Berufstätigkeit: Werkstatt für Menschen mit Behinderung

Zwei Frauen arbeiten an einer Nähmaschine

Die Werkstatt für Menschen mit Behinderung ist eine Einrichtung zur Eingliederung in das Arbeitsleben. Sie bietet denjenigen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, einen Arbeitsplatz oder Gelegenheit zur Ausübung einer geeigneten Tätigkeit.
Wesentliche Aufgabe der Werkstatt ist es, den Menschen mit Behinderung eine angemessene berufliche Bildung zu vermitteln, Beschäftigung anzubieten und, bei Eignung, den Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung außerhalb der Werkstatt zu ermöglichen. In Deutschland gibt es zur Zeit fast 700 anerkannte Werkstätten mit über 300.000 Arbeitsplätzen (Stand: Dezember 2015).

Angebot der Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM)

  • Eingangsverfahren
  • Berufsbildung
  • Arbeitsbereich
  • Förderbereich

Eingangsverfahren

Im Eingangsverfahren wird die Eignung für eine Werkstatt und einen bestimmten Tätigkeitsbereich festgestellt. Außerdem dient es dem Teilnehmer dazu, sich einen ersten Einblick in das Arbeitsleben der Werkstatt zu verschaffen. Diese Testphase kann bis zu drei Monaten dauern.

Berufsbildung

Ziel des Berufsbildungsbereichs ist die Vorbereitung auf Ausbildung / Umschulung oder auf die Arbeitsaufnahme in der Werkstatt oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zur Unterstützung der Qualifizierungsmaßnahme stehen begleitende soziale und psychologische Dienste zur Verfügung. Im Eingangsverfahren und im Berufsbildungsbereich wird monatlich ein Ausbildungsgeld (von 67 bis 80 Euro) oder ein Übergangsgeld gezahlt. Der Berufsbildungsbereich dauert maximal zwei Jahre.

Arbeitsbereich

Jedem Menschen mit Behinderung soll ein seinen Fähigkeiten entsprechender Arbeitsplatz angeboten werden, der eine Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit ermöglicht. Zur Unterstützung stehen begleitende soziale und psychologische Dienste zur Verfügung. Im Arbeitsbereich wird ein Grundbetrag (angelehnt an das Ausbildungsgeld) mit einem Zuschlag gezahlt. Die Beschäftigung ist hier unbefristet.

Förderbereich

Ist die Tätigkeit in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung nicht möglich, bieten viele Werkstätten eine angeschlossenen Fördergruppe oder Tagesförderstätte an. Menschen, die diese Gruppen besuchen, sind jedoch nicht als Arbeitnehmer sozialversichert.

Arbeitsförderungsgeld

Dabei handelt es sich um eine Zusatzleistung von 26 Euro zum normalen Arbeitsentgelt für jeden im Arbeitsbereich einer anerkannten Werkstatt Beschäftigten, dessen Arbeitsentgelt mit dem Arbeitsförderungsgeld den Betrag von monatlich 325 Euro nicht erreicht. Das Durchschnittsentgelt in den deutschen Werkstätten für Menschen mit Behinderung betrug im Jahr 2011 rund 180 Euro im Monat (bei einer Mindestbeschäftigungszeit von 35 Stunden in der Woche).

Kritik

Viele Menschen mit Behinderung finden auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Arbeit. Durch die Werkstatt können sie einen Job finden. Aber das wichtigste Ziel der Werkstätten, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten, funktioniert nur sehr schlecht. Weniger als ein Prozent der Beschäftigten in einer Werkstatt findet auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einen Job. Die UN-Behindertenrechtskonvention fordert das „gleichberechtigte Recht von Menschen mit Behinderung auf Arbeit“. Dieses Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderung sollte auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt umgesetzt werden.
Trotz berechtigter Kritik bieten Werkstätten vielen Menschen mit Behinderung eine Möglichkeit, erste Erfahrungen mit Arbeit zu erhalten. Sie können fachliches Wissen sammeln und berufliches Selbstbewusstsein entwickeln.

Links zu weiterführenden Informationen
www.bagwfbm.de - Seiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. (BAG:WfbM) mit zusätzlichen Informationen zu Werkstätten, Förderstätten und Integrationsbetrieben für Menschen mit Behinderung.

Bildung und Arbeit vor Ort


Stichworte, die diesem Artikel zugeordnet wurden:

Assistenz, Ausbildung, Behinderte Mütter, Berufsfindung, Grundsicherung, Tagesförderung

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