Die momentane Situation

Hand einer älteren Frau mit Gehhilfe

Durch Behinderung ein Patient zweiter Klasse?

In Deutschland leben mehr als sieben Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Sie haben das Recht auf eine Gesundheitsversorgung in gleicher Qualität wie alle anderen Menschen auch. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet die Vertragsstaaten dazu „Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard zur Verfügung [zu stellen] wie anderen Menschen“ (UN-BRK, Artikel 25: Gesundheit). Darüber hinaus haben sie Anspruch auf spezielle Gesundheitsleistungen, die sich aufgrund ihrer Behinderung ergeben.

Tatsächlich ist die ärztliche Versorgung von Menschen mit Behinderung – ob beim Hausarzt, Facharzt oder im Krankenhaus – oft unbefriedigend. Insbesondere für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Auch deren Zahl nimmt zu. Zurzeit geht man von 400.000 bis 500.000 Menschen aus.
Das Problem: Viele Menschen mit mehrfacher oder geistiger Behinderung finden in der Nähe ihres Wohnortes keinen Facharzt, der sie angemessen behandeln kann.
Dies kann einerseits an der mangelnden Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte liegen, sich auf Patienten mit besondern Bedürfnissen einzulassen – sowohl aus zeitlichen, als auch aus finanziellen Gründen. Andererseits sind Ärztinnen und Ärzte häufig nicht qualifiziert für diese Behandlung. Manche Patienten mit mehrfacher oder geistiger Behinderung können sich nur schwer verständlich machen. Aber auch den Ärzten fällt es oft nicht leicht, komplizierte Sachverhalte in einfacher Sprache auszudrücken. Hinzu kommt die mangelhafte Barrierefreiheit von Praxen und Krankenhäusern. Insgesamt entspricht die Versorgungssituation in Deutschland leider noch nicht den Maßstäben, die von der UN-Behindertenrechtskonvention gesetzt werden.

Welche Veränderungen sind nötig?

Viele Experten halten eine Änderung im Abrechnungssystem für nötig. Die Ärzte sollten die Möglichkeit haben, den besonderen Behandlungsbedarf und komplexe Leistungen abzurechnen.
Außerdem muss das Versorgungsangebot verbessert werden. Ähnlich den sozialpädiatrischen Zentren, die es in Deutschland für Kinder mit Behinderung gibt, sollte es auch ein vergleichbares Angebot für Erwachsene geben. In sozialpädiatrischen Zentren arbeiten Fachärzte und Therapeuten fachübergreifend zusammen. Erwachsene Menschen mit Behinderung müssten dann nicht wie bislang jeden Facharzt einzeln aufsuchen, sondern könnten in diesen Einrichtungen umfassend behandelt werden.
Änderungsbedarf besteht auch bei der Ausbildung der Mediziner. Hier kommt das Thema Behinderung bislang kaum vor. Den Studierenden sollte vermittelt werden, dass Menschen mit Behinderung einen berechtigten Anspruch auf eine hochwertige Versorgung haben. Und sie sollten auf den Umgang und die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung vorbereitet werden.
Eine wirklich barrierefreie Arztpraxis sollte mehr sein als nur rollstuhlgerecht. Eine offene, positive Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung ist die Grundvoraussetzung.

Weitere Informationen

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) und die Diakonie Deutschland haben zur Bundestagswahl 2013 ein gemeinsames Positionspapier zur gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung veröffentlicht. Darin werden die wichtigsten Aspekte zur Verbesserung des Gesundheitssystems erklärt.
Dieses kann man auch in Leichter Sprache lesen.

Linktipps:

Menschen mit Behinderung im Krankenhaus - die kostenlose Broschüre des Landes Bayern soll Menschen mit Behinderung dabei unterstützen, einen Krankenhaus-Aufenthalt vorzubereiten.
„Kooperationsverbund gesundheitliche Chancengleichheit“ – Der Verbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die gesundheitliche Chancengleichheit in Deutschland zu verbessern und die Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten zu unterstützen.
Ideen und Vorschläge der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für den Abbau von Barrieren in Arztpraxen.

 
Und hier gibt es Hilfe bei Fragen zur gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Behinderung
Weitere Links gibt es in unserer Linkliste zum Thema Gesundheit


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