Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung

Was sind Hilfsmittel?

Ein Rollstuhl steht im Wald, im Hintergrund sind verschwommen mehrere Personen und Kinder zu sehen.

Hilfsmittel sind Produkte, die Menschen mit Behinderung oder Erkrankung in ihrem Alltag, bei ihrer Ausbildung oder bei der Ausübung ihres Berufes unterstützen.
Mobilitätshilfen, zu denen Gehstöcke, Rollstühle oder auch behindertengerechte Fahrzeuganpassungen gehören, sorgen dafür, auch mit Behinderung mobil zu bleiben. Alltagshilfen z. B. im Bad und Haushalt erhalten die Selbstständigkeit. Computerhilfsmittel unterstützen die Kommunikation. Auch am Arbeitsplatz werden technische Hilfen für eine barrierefreie Anpassung eingesetzt. Darüber hinaus sind Hilfsmittel zur Pflege, wie Betten oder Notrufanlagen, ein wichtiger Bereich.
Das Angebot ist groß. Doch das geeignete Hilfsmittel zu finden und vor allem zu klären, ob die Kosten dafür übernommen werden, ist nicht so einfach.

Wer kommt für die Kosten auf?

Im Sozialgesetzbuch ist geregelt welcher Kostenträger zuständig ist. Das ist abhängig von der jeweiligen Lebenssituation und dem Einsatz der Hilfsmittel. Für den privaten Gebrauch kommt meist die Krankenkasse für die Anschaffung des Hilfsmittels auf. Die Rentenversicherung oder die Arbeitsagentur übernehmen die Kosten bei beruflichem Gebrauch.

Hilfsmittel über die Krankenkasse

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Hilfsmittel, die dem unmittelbaren Ausgleich einer Behinderung dienen oder zur Pflege erforderlich sind. Gegenstände des täglichen Bedarfs sind ausgenommen. Für schulpflichtige Kinder können die Kosten für Hilfsmittel übernommen werden, die den Schulbesuch ermöglichen. Das kann z. B. eine Braillezeile oder die Sprachausgabe für ein blindes Kind sein.

Die Krankenkassen sind nicht zuständig für Hilfsmittel am Arbeitsplatz, für die Ausbildung oder das Studium.

Wird ein Hilfsmittel benötigt, ist die Verordnung durch einen Arzt erforderlich. Auf der Verordnung sollte so genau wie möglich stehen, welches Produkt der Arzt für richtig hält. So ist es z.B. bei einem Rollstuhl wichtig, genau das Modell zu erhalten, welches tatsächlich den Anforderungen des Nutzers entspricht. Die Auswahl sollte nicht dem Lieferanten überlassen werden.

Das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung gibt einen Überblick über Produkte, für die Kosten relativ problemlos übernommen werden. In diesem Verzeichnis erhält jedes Produkt eine 12-stellige Nummer, die auf der Verordnung erscheinen sollte. Falls der Arzt es für erforderlich hält, können auch Hilfsmittel verschrieben werden, die nicht im Verzeichnis gelistet sind.

Mit einem Rezept geht man dann zu einem Fachhändler oder in ein Sanitätshaus. Dort wird ein Kostenvoranschlag für die Krankenkasse erstellt. Stimmt die Krankenkasse zu, kann das Hilfsmittel geliefert werden. Einige Hilfsmittel können über Apotheken bezogen werden.

Auch bei verordneten Hilfsmitteln werden von den Krankenkassen nicht alle Kosten übernommen. Es sind Zuzahlungen erforderlich und es werden für manche Produkte nur Festbeträge gezahlt.

Mehr zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung

Hier finden Sie das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung im REHADAT-Hilfsmittelportal

Hilfsmittel über andere Kostenträger

Werden Hilfsmittel für den Beruf oder die Ausbildung gebraucht, sind weitere Kostenträger zuständig. Das sind die Rentenversicherungsträger, wenn man mehr als 15 Jahre gearbeitet hat, die Arbeitsagentur für alle, die weniger als 15 Jahre beschäftigt sind. Für Empfänger von ALG II ist das Jobcenter oder die Kommune zuständig.

Arbeitgeber können über das Integrationsamt Mittel für die Anpassung eines Arbeitsplatzes erhalten, wenn es um die Beschäftigung eines Schwerbehinderten geht.

Die Gesetzliche Unfallversicherung ist zuständig, wenn Hilfsmittel nach einem Unfall oder durch eine Berufskrankheit erforderlich werden.

Das Sozialamt kann Kosten übernehmen, wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist.

Einkommensabhängig können auch Hilfsmittel finanziert werden, die nicht dem unmittelbarem Ausgleich der Behinderung dienen oder für die Ausbildung erforderlich sind.

Ist die Zuständigkeit eines Kostenträgers klar, sollte man sich mit den verantwortlichen Stellen über das weitere Vorgehen abstimmen. Es ist unwahrscheinlich, dass privat gekaufte Hilfsmittel nachträglich erstattet werden.

Bei unklarer Zuständigkeit kann eine der gemeinsamen Reha-Servicestellen weiterhelfen, die bundesweit eingerichtet wurden.

Adressen der Gemeinsamen Servicestelle für Rehabilitation

Reha-Servicestellen

Die gemeinsamen Servicestellen sind zwar organisatorisch immer bei einem bestimmten Rehabilitationsträger (zum Beispiel bei der Krankenkasse oder der Agentur für Arbeit) angesiedelt. Jedoch stehen jeder Servicestelle die Mitarbeiter anderer Rehabilitationsträger für Rückfragen zur Verfügung. Grundsätzlich soll kein Ratsuchender an eine andere Stelle verwiesen werden. Ratsuchende werden über die Zielsetzung, Zweckmäßigkeit und Erfolgsaussicht möglicher Leistungen zur Teilhabe beraten. Es wird der individuelle Hilfebedarf ermittelt und geklärt, welcher Rehabilitationsträger für die Leistungen zuständig ist. Werden Leistungen verschiedener Rehabilitationsträger beansprucht, koordiniert die Servicestelle die Zusammenarbeit dieser Träger. Außerdem helfen die Mitarbeiter der gemeinsamen Servicestelle bei der Antragstellung und Weiterleitung von Anträgen an den zuständigen Rehabilitationsträger und stehen dem Antragsteller bis zur Leistungserbringung unterstützend zur Seite.

Auswahl eines Hilfsmittels

An der Auswahl eines Hilfsmittels sollte man sich als Bedürftiger so weit wie möglich beteiligen, auch wenn es durch einen Arzt verordnet wird. Informationen über mögliche Varianten und eventuell zusätzliche Kosten sind wichtig. Bei komplizierten Hilfsmitteln ist eine ausführliche Einweisung und Trainingsphase erforderlich, die zum Leistungsumfang des Lieferanten gehört. Oft empfiehlt sich eine Testphase, bevor man sich für ein Produkt entscheidet. Auch die Frage nach Reparaturen und Ersatzmöglichkeiten sollte gestellt werden. Ein Hilfsmittel ist nur dann sinnvoll, wenn es als Unterstützung akzeptiert ist und richtig verwendet wird.
Beraten können Hilfsmittelberatungsstellen, der Fachhandel und die Sanitätshäuser.

Einen Überblick über alle in Deutschland erhältlichen Hilfsmittel bietet REHADAT-Adressen und Angebote. Darüber hinaus finden Sie in der REHADAT-Datenbank eine Übersicht spezieller Hilfsmittelberatungsstellen.

Weitere Informationen im Internet

Einen Überblick über eine Vielzahl von Hilfsmitteln bietet das Internetforum MyHandicap



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