Barrierefreie Wohnraumgestaltung

In einem Wohnzimmer sitzen zwei Rollstuhlfahrer, im Hintergrund räumt in der Küche ein Mann die Spülmaschine voll.

Menschen mit Behinderung können häufig nur dann ein selbstbestimmtes Leben führen und am Leben in der Gemeinschaft und am Arbeitsleben teilhaben, wenn sie über eine barrierefreie Wohnung verfügen. Jeweils abhängig von der Behinderung und der Wohnsituation kann dies durch Umbau und Wohnungsanpassungsmaßnahmen, durch die Verwendung von Hilfsmitteln oder durch barrierefreies Bauen ermöglicht werden. Zum Leistungsangebot der Rehabilitationsträger, Integrationsämter und Pflegekassen gehören deshalb auch Wohnungshilfen.
Sie umfassen vor allem Leistungen, die dazu dienen, die Wohnung des Antragstellers so umzubauen oder auszustatten, dass sie seinen individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Aber auch Hilfen zur Beschaffung und Erhaltung einer barrierefreien Wohnung sind möglich.

Siehe dazu auch "Anforderungen an Wohnraum für Menschen mit Schwerbehinderung"

Leistungen der Rehabilitationsträger

Nach dem Sozialgesetzbuch IX (§ 4 - Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderung) können Wohnungshilfen gewährt werden als

  • Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Leistung zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft
  • begleitende Hilfe im Arbeits- und Berufsleben
  • Hilfe, um eine möglichst selbständige und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen oder zu erleichtern.

Auf Anhieb den richtigen Antrag beim richtigen Träger zu stellen, ist nicht ganz einfach. Das liegt zum einen an den komplizierten Regelungen unseres Sozialrechts. Zum anderen kommen als zuständige Rehabilitationsträger ganz unterschiedliche Stellen in Betracht, z. B. die Bundesagentur für Arbeit, die gesetzliche Unfallversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die öffentliche Jugendhilfe oder die Träger der Sozialhilfe.
Um das Verfahren zu erleichtern, wurden in den Städten und Kreisen Gemeinsame Servicestellen der Rehabilitationsträger eingerichtet. Sie sind zwar meist bei einem der Träger angesiedelt, beraten jedoch trägerübergreifend. Das bedeutet: Der Antragsteller oder die Antragstellerin braucht nur einen Ansprechpartner, auch wenn noch unklar ist, von welchem Träger am Ende die Leistung erhalten wird. Bei Bedarf wird das Integrationsamt an der Beratung beteiligt, um einen Hilfebedarf nach dem Schwerbehindertenrecht (Sozialgesetzbuch IX, Teil 2) zu klären. Droht oder besteht Pflegebedürftigkeit, wird auch die zuständige Pflegekasse einbezogen.

In der Adressdatenbank des Familienratgebers finden sich wohnortnah die Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation.

Leistungen der Integrationsämter

In enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und den sonstigen Rehabilitationsträgern erbringen auch die Integrationsämter Leistungen zur Beschaffung, Ausstattung und Erhaltung von barrierefreiem Wohnraum. Gewährt werden diese als begleitende Hilfen im Arbeits- und Berufsleben. Sie sollen also dazu beitragen, dass Menschen mit Schwerbehinderung in ihrer sozialen Stellung nicht absinken und auf Arbeitsplätzen beschäftigt werden, auf denen sie ihre Fähigkeiten und Kenntnisse voll verwerten und weiterentwickeln können.
Die Integrationsämter übernehmen nur Leistungen zur Beschaffung, Ausstattung und Erhaltung von barrierefreiem Wohnraum, für die der Rehabilitationsträger nicht zuständig ist.

Zur Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter

Leistungen der Pflegekassen

Der Antragsteller muss einen Eigenanteil von 10% der Kosten der Baumaßnahme selbst tragen, höchstens jedoch 50% seines Bruttoeinkommens.
Weitere Hinweise zum Zuschuss der Pflegekassen finden Sie auf der Internetseite www.nullbarriere.de.

Bausparverträge

Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 95% und deren Ehepartner können über Bausparverträge vorzeitig verfügen. Allerdings muss der Bausparvertrag vor der Feststellung der Behinderung abgeschlossen worden sein. Das gilt auch für Verträge nach dem Vermögensbildungsgesetz und für Verträge für die eine Arbeitnehmersparzulage geleistet wurde.

Umbaumaßnahmen sind steuerlich absetzbar

Aufwendungen für den Umbau des Hauses / einer Wohnung zum Zweck der Barrierefreiheit sind unter bestimmten Voraussetzungen als außergewöhnliche Belastungen von der Einkommenssteuer abziehbar. Der Antragsteller oder das Familienmitglied muss jedoch seine Schwerbehinderung nachweisen und vor Beginn der Baumaßnahmen ein ärztliches Attest vorlegen.

Barrierefreie Umgestaltung

Die Umgestaltung von Wohnraum für Menschen mit einer Behinderung bedarf der sorgfältigen Planung. Es muss nicht nur darüber nachgedacht werden, welche Umbau- und Ausstattungsmaßnahmen sinnvoll und notwendig sind, sondern auch darüber, wie sie konkret umgesetzt werden. Zur Erleichterung der Planung wurden DIN-Normen festgelegt, die verbindlich Auskunft darüber geben, welche Maße z.B. eingehalten werden müssen und was sonst zu beachten ist. Einen Überblick über die geltenden Bestimmungen finden Sie im Familienratgeber.

Zur Beratung über die barrierefreie Umgestaltung einer Wohnung stehen Beratungsstellen für Wohnraumanpassung und in der Regel auch die Gesundheits-, Bau- oder Umweltämter zur Verfügung. Bei Fragen zur technischen und baulichen Ausstattung kann im Einzelfall auch ein Beauftragter für die baulichen Belange behinderter Menschen im Baudezernat zu Rate gezogen werden.

Weiterführende Informationen im Internet

Tipp:

Zuschuss für barrierefreies Wohnen – Die KFW-Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert alters- und behindertengerechte Umbauten von Wohnungen und Häusern über zinsvergünstigte Darlehen. Weitere Informationen dazu finden Sie bei der KfW.



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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/selbstbestimmt_leben/wohnen/behindertengerechte_umgestaltung.php