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Vorsorgevollmacht

Es kann sein, dass Sie irgendwann nicht mehr für sich selbst entscheiden können. Vielleicht weil Sie krank sind oder eine Behinderung haben. Wenn Sie keine Betreuung haben wollen, kann eine Vorsorgevollmacht das Richtige für Sie sein. Damit legen Sie fest, wer für Sie wichtige Entscheidungen trifft. Dann entscheidet ein Mensch für Sie, den Sie selbst bestimmt haben. Doch es gibt auch die Gefahr von Missbrauch.


Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Eine Vorsorgevollmacht ist eine Art Vertrag. In dem Vertrag legt ein Mensch (=Vollmachtgeber*in) fest, dass ein anderer Mensch (=Bevollmächtigte*r) für ihn oder sie entscheiden soll. Der oder die Bevollmächtigte entscheidet dann zum Beispiel bei solchen Fragen:

  • Soll das Konto des Vollmachtgebers oder der Vollmachtgeberin bei der Bank aufgelöst werden? Oder soll ein neues Konto eröffnet werden?
  • Soll der oder die Vollmachtgeber*in operiert werden?
  • Soll der oder die Vollmachtgeber*in in ein Pflegeheim ziehen?

Wofür brauche ich eine Vorsorgevollmacht?

Es kann passieren, dass Sie durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr selbst entscheiden können. Wenn Sie zum Beispiel im Koma liegen oder einen schweren Schlaganfall hatten. Dann können Sie keine Miete überweisen, nicht selbst in Operationen einwilligen und auch keine wichtigen Briefe öffnen. Doch auch wenn Sie nicht mehr ansprechbar sind: Es gibt Dinge, die jemand entscheiden muss.

Haben Sie eine oder mehrere Personen, denen Sie uneingeschränkt vertrauen, kann eine Vorsorgevollmacht das Richtige für Sie sein. Denn mit der Vorsorgevollmacht können Sie eine oder mehrere Personen bestimmen, die für Sie entscheiden, wenn Sie es nicht mehr können. Ein Gericht muss in diesem Fall nicht eingeschaltet werden. Der oder die Bevollmächtigte entscheidet. Der Nachteil: Es gibt oft niemanden, der den oder die Bevollmächtigte*n kontrolliert. Der oder die Bevollmächtigte könnte die Vorsorgevollmacht missbrauchen und sich zum Beispiel Geld vom Konto nehmen. Oder er oder sie kann anders für Sie entscheiden, als Sie es eigentlich wollten. Deswegen sollten Sie nur Personen eine Vorsorgevollmacht geben, dem oder der Sie absolut vertrauen.

Haben Sie keine Vorsorgevollmacht, bestimmt ein Betreuungsgericht einen oder eine Betreuer*in. Der oder die Betreuer*in entscheidet dann für Sie. Denn es muss eine Person geben, die entscheidet, wenn Sie es nicht können. Wollen Sie keine Vorsorgevollmacht, dann sollten Sie möglichst eine Betreuungsverfügung ausstellen. In die Betreuungsverfügung können Sie schreiben, wen Sie sich als Betreuer oder Betreuerin vorstellen könnten. Sie können auch aufschreiben, wen Sie nicht haben wollen. Außerdem auch, was Ihre Wünsche, Vorstellungen und Ideen sind.

Haben Sie weder Vorsorgevollmacht noch Betreuungsverfügung, muss das Gericht einen Betreuer oder eine Betreuerin bestimmen. Der oder die Betreuer*in muss dann entscheiden, was das Beste für Sie ist. Keine einfache Aufgabe, wenn der oder die Betreuer*in sie nicht kennt.

Können nicht einfach meine erwachsenen Kinder, mein*e Ehepartner*in oder Partner*in für mich entscheiden?

Nein, das können und dürfen sie nicht. So steht es im Gesetz: Kann ein*e Volljährige*r nicht mehr für sich selbst entscheiden, dann muss ein Betreuungsgericht eine Betreuung bestellen. Der oder die Betreuer*in entscheidet dann. Einzige Ausnahme: Wenn es eine*n Bevollmächtigte*n (mit einer Vorsorgevollmacht) gibt, braucht das Gericht keine Betreuung bestellen. Zusammengefasst bedeutet dies, dass entweder ein Betreuer oder eine Betreuerin entscheidet. Oder eine Person entscheidet, die durch eine Vorsorgevollmacht dazu berechtigt ist. Andere Personen, wie Ehepartner*in oder erwachsene Kinder fallen erst einmal weg.

Paragraf 1896 Bürgerliches Gesetzbuch (1) Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Betreuungsgericht auf seinen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreuer. Den Antrag kann auch ein Geschäftsunfähiger stellen. Soweit der Volljährige auf Grund einer körperlichen Behinderung seine Angelegenheiten nicht besorgen kann, darf der Betreuer nur auf Antrag des Volljährigen bestellt werden, es sei denn, dass dieser seinen Willen nicht kundtun kann.

(1a) Gegen den freien Willen des Volljährigen darf ein Betreuer nicht bestellt werden.

(2) Ein Betreuer darf nur für Aufgabenkreise bestellt werden, in denen die Betreuung erforderlich ist. Die Betreuung ist nicht erforderlich, soweit die Angelegenheiten des Volljährigen durch einen Bevollmächtigten, der nicht zu den in § 1897 Abs. 3 bezeichneten Personen gehört, oder durch andere Hilfen, bei denen kein gesetzlicher Vertreter bestellt wird, ebenso gut wie durch einen Betreuer besorgt werden können.

Wen kann ich bevollmächtigen?

Am besten eine Person, der Sie absolut vertrauen. Haben Sie einmal eine Vollmacht ausgestellt, dann entscheidet der oder die Bevollmächtigte teilweise sehr wichtige Dinge, wenn Sie es nicht mehr können.

Außerdem sollten Sie mit der Person sprechen, die Sie bevollmächtigen wollen. Denn für diese Aufgabe benötigt man Zeit und Kraft. Vielleicht liegen Sie zum Beispiel mit einer schweren Krankheit im Krankenhaus. Das kann für Angehörige eine sehr schlimme Situation sein. Nicht jede Person ist dann sofort in der Lage, ein Pflegeheim zu suchen, die Wohnung aufzulösen, Verträge zu kündigen, Formulare für die Krankenkasse auszufüllen und vieles mehr. Um diese Verantwortung zu teilen, können Sie die Vollmacht auch auf mehrere Personen verteilen. Oder Sie bestimmen eine*n Haupt-Bevollmächtigten und eine Vertretung. Für jede Person sollten Sie dann eine eigene Vollmacht ausstellen.

Welche Form sollte eine Vorsorgevollmacht haben?

Wollen Sie eine Vorsorgevollmacht erteilen, müssen Sie einige Regeln befolgen:

  • Sie müssen die Vollmacht wie einen Vertrag aufschreiben. Das heißt, sie müssen Ort, Datum, Ihren Vor- und Nachnamen, Adresse und Geburtsdatum aufschreiben. Am Ende müssen Sie unterschreiben.
  • Auch den oder die Bevollmächtigte*n sollten Sie am besten mit Vor- und Nachnamen, Adresse und Geburtsdatum aufschreiben. Es wäre gut, wenn auch der oder die Bevollmächtigte unterschreibt. Damit kann der oder die Bevollmächtigte zeigen, dass er oder sie diese Verantwortung übernehmen möchte.
  • Sie können dem oder der Bevollmächtigten das Recht geben, fast alles zu entscheiden oder nur einen bestimmten Teil. Für welche Aufgaben oder Bereiche Sie sich entscheiden, müssen Sie in der Vollmacht aufschreiben.
  • Für bestimmte Bereiche brauchen Sie eine notarielle Beglaubigung. Das heißt, dass ein*e Notar*in die Vorsorgevollmacht beglaubigen muss. Dies ist zum Beispiel nötig, wenn Sie dem oder der Bevollmächtigten auch erlauben wollen, dass er oder sie für Sie ein Haus kaufen oder verkaufen soll.

Vorsicht bei Banken!

Nur wenige Banken akzeptieren eine Vorsorgevollmacht. Die meisten Banken verlangen, dass Sie spezielle Formulare der Bank ausfüllen müssen. Deswegen sollten Sie unbedingt mit Ihrer Bank sprechen und die genauen Vorgaben erfüllen.

Wie soll ich aufschreiben, was mein*e Bevollmächtigte*r darf?

Es gibt bestimmte Aufgaben und Bereiche, die Sie an eine*n oder mehrere Bevollmächtigte abgeben können, wenn Sie selbst nicht mehr entscheiden können:

BereichWelche Aufgaben darf der oder die Bevollmächtigte in diesem Bereich zum Beispiel für Sie erledigen?
Vermögensverwaltung, Rechtsgeschäfte in VermögensangelegenheitenKonto führen, Rechnungen bezahlen, Haus oder Wohnung verkaufen
GesundheitssorgeKrankenhaus, Arzt oder Pflegedienst auswählen, Ihre Krankenakten lesen, Untersuchungen und Behandlungen erlauben, wie zum Beispiel: Blutabnahme, Impfung, das Anlegen einer Magensonde, Computertomografie
Aufenthalts- und WohnungsangelegenheitenEntscheidung, ob Sie in einem Pflegeheim oder Zuhause versorgt werden oder wer in Ihrer Wohnung leben darf
Post- und FernmeldeverkehrIhre Post oder Ihre E-Mails lesen, einen Telefon- oder Handy-Vertrag in Ihrem Namen abschließen oder kündigen
Behörden, GerichteAnwalt beauftragen, Ausweis beantragen, Sie bei der Rentenversicherung vertreten
TodesfallEntscheidung, wie oder wo Sie beerdigt werden sollen

Liste zum Ausfüllen von Verträgen, Abos, Mitgliedschaften, Konten

Nur Sie selbst wissen, wo Sie überall Konten, Mitgliedschaften, Abos und Verträge haben. Der Familienratgeber hat eine Liste zusammengestellt, die Sie ausfüllen können. Wenn Sie dann eine Person bevollmächtigen wollen, können Sie dieser Person die ausgefüllte Liste geben. Oder Sie sagen, wo die Liste liegt.

Liste zum Ausfüllen von Abos, Verträgen und Mitgliedschaften herunterladen

Gibt es Bereiche, die man durch eine Vorsorgevollmacht nicht übertragen kann?

Ja. Es gibt Bereiche, die Sie nicht an eine*n Bevollmächtigten übertragen können. Diese Bereiche können Sie zum Beispiel nicht übertragen:

  • Testament: Sie können niemanden bevollmächtigen, für Sie ein Testament zu schreiben.
  • Heirat: Sie können niemanden bevollmächtigen, für Sie zu entscheiden, zu heiraten.
  • Gefährliche Operationen: Gefährliche Operationen sind zum Beispiel wenn Ihnen ein Bein abgenommen werden soll. Oder wenn Sie eine Herz-Transplantation bekommen sollen. Sie können niemanden bevollmächtigen, dann für Sie zu entscheiden.
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen: Das ist zum Beispiel, wenn Sie in ein geschlossenes Wohnheim kommen sollen. Oder auch Bettgitter, an Ihrem Bett. Auch eine Bauchfessel im Bett ist eine freiheitsentziehende Maßnahme. Auch hier können Sie niemanden bevollmächtigen, das für Sie zu entscheiden.

Aber wer kann dann in solchen Situationen entscheiden?
Das Betreuungsgericht muss in solchen Situationen bei der Entscheidung mithelfen. Der oder die Bevollmächtigte muss eine Genehmigung vom Betreuungsgericht einholen. Aber auch ohne den oder die Bevollmächtigte*n kann das Betreuungsgericht in diesen Bereichen entscheiden.

Muss ich bestimmte Voraussetzungen für eine gültige Vorsorgevollmacht erfüllen?

Ja. Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht erteilen möchten, müssen Sie geschäftsfähig sein. Das bedeutet, dass Sie dazu in der Lage sein müssen, selbstständig zu sagen, was Sie wollen. Normalerweise sind alle Menschen ab 18 Jahren voll geschäftsfähig. Auch wenn Sie die Vorsorgevollmacht rückgängig machen wollen, müssen Sie voll geschäftsfähig sein. Wenn Sie eine Vorsorgevollmacht erteilt haben, ist diese auch dann gültig, wenn Sie später geschäftsunfähig werden. Nicht immer ist klar, ob jemand voll geschäftsfähig ist. Zum Beispiel, wenn man an Demenz erkrankt ist. Deshalb können Sie zu einem Arzt, Notar oder einer Ärztin, Notarin gehen. Er oder sie bestätigt Ihnen dann schriftlich, dass Sie voll geschäftsfähig sind.

Begriffserklärung: Voll geschäftsfähig Voll geschäftsfähig ist normalerweise jeder Mensch über 18 Jahre. Das heißt, man kann ab diesem Alter Rechtsgeschäfte eingehen. Rechtsgeschäfte sind zum Beispiel Mietverträge, Arbeitsverträge, das Eröffnen eines Bankkontos, Heiraten oder Kaufverträge. Unterschreibt man zum Beispiel einen Mietvertrag, dann ist dieser Mietvertrag gültig. Man muss sich an Regeln halten, die im Vertrag stehen. Zum Beispiel eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Hält man sich nicht an den Vertrag, kann man vor Gericht verklagt werden.
Durch eine psychische Erkrankung oder einen Unfall kann es sein, dass man seine Geschäftsfähigkeit verliert. Zum Beispiel: Wenn jemand nicht genau weiß, ob ein Abo-Vertrag eine gute oder schlechte Entscheidung ist. Wenn das Betreuungsgericht davon erfährt, spricht es mit der Person. Das Gericht prüft, bei welchen Entscheidungen diese Person Hilfe braucht. Für diese Bereiche bestimmt das Gericht dann einen Betreuer oder eine Betreuerin. Der oder die Betreuer*in geht jetzt die Rechtsgeschäfte für diese Person ein.

Was ist eine Innenverhältnisregelung (auch Innen-Vollmacht genannt) und warum brauche ich sie?

Ein Beispiel: Sie haben Ihrer Tochter eine (Vorsorge-)Vollmacht für alle Bankgeschäfte gegeben, falls Sie einmal nicht mehr entscheiden können. Sie schreiben also eine Vollmacht, in der steht, dass Ihre Tochter alle Bankgeschäfte für Sie regeln darf. Kommen Sie in die Situation, dass Sie selbst nicht mehr entscheiden können, geht Ihre Tochter mit der Vollmacht zur Bank. Mit der Vollmacht kann Ihre Tochter jetzt die Bankgeschäfte für Sie regeln. Die Vorsorgevollmacht ist also die Erlaubnis und die Berechtigung, dass Ihre Tochter alle Bankgeschäfte für Sie regeln darf.

Wie Ihre Tochter dann die Bankgeschäfte regeln soll, das schreiben Sie in die Innenverhältnisregelung zwischen Vollmachtgeber*in (das sind Sie) und der Bevollmächtigten (das ist Ihre Tochter). Sie können zum Beispiel in die Innenverhältnisregelung schreiben, dass von Ihrem Konto einmal im Jahr Geld an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden soll. Sie können auch festlegen, ob und wie viel Geld Ihre Tochter und Ihr Sohn von Ihrem Konto bekommen sollen. Die Innenverhältnisregelung zwischen Ihnen (Vollmachtgeber*in) und Ihrer Tochter (Bevollmächtigte) regelt das wie, also wie Ihre Tochter die Bankgeschäfte für Sie regeln soll. Dieses Dokument bekommt die Bank nicht zu sehen. In die Innenverhältnisregelung können Sie die genauen Anweisungen schreiben.

Ohne eine Innenverhältnisregelung kann es vorkommen, dass Betreuungsgerichte die Vorsorgevollmacht als nicht vollständig ansehen und deshalb eine*n Kontroll-Betreuer*in einsetzen.

Vorsicht vor Missbrauch!

Manche Bevollmächtigte nutzen die Vorsorgevollmacht, um den oder die Vollmachtgeber*in zu betrügen. Das Bundesministerium für Justiz berichtet, dass es immer wieder solche Missbrauchsfälle gibt. So könnte ein*e Bevollmächtigte*r zum Beispiel Geld von Ihrem Konto nehmen. Oder er oder sie könnte anders für Sie entscheiden, als Sie es eigentlich wollten. Deshalb sollten Sie nur Personen bevollmächtigen, denen Sie absolut vertrauen.

Sie können in der Vollmacht auch bestimmen, dass eine andere Person den oder die Bevollmächtigte*n kontrollieren soll. Doch auch das kann Ärger geben. Vielleicht fühlt sich der oder die Bevollmächtigte schlecht, weil Sie ihm oder ihr nicht voll vertrauen. Es kann auch Ärger zwischen dem oder der Bevollmächtigen und dem Kontrolleur oder der Kontrolleurin geben.

Wenn es Ärger gibt, kann auch immer das Betreuungsgericht helfen. Das Gericht kann einen Betreuer oder eine Betreuerin bestimmen. Der oder die Betreuer*in kontrolliert dann den oder die Bevollmächtigte*n.

Mehr zum Thema im Familienratgeber-Artikel „Betreuungsverfügung“.

Was kann ich tun, wenn ich keine Vertrauensperson habe, der ich eine Vollmacht erteilen kann?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können eine Betreuungsverfügung ausstellen. Betreuungsvereine, Kirchen, Wohlfahrtsverbände und Hospizvereine können Sie dazu beraten. In die Betreuungsverfügung können Sie schreiben, wen Sie sich als Betreuer*in vorstellen können und wen Sie nicht haben wollen. Auch in diese Verfügung können Sie Wünsche und Vorstellungen schreiben.
  2. Sie stellen eine Vorsorgevollmacht aus, bestimmen aber zusätzlich eine Kontroll-Person. Diese Kontroll-Person kann dann prüfen, ob kein Missbrauch stattfindet. So können Sie zum Beispiel bestimmen, dass Ihr*e Bevollmächtigte*r einmal im Jahr eine Art Bericht schreibt. Die Kontroll-Person prüft diesen Bericht und Ihre Anweisungen aus der Innenverhältnisregelung. Sie können außerdem bestimmen, dass manche Entscheidungen nur gemeinsam mit Bevollmächtigtem oder Bevollmächtigter und der Kontroll-Person gefällt werden dürfen. Die Kontroll-Person kann auch ein Anwalt sein.

Warum sollte die Vollmacht über meinen Tod hinaus gültig sein?

Damit Ihr*e Bevollmächtigte*r zum Beispiel die Beerdigung bezahlen kann. Das kann sehr sinnvoll sein, wenn Ihre Erben noch nicht feststehen oder es Streitigkeiten ums Erbe gibt.

Wo sollte ich die Vorsorgevollmacht hinlegen?

Am besten dort, wo man sie leicht findet. Außerdem können Sie Kopien machen und an Ihren Arzt oder ihre Ärztin, an den oder die Bevollmächtigte*n und an Personen geben, denen sie vertrauen. Sie können Ihre Vollmacht auch beim Vorsorgeregister registrieren: https://www.vorsorgeregister.de/. Das Vorsorgeregister speichert dann, dass es bei Ihnen eine Vorsorgevollmacht gibt. Die Vollmacht selbst bleibt bei Ihnen. Das Register speichert nur, dass es eine Vollmacht gibt.

Normale, öffentlich beglaubigte oder notariell beurkundete Vollmacht – Welche Vollmacht brauche ich?

Welche Art von Vollmacht für Sie sinnvoll ist, kommt ganz auf Ihre persönliche Situation an: Haben Sie wenig Erspartes, mehrere Eigentumswohnungen, Immobilien oder sind sie Besitzer*in einer Firma? Die folgende Tabelle kann Ihnen einen Eindruck geben, welche Art von Vollmacht für Sie in Frage kommen kann:

Art der VollmachtKostenBesonderheit der VollmachtFür wen besonders geeignetBemerkungen
Normale Vorsorge-vollmachtkeineSie unterschreiben mit Datum und Unterschrift.Menschen ohne Immobilien oder Besitz, keine Firmenbesitzer*innen oder Anteilseigner*innenMit der normalen Vollmacht kann Ihr*e Bevollmächtigte*r fast alle Bereiche und Aufgaben für Sie übernehmen. Doch Vorsicht! Nur wenige Banken akzeptieren diese Vollmacht. Sprechen Sie deswegen vorher mit Ihrer Bank, welche Formulare Sie für eine Bank-Vollmacht ausfüllen müssen.
Öffentlich beglaubigte Vorsorge-vollmacht10 EuroEine Betreuungsstelle, Betreuungsbehörde vor Ort oder ein*e Notar*in beglaubigt Ihre Unterschrift.Menschen mit Immobilien oder wenn Sie als Vollmachtgeber*in befürchten, Schulden zu erbenNur wenn Ihr*e Bevollmächtigte*r eine öffentlich beglaubigte Vollmacht hat, kann er oder sie Häuser, Eigentumswohnungen und Immobilien für Sie kaufen oder verkaufen oder Erbschaften wegen Überschuldung ausschlagen. Wenn auch die Vertretung vor Behörden in der Vollmacht steht, kann Ihr*e Bevollmächtigte*r mit einer öffentlich beglaubigten Vorsorgevollmacht auch einen Reisepass für Sie beantragen. Wenn Ihr*e Bevollmächtigte*r Erklärungen gegenüber dem Handelsregister abgeben soll, braucht er oder sie eine öffentlich beglaubigte Vorsorgevollmacht.
Notariell beurkundete Vorsorge-vollmachtJe nach Vermögen: Die Mindestgebühr liegt bei 60 Euro, die Höchstgebühr bei 1.735 EuroUmfassende Beratung durch den oder die Notar*in, der oder die Notar*in verfasst die Vorsorgevollmacht und behält die Originalvollmacht bei sich. Die Bevollmächtigten bekommen eine Kopie.Menschen mit sehr viel Besitz, Immobilien, Besitzer*innen von Handelsunternehmen, Gesellschafter*innen von Unternehmenkeine

Wann sollte man zum Notar oder zur Notarin gehen?

Wenn Sie zum Notar oder zur Notarin gehen, ist das immer mit Kosten verbunden. Allerdings können Sie dort sehr gute Beratung. Und Sie bekommen eine relativ rechtssichere Vorsorgevollmacht. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, sind Sie bei einem oder einer Notar*in gut aufgehoben. Für Besitzer*innen von Immobilien, Geschäften und Handelsunternehmen ist ein Gang zu einem oder einer Notar*in sehr zu empfehlen.

Was passiert, wenn mein*e Bevollmächtigte*r nicht entscheiden kann? Zum Beispiel, weil er oder sie selbst krank ist?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Sie können eine*n Hauptbevollmächtigte*n bestimmten. Zusätzlich bestimmen Sie eine Vertretung.
  2. Sie bestimmen von Anfang an zwei oder mehrere Bevollmächtigte.

Ab wann gilt die Vorsorgevollmacht?

Der oder die Vollmachtgeber*in kann entscheiden, wann die Vorsorgevollmacht gilt. Man kann zum Beispiel in die Vorsorgevollmacht schreiben, dass sie ab sofort gilt. Dann ist sie nach Unterschrift der Vollmacht gültig. Man kann aber auch in die Vollmacht schreiben, dass sie erst dann gilt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Geschäftsunfähigkeit festgestellt hat.

Vor- und Nachteile einer Vorsorgevollmacht

Vorteile

  • Der oder die Vollmachtgeber*in kann die Vorsorgevollmacht ohne großen Aufwand erstellen.
  • Man kann alle Lebensbereiche abgeben oder nur Teile davon.
  • Die Vollmacht kann jederzeit widerrufen werden.
  • Wenn Sie selbst nicht mehr entscheiden können, kann der oder die Bevollmächtige*r für Sie entscheiden. Wenn Sie vorher über Ihre Wünsche gesprochen haben, kann der oder die Bevollmächtige*r sehr gut für Sie entscheiden.

Nachteile

  • Sie können nur eine Vollmacht erstellen, wenn Sie eine Person haben, der Sie absolut vertrauen.
  • Es kann sein, dass ein*e Bevollmächtige*r anders entscheidet als Sie es sich wünschen. Es kann auch sein, dass ein*e Bevollmächtige*r Sie betrügt.
  • Niemand kontrolliert den oder die Bevollmächtige*n. Nur wenn eine andere Person merkt, dass etwas komisch ist, kann diese Person das Betreuungsgericht informieren.
  • Haben Sie mehrere Bevollmächtige, kann es Ärger zwischen den Bevollmächtigen geben.

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