Stationäre Wohnformen

Ein Mann schneidet Tomaten, im Hintergrund stehen zwei Menschen am Herd.

Für Menschen mit Behinderung kann es sinnvoll sein, sich für eine stationäre Form der Betreuung zu entscheiden. Grund dafür kann z. B. ein besonders hoher Hilfebedarf sein, dem durch die ständige Anwesenheit von geschultem Personal besser Rechnung getragen wird als bei einer ambulanten Versorgung.

Stationäre Wohnformen gibt es in unterschiedlichen Ausgestaltungen. Gängige Formen sind:

  • Wohnstätten
  • Außenwohngruppen
  • Gruppenwohnungen
  • Dezentrales stationäres Einzelwohnen

Anbieter stationärer Betreuung unterscheiden sich häufig in ihrem Betreuungskonzept. In vielen Fällen besteht die Möglichkeit, für ein paar Wochen „Probe“ zu wohnen, um herauszufinden, ob sich die Person mit Behinderung in der gewählten Wohnform wohl fühlt. Zudem kann der Vertrag mit dem Träger der Wohnform in den ersten zwei Wochen nach Einzug fristlos gekündigt werden.

Finanziert wird die stationäre Versorgung zumeist über Leistungen der Eingliederungshilfe (Sechstes Kapitel des Sozialgesetzbuches 12 – SGB XII) vom Sozialhilfeträger (in der Regel dem Sozialamt). Die Träger von stationären Wohnformen und der Sozialhilfeträger vereinbaren dazu bestimmte Pauschalen, nach denen sich in der Regel der Anspruch der Person mit Behinderung richtet. Wichtig ist, dass der Antrag auf Eingliederungshilfe vom Menschen mit Behinderung selbst beim Sozialhilfeträger zu stellen ist. Erst nach dessen schriftlicher Kostenzusage ist eine Übernahme der Wohnkosten garantiert.

Erwachsene Menschen mit Behinderung und ggf. ihr nicht getrennt lebender Ehegatte/Lebenspartner müssen grundsätzlich vorhandenes Einkommen und Vermögen zur Finanzierung der stationären Unterbringung einsetzen. Dabei gibt es verschiedene Freibeträge, z. B. nach § 85 SGB XII von monatlich derzeit 748 Euro plus Unterkunftskosten und eines Familienzuschlags von derzeit je 262 Euro für Ehepartner/Kinder.

Sind Eltern ihrem volljährigen Kind noch unterhaltspflichtig, was aufgrund dessen Behinderung regelmäßig der Fall ist, ist ihr Unterhaltsbeitrag auf derzeit 31,06 Euro für die Eingliederungshilfeleistung und 23,90 Euro für die Unterbringung beschränkt (§ 94 SGB XII).

Bei der stationären Unterbringung von Minderjährigen ist im Regelfall eine Vermögensberücksichtigung ausgeschlossen und die Eltern haben lediglich die Kosten der ersparten Aufwendungen des häuslichen Lebensunterhaltes zu tragen (§ 92 SGB XII).

Eingliederungshilfe wird immer nach den Besonderheiten des Einzelfalles erbracht. Auch im Bereich des stationären Wohnens ist daher eine umfassende Beratung des behinderten Menschen unumgänglich, um seinen individuellen Bedarf, die daraus folgenden Möglichkeiten der Unterbringung und die finanziellen Auswirkungen zu ermitteln.


Stichworte, die diesem Artikel zugeordnet wurden:

Betreuung, Eltern-Kind-Wohnen, Entgelt, Heim, Sozialamt, Sozialgesetzbuch, Sozialhilfe, Werkstatt, Wohngruppe

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