Kindertagespflege U3/ Tagesmutter

Seit 2013 haben Eltern von Kindern unter drei Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter oder in der Kita. Nach der Geburt eines Kindes können Eltern dadurch schneller wieder arbeiten gehen. Die neuen Gesetze sollen auch dafür sorgen, dass U3-Kinder (Kinder unter drei Jahre) besser betreut werden. Außerdem sollen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden.


Nach der Geburt eines Kindes wollen viele Eltern sofort wieder arbeiten gehen. Die Eltern brauchen dann jemanden, der sich um ihr Kind kümmert. Besonders die Betreuung von Kindern von 0 bis 3 Jahren ist in Deutschland noch nicht für alle Familien möglich. Es fehlen U3 Betreuungsplätze. Doch seit 2013 haben Kinder nach Paragraf 24 Sozialgesetzbuch 8 (SGB VIII) das Recht auf einen Betreuungsplatz. Das bedeutet: Jedes Kind muss einen Betreuungsplatz bekommen, wenn die Eltern für ihr Kind einen Platz suchen.

Was bedeutet Kindertagespflege?

Die Betreuung von Kindern unter drei Jahren bei einer Tagesmutter heißt in der Fachsprache Kindertagespflege. Die Tagesmutter hat die Aufgabe, die Kinder zu fördern, zu erziehen und zu betreuen. Sie sorgt dafür, dass sich die Kinder geistig und körperlich gut entwickeln. Zum Beispiel, dass sie laufen, krabbeln und sprechen lernen und üben. Die Tagesmutter kann Kinder bei sich zuhause betreuen, im Haushalt der Eltern oder in einer Großtages-Pflegestelle.

Bessere Bildung, Erziehung und Betreuung für Kinder unter drei Jahren

Die Bundesregierung will die Betreuung von Kindern unter drei Jahren (U3) immer weiter ausbauen. Das heißt, sie möchte erreichen, dass es mehr Betreuungsplätze gibt und das die Betreuung besser wird. Damit das funktioniert, hat die Regierung verschiedene Gesetze erlassen. Zum Beispiel:

  • Die Betreuung von Kindern bei einer Tagesmutter ist jetzt eine gesetzlich anerkannte Betreuungsform. Sie ist gleichberechtigt mit der Betreuung in einer Kindertageseinrichtung (Kita) oder Kinderkrippe. Eltern können wählen, welche Betreuung für sie die bessere ist.
  • Eltern haben einen Anspruch auf Beratung und Hilfe bei der Suche nach einem Betreuungsplatz. Oft ist das Jugendamt dafür zuständig.
  • Auch Tagesmütter haben das Recht sich beraten zu lassen. Auch hier ist oft das Jugendamt zuständig.
  • Fortbildungen oder Weiterbildungen für Tagesmütter sind Pflicht. Außerdem brauchen Tagesmütter normalerweise eine Pflegeerlaubnis vom Jugendamt.

Förderung von Inklusion in der Kindertagespflege

Jedes Kind, egal ob mit oder ohne Behinderung, hat das Recht auf einen Betreuungsplatz. So steht es im Gesetz. Doch nicht alle Tagesmütter trauen sich, ein Kind mit Behinderung zu versorgen. Manche haben Angst etwas falsch zu machen. Andere wissen einfach nicht, wie man ein Kind mit Behinderung versorgt. Damit mehr Tagesmütter auch Kinder mit Behinderung versorgen können, fördert die Bundesregierung Inklusion in der Kindertagespflege. Einige Städte haben Büros für Inklusion eingerichtet, damit immer mehr Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut werden.

Beispiel Bonn: Fachdienst für Inklusion in der Kindertagespflege

In der Stadt Bonn ist für die U3 Kindertagespflege für Kinder mit Behinderung ein Fachdienst Inklusion gegründet worden. Dort können sich Eltern mit einem U3-Kind mit Behinderung beraten lassen. Die Fachstelle Inklusion bespricht mit den Eltern zum Beispiel, ob das Kind besondere Unterstützung braucht, wie lange das Kind betreut werden soll und welche Tagesmütter gerade einen Platz frei haben. Die Beraterinnen kommen dazu meist in den Haushalt der Eltern, um alles in Ruhe zu besprechen. Haben die Eltern eine Tagesmutter gefunden, hilft der Fachdienst auch weiterhin. Zum Beispiel können sich Eltern bei allen Fragen zur Frühförderung, Therapien oder beim Übergang in den Kindergarten vom Fachdienst beraten lassen.

Auch andere Städte und Kommunen haben ähnliche Beratungsstellen eingerichtet. Auskunft erteilt das Jugendamt vor Ort.

Voraussetzung für die Kindertagesspflege / Pflegeerlaubnis für Tagesmütter

Laut Gesetz (Paragraf 48, im Sozialgesetzbuch 8) muss eine Tagesmutter eine Pflegeerlaubnis beantragen, wenn sie Kinder länger als drei Monate bei sich zuhause betreuen will. Tagesmütter, die nur gelegentlich auf Kinder aufpassen, brauchen zum Beispiel keine Pflegeerlaubnis. Die Pflegeerlaubnis müssen Tagesmütter bei der Stadt oder Gemeinde beantragen. Es gibt allgemeine Regeln für Tagesmütter, die im Gesetz stehen: Zum Beispiel, dass eine Tagesmutter sich um höchstens fünf Kinder kümmern darf. Doch jede Stadt oder Gemeinde kann auch selbst Regeln aufstellen. Für eine Betreuungserlaubnis in der Stadt Bonn muss eine Tagesmutter unter anderem folgende Voraussetzungen vorweisen:

  • polizeiliches Führungszeugnis
  • 165 Unterrichtsstunden für die Kindertagespflege
  • Gesundheitsbescheinigung der Tagesmutter
  • alle zwei Jahre an einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder teilnehmen
  • pro Jahr 12 Stunden Fortbildung
  • Außerdem prüft das Jugendamt den Haushalt der Tagesmutter. Zum Beispiel: Ist genügend Platz zum Spielen? Ist es sauber und hygienisch? Haben die Kinder genügend Platz zum Schlafen?

Auch Großtagespflegestellen brauchen eine Betreuungserlaubnis. Hier kümmern sich oft zwei Tagesmütter um höchstens neun Kinder. Über die genauen Voraussetzungen für einzelne Tagesmütter oder auch Großtagespflegestellen kann das Jugendamt Auskunft geben.

Rechtsansprüche und Gesetze zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren

GesetzInhalt/BedeutungAlter des Kindes
SGB 8, Paragraf 24, Absatz 1Eltern haben Anspruch darauf, dass ihr Kind einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter (Kindertagespflege) bekommt, wenn 1. dies für die Entwicklung des Kindes das Beste ist oder 2. die Eltern arbeiten, eine Ausbildung machen, zur Schule oder Hochschule gehen oder arbeitsuchend sind.0-1 Jahr
SGB 8, Paragraf 24, Absatz 2Eltern haben Anspruch darauf, dass ihr Kind einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter (Kindertagespflege) bekommt, egal ob die Eltern arbeiten oder nicht.1-3 Jahre
SGB 8 Paragraf 22a Absatz 4Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam gefördert werden. Damit dieses Ziel erreicht wird, sollen die zuständigen Jugendämter und Wohlfahrtsverbände zusammenarbeiten.Ab Geburt bis zum Schuleintritt

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zuletzt aktualisiert: 01.08.2018

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