Alter und Ruhestand

Selbstbestimmt im Ruhestand – Menschen mit Behinderung im Alter

Menschen beim Kochen

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung ist das höchste in Europa. Im Zuge dieser Veränderung steigt auch die Zahl der älteren Menschen mit Behinderung. Denn Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf. Im Jahr 2012 waren in Deutschland mehr als ein Viertel (29 Prozent) der Menschen mit Schwerbehinderung 75 Jahre und älter. Aber „nur“ zwei Prozent der Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren hatten eine schwere oder mehrfache Behinderung. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Übergang vom Arbeitsleben in die Rente

Nach der Schule besteht für Menschen mit Behinderung und/oder psychischer Erkrankung ein Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben. Dieser wird in unterschiedlichen Arbeitsangeboten gedeckt. Bei Menschen mit einer geistigen Behinderung derzeit am häufigsten in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), aber auch in Integrationsbetrieben. Das gesetzlich festgelegte Regelrentenalter liegt in Deutschland bei 65 bzw. 67 Jahren. Dieses gilt auch für Menschen mit Behinderung. Nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben beginnt für sie eine neue Lebensphase und es stellt sich die Aufgabe, den Ruhestand sinnvoll zu gestalten. Für Menschen mit geistiger Behinderung und/oder psychischer Erkrankung manchmal eine besonders schwierige Herausforderung.

Selbstbestimmt im Ruhestand – wie geht das?

Dabei sollen sie möglichst selbst entscheiden können, wie sie den eigenen Tagesablauf gestalten wollen. Hierbei können beispielsweise die Sozialdienste der Werkstätten helfen oder andere Sozialdienste, wie beispielsweise die „Stiftung Pfennigparade“ in München. Beratende Unterstützung gibt es auch bei den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasverband, Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland). Beratungsangebote in Wohnortnähe lassen sich über die Adressdatenbank des Familienratgebers ermitteln.

Individuelle Wünsche verwirklichen

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) hat ein anschauliches Infopapier mit dem Titel Tagesstruktur für Rentner mit Behinderung in Leichte Sprache erstellt. Die bebilderte und gut verständliche dreiseitige Information richtet sich vor allem an Rentner mit Behinderung, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) gearbeitet haben. Das Dokument kann im Internet kostenfrei als pdf heruntergeladen werden.
Im Rahmen eines Aktion Mensch-Projekts zur „individuellen Ruhestandsgestaltung“ hat die Lebenshilfe Karlsruhe ein Buch erarbeitet, das sich mit diesen und anderen Fragen beschäftigt. Hierin wird sowohl das Thema „Altwerden“ im Allgemeinen beleuchtet, als auch spezielle Bereiche wie das Wohnen und das Tätig sein nach dem Ausscheiden aus der Werkstatt. Die 100-seitige Broschüre mit dem Titel „Ich will ein Rentner sein“ kann auf der Internetseite der Lebenshilfe bestellt werden.

Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft

Auch nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben haben Menschen mit Behinderung und/oder psychischer Erkrankung einen Rechtsanspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft. Rechtsgrundlage ist hier das Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX), Siebtes Kapitel, §§ 55-59. Außerdem besteht ein Leistungsanspruch auf Eingliederungshilfe. Dieser ist im Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch (SGB XII), Sechstes Kapitel, §§ 53-60, geregelt. Diese Leistungen sollen Menschen mit Behinderung, unabhängig von Art und Schwere der jeweiligen Behinderung, bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unterstützen und orientieren sich am individuellen Bedarf des Einzelnen. Der Leistungsanspruch besteht ohne Altersbegrenzung!
Als Bürger einer Stadt oder Gemeinde müssen auch ältere Menschen mit Behinderung und/oder psychischer Erkrankung alle allgemeinen Begegnungsmöglichkeiten, Kontakte und Regelangebote nutzen können. So sieht es jedenfalls die UN-Behindertenrechtskonvention in Artikel 9 („Zugänglichkeit“), Artikel 19 („Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft) und Artikel 30 („Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Spor“) vor. An Orten und in Lebensbereichen, wo vorhandene Barrieren die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschweren, sollte persönliche Assistenz diese Teilhabe ermöglichen (UN-BRK, Artikel 19 b). Die Finanzierung der persönlichen Assistenz könnte über das „Persönlichen Budget“erfolgen, denn dieses Geld kann auch für Unterstützung im Freizeitbereich beantragt werden.

Weitere Informationen hierzu im Familienratgeber-Artikel „Teilhabegesetz“ und im Artikel „Das persönliche Budget“.

Linktipp:

  • AWO (Arbeiterwohlfahrt) Ratgeber und Leitfaden zur Interkulturellen Seniorenarbeit als pdf-Datei. Die 23-seitige Broschüre richtet sich vor allem an Fachkräfte und Ehrenamtliche, die in der Seniorenarbeit tätig sind. Hierin werden Themen wie „Rechtzeitig auf das Alter vorbereiten“, „Kommunikation und Selbstorganisation ermöglichen“ oder auch „Lebenslanges Lernen“ behandelt.

Weitere Informationen zum Thema „Selbstbestimmt im Ruhestand“ in folgenden Familienratgeber-Artikeln:


Hilfe in Ihrer Nähe

Sie suchen Beratungsstellen in der Umgebung? Finden Sie diese jetzt ganz einfach mit unserer Suche.

Zur Suche
Seite weiterempfehlen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/selbstbestimmt_leben/alter_ruhestand/index.php