Pflegebedürftig - was heißt das?

Zwei Menschen unterhalten sich

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Krankheiten oder Behinderungen sind:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,
  • Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

Pflegebedürftigkeit ist ein allgemeines Lebensrisiko. Es kann jederzeit jeden treffen. Dann ist man auf Hilfe und Unterstützung durch die Familie oder andere Pflegepersonen angewiesen. Gut zu wissen, dass im Falle eines Falles die Pflegeversicherung hilft: Durch Pflegesachleistungen bei der häuslichen Pflege, durch Pflegegeld, durch einen Beitrag zu den pflegerischen Aufwendungen bei stationärer Pflege und andere Leistungen.

Durch die Pflegestärkungsgesetze I und II haben sich große Veränderungen ergeben. In diesem Text wird der 2017 gültige Stand dargestellt. Wer bisher in eine Pflegestufe eingestuft war, rutscht bei den Pflegegraden automatisch eine Stufe höher: So wird aus Pflegestufe I Pflegegrad II, aus Pflegestufe II Pflegegrad 3 und so weiter. Wer neben einer Pflegestufe auch eine eingeschränkte Alltagskompetenz hat, wird bei den Pflegegraden um zwei Grade höher eingestuft. Aus Pflegestufe I wird Pflegegrad 3, aus Pflegestufe II wird Pflegegrad 3 und so weiter.
Die Pflegebedürftigkeit wird danach bemessen, wie selbständig eine Person ist. Basis dafür ist ein Punktesystem. Je höher die Punktzahl, desto größer ist der Bedarf an Unterstützung.

Es gibt fünf Grade der Pflegebedürftigkeit:

Für die Gewährung von Leistungen an Pflegebedürftige sind fünf Pflegegrade eingerichtet worden:

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit

In den Pflegegrad 1 werden Personen eingestuft, die noch sehr selbständig sind und nur wenig Unterstützung benötigen. Die Pflegebedürftigkeit liegt herbei zwischen 12,5 und unter 27 Punkten.

  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit

In den Pflegegrad 2 werden Personen eingestuft, deren Selbständigkeit oder Fähigkeiten erheblich eingeschränkt sind. Die Pflegebedürftigkeit wird zwischen 27 und 47,5 Punkten eingestuft.

  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit

In den Pflegegrad 3 werden Personen eingestuft, deren Selbständigkeit stark eingeschränkt ist. Diesen Pflegegrad erhalten Personen, deren Unterstützungsbedarf zwischen 47,5 und 70 Punkten eingeordnet wird.

  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit

In den Pflegegrad 4 werden Personen mit sehr starken Einschränkungen der Selbständigkeit eingestuft. Ihre Selbständigkeit wird zwischen 70 und 90 Punkten eingestuft.

  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Mit dem Pflegegrad 5 werden Personen unterstützt, die einen sehr hohen Bedarf an Unterstützung haben. Ihre Selbständigkeit wird zwischen 90 und 100 Punkten eingestuft.

Was Pflege leistet

Soweit kein Pflegegeld gezahlt wird, besteht die Hilfe in der Unterstützung bei Verrichtungen des täglichen Lebens infolgenden Bereichen:

  • Körperpflege: das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung.
  • Ernährung: das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung.
  • Mobilität: das selbständige Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.

Verfahren der Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Die Pflegekassen haben durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfen zu lassen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welcher Grad der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Der MDK arbeitet im Auftrag der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen. Die MEDICPROOF GmbH hingegen ist der medizinische Dienst für die privaten Pflegeversicherungen (einschließlich der Pflegeversicherungen der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und der Postbeamtenkrankenkasse).

Reha vor Pflege

Stellt der Medizinische Dienst bei der Prüfung der Pflegebedürftigkeit fest, dass Maßnahmen der ambulanten medizinischen Rehabilitation zur Beseitigung, Minderung oder Verhütung einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit geeignet, notwendig und zumutbar sind, so hat der Versicherte einen Anspruch darauf gegen seine Krankenkasse.

Ansprechpartner

Pflegeversichert sind Sie dort, wo Sie auch krankenversichert sind. Dies gilt sowohl für gesetzlich als auch privat Versicherte. Detaillierte Auskünfte hierzu erteilen im Einzelfall die Kranken- und Pflegekassen.

Wichtige Änderungen

Das Pflegestärkungsgesetz I (seit 2015 in Kraft) und das Pflegestärkungsgesetz II (voraussichtlich ab 2016 in Kraft, wirksam ab 2017) bringen erhebliche Veränderungen für pflegebedürftige Menschen mit sich. Unter anderem werden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt und es wird ein neues Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eingeführt.

Mehr dazu in den Familienratgeber-Beiträgen Pflegestärkungsgesetz (2015) und Pflegestärkungsgesetz (2017).



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Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/recht/pflegebeduerftig.php