Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Alleinerziehende von Kindern mit Behinderung

Ein Kind mit Behinderung alleine großzuziehen, ist eine schwere Aufgabe. Denn die alleinerziehende Mutter oder der alleinerziehende Vater muss sehr viel gleichzeitig erledigen. Außerdem fehlt oft das Geld, denn nur eine Person kann zum Einkommen der Familie beitragen. Besuche, zum Beispiel bei Ärzten oder Therapeuten, nehmen zusätzliche Zeit in Anspruch. Deswegen ist es wichtig, die Hilfsangebote für Alleinerziehende gut zu kennen.


Sind Alleinerziehende öfter arm?

Alleinerziehende haben ein höheres Risiko arm zu sein, als Mutter-Vater-Kind-Familien (siehe Armutsbericht 2018, Der Paritätische). Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum Beispiel gibt es noch immer zu wenige Arbeitsplätze mit kinderfreundlichen Arbeitszeiten. Auch fehlen Plätze zur Kinder-Betreuung, wie zum Beispiel in Krippen und Kindergärten. Oft zahlt das andere Elternteil zu wenig oder gar keinen Unterhalt.
Kommt ein Kind mit Behinderung hinzu, kann das Geld noch knapper werden. Je nach Behinderung ist eine intensive Pflege und Betreuung notwendig. Nebenbei zu Arbeiten ist oft unmöglich. Außerdem sind Hilfsmittel und Medikamente teuer. Nicht immer bezahlt die Kranken- oder Pflegekasse alle benötigten Hilfsmittel.

Wie bekomme ich Geld von der Kranken- und Pflege-Versicherung?

Kinder mit Behinderung sind über die Kranken- und Pflege-Versicherung der Eltern mitversichert. Das Kind kann lebenslang über die Eltern versichert bleiben, wenn es wegen einer Behinderung auch später nicht für sich selbst sorgen kann. Sie können für Ihr Kind mit Behinderung Geld von der Krankenkasse bekommen. Dafür müssen Sie als erstes einen Antrag stellen. Der Medizinische Dienst der Kranken-Versicherung (MDK) stellt dann den Pflegegrad Ihres Kindes fest. Je nachdem welchen Pflegegrad Ihr Kind hat, bekommen Sie mehr oder weniger Pflege-Geld oder Sachleistungen. Pflege-Geld bekommen Sie, wenn Sie das Kind selbst pflegen. Wenn Ihr Kind von einem Pflege-Dienst gepflegt wird, erstattet die Kranken-Versicherung die Kosten für den Pflege-Dienst (Sachleistungen).

Wie viel Geld oder Sachleistungen Sie ganz genau erhalten, lesen Sie bitte im Familienratgeber-Artikel Leistungen der Pflege-Versicherung.

Alleinerziehende und Pflege-Geld

Wenn Alleinerziehende für ein Kind mit Behinderung Pflege-Geld bekommen, muss der Unterhalt trotzdem in gleicher Höhe bezahlt werden. Das Pflege-Geld darf auch nicht auf das Arbeitslosen-Geld 2 oder die Hilfe zum Lebensunterhalt angerechnet werden. Sie erhalten das Pflege-Geld also zusätzlich zu diesen Zahlungen. Es darf Ihnen nichts abgezogen werden. Wenn Angehörige, Nachbarn oder Freunde das Kind pflegen, können diese das Pflege-Geld erhalten. Sie müssen dafür keine Steuern zahlen.

Haushaltshilfe und zusätzlicher Betreuungsbetrag

Die Krankenkasse kann eine Haushaltshilfe bezahlen, wenn Alleinerziehende ihr Kind nicht versorgen können. Zum Beispiel, wenn Alleinerziehende im Krankenhaus sind oder eine Kur machen. Eine Haushaltshilfe können Sie nur dann bekommen, wenn niemand das Kind versorgen kann und

  • mindestens ein Kind unter 12 Jahre alt ist oder
  • ein pflegebedürftiges Kind mit Behinderung in der Familie lebt.

Auch hier ist die Haushaltshilfe eine zusätzliche Hilfe. Die Pflege-Versicherung darf die anderen Leistungen nicht kürzen. Den Antrag für eine Haushaltshilfe müssen Sie bei der Krankenkasse stellen.
Zusätzlich zum Pflege-Geld kann auch ein Betreuungsbetrag bezahlt werden. Einen Betreuungsbetrag erhalten Sie, wenn Ihr Kind mit Behinderung ständig betreut werden muss. Den Betreuungsbetrag von bis zu 2.400 Euro pro Jahr erhalten Sie nach dem Pflege-Leistungs-Ergänzungs-Gesetz. Auch diesen Antrag stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse.

Weitere Unterstützungen

Zusätzlich zu den Sach- und Geld-Leistungen haben Sie Anspruch auf Pflege-Hilfsmittel und technische Hilfen. Zum Beispiel können Sie Geld für Windeln oder ein Notruf-System beantragen. Sie können auch bis zu 4.000 Euro erhalten, wenn Sie Ihre Wohnung barrierefrei umbauen lassen. Den Zuschuss bekommen Sie jeweils pro Umbau-Maßnahme. Wohnen mehrere pflegebedürftige Menschen in einem Haushalt, die Anspruch auf Leistungen haben, kann der Zuschuss höher ausfallen: Bis zu 16.000 Euro können Sie dann für den Umbau erhalten. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist Paragraf (§) 40 Absatz 4, im 11. Sozialgesetzbuch (SGB XI).
Außerdem bekommen Mütter und Väter, die ihr Kind selbst pflegen, Renten-Versicherungsbeiträge bezahlt. Diese Beiträge sind für den Renten-Anspruch wichtig. Je nach Pflege-Stufe bekommen Sie mehr oder weniger Beiträge bezahlt. Die Bezahlung der Beiträge ist an folgende Regeln gebunden:

  • Sie dürfen nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Und
  • Sie müssen das Kind mindestens 14 Stunden in der Woche zu Hause pflegen.

Gibt es steuerliche Vergünstigungen für Eltern von Kindern mit Behinderung?

Eltern von Kindern mit Behinderung haben oft hohe Ausgaben. Sie müssen für Pflege und andere Hilfen oft einen Teil der Kosten selbst tragen. Deswegen müssen Eltern von Kindern mit Behinderung weniger Steuern bezahlen. Im Steuer-Recht nennt man diesen Nachteilsausgleich „außergewöhnliche Belastung“. Je nach Grad der Behinderung erhalten Sie auf Ihrer Steuer-Karte einen Pauschbetrag. Eltern können den Pauschbetrag für ihr Kind mit Behinderung auf sich übertragen lassen. Ausnahme: Wenn das erwachsene Kind arbeitet und den Pauschbetrag für sich selbst in Anspruch nimmt.
Weitere Informationen finden Sie im Familienratgeber-Artikel Steuerfreibeträge oder auf der Internetseite von Finanztipp.de.
 
Alleinerziehende können den gleichen Kinderfreibetrag bekommen wie zwei zusammenlebenden Eltern. Nämlich dann, wenn der andere Elternteil entweder verstorben oder beschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Der volle Kinderfreibetrag ist dann 4.980 Euro. Zusätzlich gibt es für Alleinerziehende einen steuerlichen Entlastungsbetrag auf die Einkommensteuer. Der Entlastungsbetrag ist 1.908 Euro für das erste Kind. Für jedes weitere Kind erhöht er sich um 240 Euro.

Kindergeld für Kinder mit Behinderung

Eltern von Kindern mit Behinderung bekommen lebenslang Kindergeld, wenn das Kind nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen kann. Alleinerziehende Mütter und Väter von einem Kind mit Behinderung müssen sich das Kindergeld und den Pauschbetrag teilen, wenn beide Eltern für das Kind sorgen. Zum Beispiel: Das Kind lebt bei der Mutter und der Vater zahlt Unterhalt für das Kind. Sie können das Kindergeld und den Pauschbetrag auch anders aufteilen. Dazu müssen sich die Eltern einig sein und gemeinsam den Antrag auf Kindergeld oder einen Pauschbetrag stellen. Sie können sich beim Finanzamt über die Steuer-Vergünstigungen erkundigen.
Lesen Sie auch unseren Familienratgeber-Artikel zum Kindergeld.

Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende

Alleinerziehende haben einen Anspruch auf Unterhaltsvorschuss, falls der unterhaltspflichtige Elternteil dieser Pflicht nicht oder nur teilweise nachkommen kann.
Die Höhe des Unterhaltsvorschusses beträgt pro Monat (Stand 2019):

  • für Kinder von 0 bis 5 Jahren 160 Euro,
  • für Kinder von 6 bis 11 Jahren 212 Euro,
  • für Kinder von 12 bis 17 Jahren 282 Euro.

Der Anspruch auf Unterhaltsvorschuss gilt ohne zeitliche Einschränkungen bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Voraussetzung dafür ist, dass das Kind nicht auf Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) angewiesen ist. Oder dass der alleinerziehende Elternteil im SGB II-Bezug mindestens 600 Euro brutto verdient.
Lesen Sie dazu den Familienratgeber-Artikel "Unterhaltsvorschuss".

Familien-Unterstützung

Alleinerziehende von Kindern mit Behinderung müssen viele Aufgaben alleine erledigen. Damit sie auch Pausen einlegen können, kann der Familienentlastende Dienst (FED) unterstützen. Manchmal heißt er auch Familienunterstützender Dienst (FUD). Der Familienunterstützende Dienst kümmert sich um das Kind, damit die alleinerziehende Mutter oder der alleinerziehende Vater mehr Zeit für sich haben. Zum Beispiel: ins Kino gehen oder Freunde treffen.
Familienunterstützende Dienste gibt es aber nicht nur für Alleinerziehende, sondern auch für andere Familien.
Mehr Infos zum Familienunterstützenden Dienst.

Beruflicher Wiedereinstieg mit einem Kind mit Behinderung

Die Familie versorgen und im Beruf weiterzukommen, ist für Alleinerziehende nicht so leicht. Das gilt besonders für alleinerziehende Frauen. Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm) hatte deswegen das Projekt Wiedereinstieg mit besonderen Herausforderungen gestartet. Zu dem Projekt gibt es eine Broschüre mit dem Titel "Wiedereinstieg mit besonderen Herausforderungen". Sie können den Text auf der Internetseite des bvkm bestellen. In der Broschüre finden Sie Tipps, wie Mütter von einem Kind mit Behinderung wieder in den Job finden.

Selbsthilfe-Gruppen für Alleinerziehende

Für alleinerziehende Väter und Mütter von einem Kind mit Behinderung kann der Kontakt zu anderen Alleinerziehenden sehr hilfreich sein. In Selbsthilfe-Gruppen erfahren Alleinerziehende, wie es anderen Alleinerziehenden geht und wie sie mit den vielen Terminen und Aufgaben zurechtkommen. Vielen tut es gut, zu sehen, dass man mit den vielen Anforderungen nicht allein dasteht. Außerdem können Alleinerziehende wichtige Informationen austauschen. Zum Beispiel: Tipps, welche Zuschüsse oder Hilfsmittel man beantragen kann. Oder wie man einen Antrag stellen sollte, damit die Pflegekasse ihn bewilligt. Selbsthilfe-Gruppen für Alleinerziehende haben auch spezielle Gruppen für Alleinerziehende von einem Kind mit Behinderung.

Weitere Informationen:

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zuletzt aktualisiert: 29.04.2019

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