Arbeiten mit Behinderung

Menschen mit Schwerbehinderung finden oft nicht so leicht einen Arbeitsplatz. In Deutschland arbeiten nur 4,5 Prozent aller Menschen mit Schwerbehinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Damit es mehr werden, gibt es Förderprogramme. Erster Ansprechpartner ist häufig die Arbeitsagentur. Das Integrationsamt und der Integrationsfachdienst arbeiten ausschließlich daran, Menschen mit Behinderung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Wichtig ist, dass Menschen mit Behinderung wissen, welche Ansprüche sie haben.


Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit unterstützt und berät Menschen mit Behinderung bei der Arbeitssuche. Sie sucht zum Beispiel nach geeigneten Schulungen und Stellenangeboten oder prüft, ob Assistenz notwendig ist. Die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit können Sie auch in eine Unterstützte Beschäftigung vermitteln. Auf der Internetseite der Agentur für Arbeit finden Sie Informationen zum Thema "Menschen mit Behinderung und Arbeit". Unter anderem finden Sie dort Informationen der Aus- und Weiterbildung, zu rechtlichen Fragen oder zur beruflichen Rehabilitation.

Akademiker mit Schwerbehinderung

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) ist eine Abteilung der Agentur für Arbeit. Dort gibt es ein Team, das sich ausschließlich auf die Vermittlung von Akademikern mit Schwerbehinderung spezialisiert hat. Die ZAV bietet zusätzlich individuelle Beratung, gute Netzwerke und gelegentlich Bewerbungstrainings. Akademiker mit Schwerbehinderung können somit zwei Arbeitsvermittler erhalten, einen regulären und einen weiteren Berater von der ZAV. Die ZAV verschickt auch Stelleninformationen speziell für Akademiker mit Schwerbehinderung per E-Mail. Die Anmeldung erfolgt unter zav.sbakademiker-stellen@arbeitsagentur.de. Schreiben Sie einfach an diese Adresse, dass Sie die Stellenanzeigen für Akademiker mit Schwerbehinderung zugesandt haben wollen.
Kontakt zur ZAV:
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)
Arbeitgeber-Service für schwerbehinderte Akademiker
E-Mail: zav.sbakademiker-stellen@arbeitsagentur.de
Tel.: 0228 - 713 1375

Was ist der Integrationsfachdienst?

Integrationsfachdienste beraten und unterstützen Menschen mit Behinderung und deren Arbeitgeber. Außerdem helfen sie auch der Arbeitsagentur, den Rehabilitationsträgern und Integrationsämtern. Menschen mit Behinderung und deren Arbeitgeber sollen dadurch besser betreut werden. Der Integrationsfachdienst hilft auch Schülern und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen mit Behinderung. Der Integrationsfachdienst versucht insbesondere, Beschäftigten der Werkstätten einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Der Fachdienst hilft meist auch in der Frage, ob Unterstützte Beschäftigung in Frage kommen könnte.

Was ist das Integrationsamt?

Das Integrationsamt will Menschen mit Schwerbehinderung dabei helfen, einen Arbeitsplatz oder eine Ausbildungsstelle zu finden. Es unterstützt auch Arbeitgeber, die Menschen mit Schwerbehinderung einstellen wollen. Außerdem wacht das Integrationsamt darüber, dass Arbeitnehmer mit Schwerbehinderung wegen ihrer Behinderung im Arbeitsleben keine Nachteile haben.

Finanziert wird die Arbeit der Integrationsämter mit der Ausgleichsabgabe. Die Ausgleichsabgabe müssen Arbeitgeber bezahlen, bei denen zu wenig Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten. Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze an Menschen mit Schwerbehinderung zu vergeben. Halten sich die Arbeitgeber nicht daran, müssen sie die Ausgleichsabgabe bezahlen. Knapp ein Drittel der dazu verpflichteten Arbeitgeber bietet Menschen mit Schwerbehinderungen keine entsprechenden Arbeitsplätze an.

Wenn Arbeitgeber neue Stellen für Menschen mit Schwerbehinderung schaffen oder weiterbeschäftigen, ist es genau anders herum: Diese Arbeitgeber können Geld durch die Ausgleichsabgabe bekommen. Das Integrationsamt überwacht außerdem den besonderen Kündigungsschutz von Menschen mit Behinderung.

Das für Sie zuständige Integrationsamt finden Sie unter www.integrationsaemter.de.

Integrationsprojekte

Integrationsprojekte sind Betriebe, in denen mehr als 25 Prozent der Mitarbeiter eine Schwerbehinderung haben. Die Unternehmen stellen Menschen mit Schwerbehinderung ein, die es auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt besonders schwer haben, Arbeit zu finden. Ein Integrationsprojekt kann auch eine Abteilung in einem Unternehmen sein. Oft gibt es zusätzliche Angebote, wie Betreuung, Weiterbildungen oder Schulungen. Die Arbeitgeber in Integrationsprojekten helfen auch, wenn ein Mitarbeiter mit Behinderung einen anderen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sucht. Beschäftigte einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung können sich durch einen Arbeitsplatz-Wechsel in ein Integrationsprojekt beruflich und finanziell weiterentwickeln. Integrationsprojekte müssen sich eigenständig auf dem Arbeits- und Unternehmensmarkt behaupten. Sie bekommen keine zusätzlichen Zuschüsse. Sie können Förderung beantragen, wie es jeder Arbeitgeber tun kann, der einen neuen Arbeitsplatz für einen Menschen mit Behinderung bereitstellt.

Auf der Internet-Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen e.V. finden Sie mehr Informationen zu Integrations-Unternehmen in Deutschland.

Umschulung, berufliche Anpassung und Weiterbildung

In Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation gibt es für Menschen mit Behinderung verschiedene Angebote, um besser eine Arbeit zu finden. Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation sind zum Beispiel:

  • Reha-Kliniken
  • Berufsförderungswerke (BFW)
  • Berufliche Trainingszentren (BTZ)
  • Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)
  • Wohnheime für Menschen mit Behinderungen.

Diese Einrichtungen schulen Menschen mit Behinderung um, wenn sie zum Beispiel ihre bisherige Arbeit nicht mehr ausüben können. Sie können auch an Weiterbildungen teilnehmen. Daneben gibt es meist begleitende, soziale, ärztliche und psychologische Dienste.

Zusätzliche Hilfen bei der Arbeitsaufnahme

Arbeitgeber können eine finanzielle Förderung vom Integrationsamt bekommen. Diese Förderung erhalten die Arbeitgeber, wenn sie Menschen mit Behinderung weiterbeschäftigen oder neue Stellen für sie schaffen. Arbeitgeber können zum Beispiel eine dauerhafte finanzielle Hilfe bekommen, wenn sie einen Menschen mit Behinderung einstellen, der regelmäßig Hilfe von Kollegen braucht. Oder auch, wenn ein Mensch mit Behinderung nicht genauso viel arbeiten kann, wie ein Kollege auf einer ähnlichen Stelle. Wenn der Arbeitsplatz umgebaut werden muss, weil zum Beispiel eine behindertengerechte Toilette eingerichtet werden muss, gibt es auch Zuschüsse. Meist ist das Integrationsamt für diese finanziellen Hilfen zuständig. Genauere Infos finden Sie auf der Internet-Seite der Integrationsämter.

Menschen mit Behinderung haben außerdem einen Rechtsanspruch auf Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme. Wenn eine Arbeits-Assistenz für den Job notwendig ist, haben sie auch darauf rechtlichen Anspruch (Paragraf 33 Abs. 3 Nr. 1 und Abs. 8 Nr. 3 Sozialgesetzbuch 9). Das Integrationsamt ist für den Antrag auf Arbeitsassistenz zuständig. Die Kosten für eine Arbeitsassistenz übernimmt in den ersten drei Beschäftigungsjahren der Rehabilitationsträger, also meist die Arbeitsagentur. Anschließend ist das zuständige Integrationsamt gesetzlich verpflichtet, die Arbeitsassistenz weiter zu finanzieren. Die Arbeitsassistenz kann auch aus dem persönlichen Budget bezahlt werden.

Kündigungsschutz, Zusatzurlaub und vorgezogene Altersrente

Ein Arbeitgeber kann einem Menschen mit Schwerbehinderung nur dann kündigen, wenn das Integrationsamt vorher zugestimmt hat. Menschen mit Behinderung kann nicht gekündigt werden, weil sie eine Behinderung haben. Hat die Kündigung nichts mit der Behinderung zu tun, gelten die üblichen rechtlichen Kündigungsregeln. Außerdem haben Menschen mit Behinderung Recht auf Zusatzurlaub und sie können eine vorgezogene Altersrente beantragen.

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zuletzt aktualisiert: 30.03.2017

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