Die Vorsorgevollmacht   

Es kann sein, dass Sie irgendwann nicht mehr für sich selbst entscheiden können. Vielleicht weil Sie krank sind oder eine Behinderung haben. Wenn Sie keinen gerichtlichen Betreuer haben wollen, kann eine Vorsorgevollmacht das Richtige für Sie sein. Damit legen Sie fest, wer für Sie wichtige Entscheidungen trifft. Dann entscheidet ein Mensch für Sie, den Sie selbst bestimmt haben. Doch es gibt auch die Gefahr von Missbrauch.


Eine Vorsorgevollmacht ist eine Art Vertrag. In dem Vertrag legt ein Mensch (=Vollmachtgeber) fest, dass ein anderer Mensch (=Bevollmächtigter) für ihn entscheiden soll. Das kann zum Beispiel nötig sein, wenn der Vollmachtgeber krank ist und nicht mehr selbst entscheiden kann. In der Fachsprache nennt man dies Geschäftsunfähigkeit oder Hilfsbedürftigkeit. Der Bevollmächtigte entscheidet dann zum Beispiel, ob

  • sein Konto bei der Bank aufgelöst oder ein neues eröffnet werden soll,
  • er operiert werden soll oder nicht,
  • er in ein Pflegeheim ziehen soll.

Ausschließlich der Vollmachtgeber bestimmt, wer für ihn entscheiden soll. Der Vollmachtgeber kann auch mehrere Personen bestimmen, die ihn vertreten sollen. Zum Beispiel kann man seine Kinder als Bevollmächtigte bestimmen.

Form der Vorsorgevollmacht

Wollen Sie eine Vorsorgevollmacht erteilen, müssen Sie einige Regeln befolgen:

  • Sie müssen die Vollmacht wie einen Vertrag aufschreiben. Das heißt, sie müssen Ort, Datum, Ihren Vor- und Nachnamen, Adresse und Geburtsdatum aufschreiben. Am Ende müssen Sie unterschreiben.
  • Auch den Bevollmächtigten sollten Sie am besten mit Vor- und Nachnamen, Adresse und Geburtsdatum aufschreiben. Es wäre gut, wenn auch der Bevollmächtigte unterschreibt. Damit kann der Bevollmächtigte zeigen, dass er diese Verantwortung übernehmen möchte.
  • Sie können dem Bevollmächtigten das Recht geben, fast alles zu entscheiden oder nur einen bestimmten Teil. Für welche Aufgaben oder Bereiche Sie sich entscheiden, müssen Sie in der Vollmacht aufschreiben.
  • Für bestimmte Bereiche brauchen Sie eine notarielle Beglaubigung. Das heißt, dass ein Notar die Vorsorgevollmacht beglaubigen muss. Dies ist zum Beispiel erforderlich, wenn Sie dem Bevollmächtigten auch erlauben wollen, dass er für Sie ein Haus kaufen oder verkaufen soll.

Bereiche oder Aufgaben

Haben Sie bestimmte Bereiche an den Bevollmächtigten abgegeben, entscheidet der Bevollmächtigte für Sie. Diese Bereiche können Sie an Ihren Bevollmächtigten abgeben:

BereichDer Bevollmächtigte hat zum Beispiel die Berechtigung
Vermögensverwaltung, Rechtsgeschäfte in VermögensangelegenheitenIhr Konto zu führen, Ihre Rechnungen zu bezahlen, Ihr Haus oder Ihre Wohnung zu verkaufen.
Gesundheitssorgedas Krankenhaus, den Arzt oder den Pflegedienst auszuwählen, Ihre Krankenakten zu lesen, Untersuchungen und Behandlungen zu erlauben, wie zum Beispiel: Blutabnahme, Impfung, das Anlegen einer Magensonde, Computertomografie.
Aufenthalt- und Wohnungsangelegenheitenzu entscheiden, ob Sie in einem Pflegeheim oder Zuhause versorgt werden oder wer in Ihrer Wohnung leben darf.
Post- und FernmeldeverkehrIhre Post oder Ihre E-Mails zu lesen, einen Telefon- oder Handy-Vertrag in Ihrem Namen abzuschließen oder kündigen.
Behörden, Gerichteeinen Anwalt für Sie zu bestellen, einen Ausweis zu beantragen, Sie bei der Rentenversicherung zu vertreten.
Todesfallzu entscheiden, wie oder wo Sie beerdigt werden sollen.
Bestimmte Bereiche können Sie nicht an den Bevollmächtigten abgeben. Zum Beispiel, ob Sie in ein geschlossenes Pflegeheim ziehen oder ob Sie Beruhigungsmedikamente erhalten sollen. Dies sind sogenannte freiheitsentziehende Maßnahmen. Diese Entscheidungen muss ein Gericht fällen.

Voraussetzung für eine gültige Vorsorgevollmacht

Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht erteilen möchten, müssen Sie geschäftsfähig sein. Das bedeutet, dass Sie dazu in der Lage sein müssen, selbstständig zu sagen, was Sie wollen. Normalerweise sind alle Menschen ab 18 Jahren voll geschäftsfähig. Auch wenn Sie die Vorsorgevollmacht rückgängig machen wollen, müssen Sie voll geschäftsfähig sein. Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht erteilt haben, ist diese auch dann gültig, wenn Sie später geschäftsunfähig werden. Nicht immer ist klar, ob jemand voll geschäftsfähig ist. Zum Beispiel, wenn man an Demenz oder Alzheimer erkrankt ist. Deshalb können Sie zu einem Arzt oder Notar gehen, der Ihnen schriftlich bestätigt, dass Sie voll geschäftsfähig sind.

Vorsicht vor Missbrauch!

Manche Bevollmächtigte nutzen die Vorsorgevollmacht, um den Vollmachtgeber zu betrügen. Das Bundes-Justiz-Ministerium berichtet, dass es immer wieder solche Missbrauchsfälle gibt. Deshalb sollten Sie nur Personen bevollmächtigen, denen Sie wirklich vertrauen. Wer deshalb keine Vorsorgevollmacht erteilen möchte, kann eine Betreuungsverfügung erstellen. In der Betreuungsverfügung können Sie Ihre Wünsche schriftlich festhalten, wie Sie leben wollen, wenn Sie vielleicht später nicht mehr dazu in der Lage sind. Die Betreuungsverfügung ist erst dann wirksam, wenn Sie nicht mehr selbst entscheiden können. Das Bundes-Justiz-Ministerium rät dazu, besser eine Betreuungsverfügung zu erstellen. So können Sie zum einen Ihre Wünsche festlegen, wenn Sie nicht mehr selbst entscheiden können. Zum anderen kontrolliert ein Gericht den Betreuer. Bei der Vorsorgevollmacht gibt es keine Kontrolle. Der Bevollmächtigte bekommt die Vollmacht und keiner kontrolliert ihn.

Mehr zum Thema im Familienratgeber-Artikel „Betreuungsverfügung“.

Die meist gestellten Fragen zur Vorsorgevollmacht

Welchen Vorteil bietet eine Vorsorgevollmacht?
Der Vollmachtgeber kann die Vorsorgevollmacht ohne großen Aufwand erstellen. Man kann alle Lebensbereiche abgeben oder nur Teile davon. Die Vollmacht kann jederzeit widerrufen werden.

Ab wann gilt die Vorsorgevollmacht?
Der Vollmachtgeber kann entscheiden, wann die Vorsorgevollmacht gilt. Man kann zum Beispiel in die Vorsorgevollmacht schreiben, dass sie ab sofort gilt. Dann ist sie nach Unterschrift der Vollmacht gültig. Man kann aber auch in die Vollmacht schreiben, dass sie erst dann gilt, wenn ein Arzt die Geschäftsunfähigkeit festgestellt hat.

Können nicht einfach Ehepartner oder Verwandte für mich entscheiden?
Nein! Wenn Sie volljährig sind, können nur Sie selbst über sich entscheiden. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dass ein anderer Mensch für Sie entscheidet: Sie haben ihm eine Vorsorgevollmacht gegeben oder Sie haben einen gerichtlich bestellten Betreuer.

Wie kann der Vollmachtgeber persönliche Wünsche festhalten?
Durch eine sogenannte Innen-Vollmacht. In die Innen-Vollmacht schreiben Sie nur Wünsche und Vorstellungen, die der Bevollmächtigte befolgen sollte. Zum Beispiel, dass bestimmte Angehörige an Geburtstagen oder Weihnachten Geschenke im Wert von 20 Euro erhalten sollen.

Wann muss die Vorsorgevollmacht eine besondere schriftliche Form haben?
Für alle Geschäfte, die mit Ihren Grundstücken, Krediten oder Unternehmen zusammenhängen. Wenn Ihr Bevollmächtigter zum Beispiel einen Kredit für Sie aufnehmen oder Ihr Haus verkaufen soll. Bei solchen Geschäften muss ein Notar Ihre Vorsorgevollmacht beglaubigen. Für Überweisungen reicht die normale Vorsorgevollmacht.

Gibt es Bereiche, die man durch eine Vorsorgevollmacht nicht übertragen kann?
Ja, es gibt Bereiche, die nicht übertragen werden können. Keiner kann für Sie ein Testament schreiben oder dafür sorgen, dass Sie verheiratet werden. Außerdem gibt es weitere Bereiche, die nicht durch eine Vorsorgevollmacht abgedeckt sind. Dies sind zum einen gefährliche Operationen. Gefährliche Operationen sind zum Beispiel wenn Ihnen ein Bein abgenommen werden soll oder Sie eine Herz-Transplantation bekommen sollen. Zum anderen sind freiheitsentziehende Maßnahmen nicht von der Vorsorgevollmacht abgedeckt: Zum Beispiel wenn Sie in eine geschlossene Einrichtungen kommen sollen. Auch wenn Sie Bettgitter oder eine Bauchfessel bekommen sollen. Muss jemand so eine Entscheidung für Sie treffen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder braucht der Bevollmächtigte eine schriftlich festgehaltene Genehmigung vom Betreuungsgericht. Oder ein Richter des Betreuungsgerichts entscheidet über diese Bereiche.

Wie soll die Vorsorgevollmacht aufbewahrt werden?
Am besten ist es, wenn Sie die Vorsorgevollmacht an einen leicht zugänglichen Ort legen. Das kann zum Beispiel ein Schublade in der Küche, im Wohn- oder Schlafzimmer sein. Man sollte die Vorsorgevollmacht so hinterlegen, dass jemand anders Sie leicht findet. Sie können die Vollmacht auch einer Person geben, der Sie vertrauen. Diese Person kann die Vorsorgevollmacht dann an den Bevollmächtigten geben, wenn man die Vollmacht braucht. Außerdem kann es sinnvoll sein, zum Zentralen Vorsorgeregister der Bundes-Notar-Kammer zu gehen. Für eine kleine Gebühr können Sie dort die Information hinterlassen, dass Sie eine Vorsorgevollmacht ausgestellt haben. Das Betreuungsgericht prüft im Zentralen Vorsorgeregister, ob sie eine Vorsorgevollmacht ausgestellt haben.

Was passiert, wenn mein Bevollmächtigter nicht entscheiden kann, weil er zum Beispiel selbst krank ist?
Es gibt zwei Möglichkeiten. Sie können einen Hauptbevollmächtigten bestimmten und wenn dieser ausfällt, eine Vertretung benennen. Oder Sie bestimmen von Anfang an zwei oder mehrere Bevollmächtigte.

Gilt die Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus?
Meistens gilt die Vollmacht auch noch nach dem Tod. Wenn Erben anderer Meinung sind, müssen Sie die Vollmacht widerrufen. Doch nicht immer können sie das: Richter haben schon entschieden, dass die Vollmacht nicht komplett widerrufen werden kann. Aus diesem Grund sollten Sie in der Vorsorgevollmacht möglichst genau beschreiben, was nach Ihrem Tod passieren soll.

Wer kontrolliert den Bevollmächtigten?
Erst einmal keiner. (Siehe Absatz oben "Vorsicht vor Missbrauch!") Sie können aber in der Vollmacht bestimmen, wer den Bevollmächtigten kontrollieren soll. Gibt es keine Regelung, wer den Bevollmächtigten kontrolliert, kann das Betreuungsgericht einen Betreuer einsetzen. Dieser Betreuer kontrolliert dann den Bevollmächtigten. Doch dazu muss erst einmal jemand das Gericht dazu auffordern.

Weitere Informationen

Im Familienratgeber finden Sie auch Informationen zur Patientenverfügung sowie zur Betreuungsverfügung.

zuletzt aktualisiert: 04.07.2017

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