mitteilen kann, ob man selbst Entscheidungen treffen kann.15 Prozent
3. Verhalten und psychische Problemeob man aggressiv ist gegen sich selbst oder gegen andere, ob man unruhig ist und Ängste hat, ob man depressiv und antriebslos ist.15 Prozent
4. Selbstversorgungob man sich selbst waschen und anziehen kann, ob man selbst kochen und essen kann, ob man selbst zur Toilette gehen kann.40 Prozent
5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungenob man allein zum Arzt gehen kann, ob man selbstständig Medikamente einnehmen oder Spritzen setzen kann, ob man allein einen Verband wechseln kann.20 Prozent
6. soziale Kontakteob man sich mit anderen Menschen treffen und mit ihnen sprechen kann, ob man seinen Tagesablauf selbst planen kann, ob man sich beschäftigen kann.15 Prozent
In den einzelnen Bereichen vergeben die Gutachter Punkte. Je höher die Punktzahl ist, desto höher wird der Pflegegrad sein. Der Gutachter schickt seine Beurteilung an die Pflegekasse. Diese vergibt dann den Pflegegrad.

Reha vor Pflege

Die Gutachter prüfen auch, ob eine Reha dem Pflegebedürftigen helfen könnte. Zum Beispiel, ob eine Reha die Pflegebedürftigkeit verringern oder beseitigen kann. Wenn das der Fall ist, hat der Pflegebedürftige Anspruch auf eine Reha.

Weitere Informationen

Weitere Familienratgeber-Artikel zum Thema

zuletzt aktualisiert: 19.06.2020

Adressen vor Ort

Finden Sie Angebote in Ihrer Nähe

Zum Seitenanfang

Netzwerk der Regionalpartner

Über 150 regionale Netzwerke sind bereits für den Familienratgeber aktiv. Informieren Sie sich jetzt.

Zur Karte

Regionalpartner-Anmeldung

Partner werden

Damit das Angebot des Familienratgebers mit Hilfe eines regionalen Netzwerks kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden kann, suchen wir ständig nach weiteren Regionalpartnern.

Jetzt bewerben!

Adressen vor Ort

Sie suchen passende Beratungsstellen für Ihr Anliegen? Finden Sie hier Einrichtungen in Ihrer Nähe, die Sie im Hinblick auf Ihre persönlichen Bedürfnisse professionell beraten.

Jetzt suchen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/kranken-pflegeversicherung/pflegegrade.php

Zur Aktion Mensch