Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Ausbildung: Infos für Jugendliche mit Behinderung

Für Jugendliche mit Behinderung ist es nicht so einfach, eine Ausbildung zu finden. Deswegen solltest du dich gut vorbereiten. Es gibt viele Angebote die dir dabei helfen können: Es gibt Beratung, Infos und Unterstützung von vielen verschiedenen Stellen. In diesem Artikel kannst du lesen, welche Arten von Ausbildungen für Jugendliche mit Behinderung möglich sind und wer helfen kann.


Nach der Schule wollen viele Jugendliche eine Ausbildung anfangen. Damit das klappt, müssen sie schon viel früher viele Fragen klären. Zum Beispiel: Welche Ausbildung möchte ich machen? Möchte ich während der Ausbildung zu Hause wohnen? Oder lieber in einem Internat? Muss ich in eine andere Stadt ziehen? Wie finde ich eine Ausbildung? Und noch vieles mehr.

Jugendliche mit Behinderung stellen sich noch weitere Fragen:

  • Soll ich in der Bewerbung sagen, dass ich eine Behinderung habe?
  • Gibt es besondere Ausbildungen für Jugendliche mit Behinderung?
  • Ich brauche Hilfsmittel, zum Beispiel ein Bildschirm-Lesegerät. Wer bezahlt Hilfsmittel für die Ausbildung?
  • Haben alle Betriebe eine Behindertentoilette?
  • Gibt es Hilfe und Unterstützung für Auszubildende mit Behinderung?

Bei so vielen Fragen ist es nicht so einfach, Antworten zu finden. Deswegen gibt es für Jugendliche viele Beratungsstellen, Unterstützung und Hilfe.

Wann sollte ich nach einer Ausbildung suchen?

So früh wie möglich. Am besten schon ein oder zwei Jahre, bevor die Schule zu Ende ist. Du kannst zum Beispiel ein Praktikum noch in der Schulzeit machen. Oder einen Nebenjob haben. In dieser Zeit kannst du ausprobieren, was du gerne machst und was nicht.

Zum Beispiel bedeutet die Ausbildung zum Gärtner oder zur Gärtnerin, dass man fast immer draußen ist. Auch wenn es regnet und kalt ist, oder bei Sonnenschein und Hitze. Auch die Arbeitszeit ist in verschiedenen Berufen unterschiedlich. Manche Menschen müssen nachts arbeiten, sehr früh morgens oder am Wochenende. Für manche Jugendliche ist das genau das Richtige, andere wollen das nicht.

Du kannst bei einem Praktikum oder einem Nebenjob auch Kollegen oder andere Auszubildende kennenlernen. Du kannst Fragen zur Ausbildung stellen. Oder du kannst große und kleine Ausbildungsbetriebe kennenlernen. So kannst du sehen, was du lieber machst.

Praktikum für Jugendliche mit Behinderung

Für Jugendliche mit Behinderung ist es sehr wichtig, ein Praktikum zu machen. Viele Ausbildungsbetriebe kennen sich mit Jugendlichen mit Behinderung nicht aus. Sie wissen nicht, was es bedeutet, wenn zum Beispiel ein*e Jugendliche*r blind ist oder im Rollstuhl sitzt. Bei einem Praktikum kann der Ausbildungsbetrieb dich kennenlernen. Der Ausbildungsbetrieb sieht dann, was du kannst. Und kann sich nach dem Praktikum viel besser vorstellen, einen Jugendlichen mit Behinderung auszubilden.

Auch die Agentur für Arbeit und die Jobcenter wissen, wie wichtig ein Praktikum für Jugendliche mit Behinderung ist. Deshalb gibt es die Einstiegsqualifizierung:
Bei der Einstiegsqualifizierung (EQ) können Jugendlichen 6 bis 12 Monate ein Praktikum in einem Betrieb machen. Für dieses Praktikum bekommen die Jugendlichen eine Bezahlung vom Betrieb. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter bezahlen einen Teil davon. Ein Praktikum mit der Einstiegsqualifizierung können junge Menschen unter 25 Jahren machen. Das Praktikum soll besonders Jugendlichen helfen, die nur schwer eine Ausbildung finden.

Praktika mit Einstiegsqualifizierung kannst du in Job-Börsen im Internet finden. Du kannst auch im Jobcenter eine*n Mitarbeiter*in danach fragen.

Wie läuft eine berufliche Ausbildung ab?

In einer Ausbildung lernt man einen Beruf in der Berufsschule und im Ausbildungsbetrieb. Man sagt dazu auch duale Ausbildung. „Dual“ bedeutet zwei, weil man an zwei Stellen den Beruf lernt.

Meistens ist es so, dass der oder die Auszubildende drei Tage im Ausbildungsbetrieb arbeitet. Die anderen zwei Tage in der Woche geht der oder die Auszubildende in die Berufsschule. Manchmal gibt es auch Block-Unterricht in der Berufsschule. Das bedeutet, dass ein Jugendlicher einen Monat nur in die Berufsschule geht. Und dann mehrere Monate nur im Betrieb arbeitet.

In der Berufsschule haben die Jugendlichen Unterricht, der für den Beruf wichtig ist. Wer zum Beispiel eine Bank-Ausbildung macht, hat Unterricht in Rechnungswesen, Wirtschaftslehre und Datenverarbeitung. Außerdem ganz normalen Unterricht wie Deutsch, Mathe, Englisch.

Im Ausbildungsbetrieb lernen die Jugendlichen den praktischen Teil des Berufs. In einer Bäckerei zum Beispiel, wie man einen Teig mischt, welche Temperaturen der Ofen haben muss oder was der Unterschied zwischen Vollkornbrötchen und normalen Brötchen ist.

Eine berufliche Ausbildung dauert 2 bis 3,5 Jahre. Am Ende der Ausbildung muss man eine Abschlussprüfung machen. Wenn man die Prüfung besteht, bekommt man einen Berufsabschluss.

Was ist ein Nachteilsausgleich für Auszubildende mit Behinderung?

Menschen mit Behinderung haben durch ihre Behinderung manchmal einen Nachteil. Zum Beispiel, weil sie mehr Zeit brauchen, um etwas aufzuschreiben. In so einem Fall könnte der junge Mensch einen Nachteilsausgleich bekommen. Das bedeutet: Er bekommt mehr Zeit für die Prüfung. Oder er bekommt eine längere Zeit für seine Ausbildung. Zum Beispiel vier Jahre statt drei Jahre Ausbildungszeit.

Wer einen Nachteilsausgleich haben will, muss sich rechtzeitig bei der richtigen Kammer melden. Es gibt verschiedene Kammern für die verschiedenen Ausbildungen. Zum Beispiel: Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder Landwirtschaftskammer. Für einen Nachteilsausgleich braucht man keinen Schwerbehindertenausweis. Die Kammern fragen aber oft nach einem Nachweis vom Arzt.

Du kannst zum Beispiel auf der Internetseite der Handelskammer Hamburg lesen, wie man dort einen Nachteilsausgleich bekommt.

Achtung!

Die Prüfung bleibt auch bei Nachteilsausgleichen dieselbe. Das heißt: Jugendliche mit Behinderung schreiben genau dieselbe Prüfung, wie Jugendliche ohne Behinderung.

Hilfsmittel für die Ausbildung: Wer bezahlt?

Jugendliche mit Behinderung brauchen für die Berufsschule oder den Ausbildungsbetrieb manchmal Hilfsmittel. Diese Hilfsmittel muss nicht Betrieb, Berufsschule, der oder die Jugendliche zahlen. Die Hilfsmittel bezahlt der Sozialhilfeträger.

Mehr Infos dazu im Familienratgeber-Artikel Arbeitshilfen.

Besondere Ausbildungen für Jugendliche mit Behinderung

Es gibt zwei Arten von besonderen Ausbildungen für Menschen mit Behinderung.

1. Ausbildung in einem Ausbildungsbetrieb

Name der AusbildungsartWas ist das Besondere an dieser Ausbildung?
FachpraktikerausbildungWer eine Fachpraktikerausbildung macht, hat weniger Theorie und mehr Praxis. Das bedeutet: man hat weniger Unterricht in der Schule. Dafür arbeitet man mehr im Betrieb. Außerdem kann man diese Ausbildung auch ohne Hauptschulabschluss machen. Oft machen Jugendliche mit Lernschwierigkeiten eine Fachpraktikerausbildung.
Assistierte AusbildungDie Assistierte Ausbildung fängt für die Jugendlichen schon vor der Ausbildung an. Sie bekommen Hilfe bei der Bewerbung, Hilfe bei der Suche nach einem Praktikum, Nachhilfe und persönliche Beratung. Wenn der Jugendliche einen Ausbildungsplatz gefunden hat, fängt die ganz „normale“ berufliche Ausbildung an: Der oder die Auszubildende arbeitet im Betrieb und geht zur Berufsschule. Auch jetzt bekommt der Jugendliche weiter Hilfe bei Fragen oder Problemen. Zum Beispiel Nachhilfe für die Ausbildung, Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung oder Hilfe beim Lernen für den Führerschein. Auch der Ausbildungsbetrieb bekommt Hilfe. Die Assistierte Ausbildung ist für Jugendliche, die schon sehr lange nach einem Ausbildungsplatz suchen. Ein Video über das Projekt Carpo erklärt die Assistierte Ausbildung mit Beispielen. Mehr zum Video erfahren.

2. Ausbildung in einem Berufsbildungswerk

Name der AusbildungsartWas ist das Besondere an dieser Ausbildung?
Verzahnte AusbildungBei dieser Ausbildung arbeiten ein Ausbildungsbetrieb und ein Berufsbildungswerk (BBW) zusammen. Ein Berufsbildungswerk ist eine Schule zur beruflichen Ausbildung für Menschen mit Behinderung. Der oder die Auszubildende unterschreibt den Ausbildungsvertrag bei dem Berufsbildungswerk. Das Berufsbildungswerk bezahlt auch den Lohn und die Sozialversicherung. Der oder die Auszubildende macht dann die Ausbildung im Betrieb und im Berufsbildungswerk. Bei Fragen oder Problemen hilft das Berufsbildungswerk dem Betrieb und auch dem Auszubildenden. Nach der verzahnten Ausbildung kann der Betrieb den Auszubildenden einstellen. Mehr Informationen finden Sie bei den Berufsbildungswerken vor Ort oder auf der Internetseite von Talentplus.
Außerbetriebliche AusbildungBei einer außerbetrieblichen Ausbildung machen Jugendliche eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk. Ein Berufsbildungswerk ist eine Schule für Menschen mit Behinderung, in der sie einen Beruf lernen können. Oft gibt es für Auszubildende auch ein Internat, wo sie wohnen können. In den Werkstätten der Berufsbildungswerke lernen die Auszubildenden die praktische Arbeit, in der Berufsschule die Theorie. Außerdem gibt es besondere Unterstützung, wie zum Beispiel Nachhilfe, besondere Übungen vor Prüfungen und Beratung. Die Agentur für Arbeit oder Jobcenter schlagen Jugendliche für so eine Ausbildung vor.

Wie finde ich eine Ausbildung?

Im Internet gibt es viele Info-Seiten dazu, welche Ausbildungsberufe es gibt. Dort findest du auch Ausbildungsbörsen.

Auf der Internetseite von Rehadat.de gibt es viele Links und Infos zur Ausbildung.

Soll ich bei meiner Bewerbung sagen, dass ich eine Behinderung habe?

Das kommt ganz auf die Behinderung und den Ausbildungsplatz an. Mehr dazu im Familienratgeber-Artikel Bewerbung mit Behinderung.

Wo bekomme ich als Jugendlicher mit Behinderung Beratung und Unterstützung?

Für Jugendliche mit Behinderung gibt es verschiedene Stellen, wo es Hilfe und Beratung gibt:

Und was, wenn es trotz allem mit keiner Ausbildung klappt?

Dann gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung:

|| Name || Erklärung ||
| Individuelle betriebliche Qualifizierung im Rahmen Unterstützter Beschäftigung (InBeQ). | Bei der InBeQ bekommen Jugendliche viel Hilfe und Unterstützung. Zuerst denken die Jugendlichen darüber nach, was sie können, was sie machen wollen und wo sie vielleicht gerne arbeiten würden. Danach bekommen sie Unterstützung bei der Suche nach einem Betrieb, in dem sie arbeiten können. Und auch, wenn sie in einem Betrieb anfangen zu arbeiten, bekommen sie zusätzliche Hilfe. Bei der InBeQ bekommt man am Ende keinen Berufsabschluss. Die InBeQ soll Jugendlichen helfen, die sehr viel Hilfe brauchen. Sie sollen so einen Job in einem Betrieb bekommen. Es gibt Beispiele, wo die InBeQ für Jugendliche gut funktioniert hat. Lesen Sie dazu die Broschüre: „Ich habe meinen Arbeitsplatz gefunden. 67 Beispiele von Menschen mit Behinderungen in Betrieben“. Mehr Informationen zur InBeQ finden Sie auf der Internetseite von RehaDat. |
| Budget für Ausbildung | Das Budget für Ausbildung ist eine Geldzahlung. Der Reha-Träger bezahlt den gesamten Lohn für den Auszubildenden. Außerdem bezahlt der Reha-Träger auch die Kosten für Hilfsmittel, Nachhilfe, Beratung und weitere Hilfe in der Berufsschule und im Betrieb. Der Reha-Träger bezahlt also alle Kosten, die mit der Ausbildung zu tun haben. Der oder die Auszubildende mit Behinderung hat dadurch bessere Chancen, eine betriebliche Ausbildung zu bekommen. Das Budget für Ausbildung können nur Jugendliche bekommen, die keine andere Möglichkeit der Ausbildung gefunden haben, und die nur in einer "Werkstatt für behinderte Menschen" arbeiten könnten. Das Budget für Ausbildung ist noch ganz neu. Es soll dabei helfen, dass Jugendliche eine andere Möglichkeit haben, als eine „Werkstatt für behinderte Menschen“. Die Agentur für Arbeit und die Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind verpflichtet, bei der Ausbildungssuche zu helfen.

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