Pflegebedürftig - was heißt das?

Zwei Menschen unterhalten sich

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Krankheiten oder Behinderungen sind:

  • Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am Stütz- und Bewegungsapparat,
  • Funktionsstörungen der inneren Organe oder der Sinnesorgane,
  • Störungen des Zentralnervensystems wie Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen sowie endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen.

Pflegebedürftigkeit ist ein allgemeines Lebensrisiko. Es kann jederzeit jeden treffen. Dann ist man auf Hilfe und Unterstützung durch die Familie oder andere Pflegepersonen angewiesen. Gut zu wissen, dass im Falle eines Falles die Pflegeversicherung hilft: Durch Pflegesachleistungen bei der häuslichen Pflege, durch Pflegegeld, durch einen Beitrag zu den pflegerischen Aufwendungen bei stationärer Pflege und andere Leistungen.

Es gibt drei Stufen der Pflegebedürftigkeit:

Für die Gewährung von Leistungen an Pflegebedürftige sind drei Pflegestufen eingerichtet worden:

Das sind Personen, die bei der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) für mindestens 46 Minuten täglich der Hilfe bedürfen. Darüber hinaus zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Das sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Richtwert für die täglich benötigte Hilfe bei der Grundpflege beträgt für die Pflegestufe II 120 Minuten.

Das sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Der Richtwert für die täglich benötigte Hilfe bei der Grundpflege beträgt für die Pflegestufe III mindestens 240 Minuten.

Bei Kindern ist für die Zuordnung der zusätzliche Hilfebedarf gegenüber einem gesunden gleichaltrigen Kind maßgebend. Der Zeitaufwand für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung muss wöchentlich im Tagesdurchschnitt:

  • in der Pflegestufe I mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen,
  • in der Pflegestufe II mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen,
  • in der Pflegestufe III mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.

Pflegeergänzungsgesetz bei Leistungen der Pflegeversicherung

Die ergänzende Pflegestufe 0 sichert die Unterstützung für Menschen, die in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind, aber die Pflegestufe 1 nicht erreichen.
Dies ist insbesondere häufig bei Menschen mit Demenz und/oder geistiger Behinderung der Fall.
Siehe dazu den Familienratgeber-Beitrag "Pflegestärkungsgesetz I"

Was Pflege leistet

Soweit kein Pflegegeld gezahlt wird, besteht die Hilfe in der Unterstützung bei Verrichtungen des täglichen Lebens infolgenden Bereichen:

  • Körperpflege: das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung.
  • Ernährung: das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung.
  • Mobilität: das selbständige Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
  • Hauswirtschaftliche Versorgung: das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen.

Verfahren der Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Die Pflegekassen haben durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfen zu lassen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Der MDK arbeitet im Auftrag der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen. Die MEDICPROOF GmbH hingegen ist der medizinische Dienst für die privaten Pflegeversicherungen (einschließlich der Pflegeversicherungen der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und der Postbeamtenkrankenkasse).

Reha vor Pflege

Stellt der Medizinische Dienst bei der Prüfung der Pflegebedürftigkeit fest, dass Maßnahmen der ambulanten medizinischen Rehabilitation zur Beseitigung, Minderung oder Verhütung einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit geeignet, notwendig und zumutbar sind, so hat der Versicherte einen Anspruch darauf gegen seine Krankenkasse.

Ansprechpartner

Pflegeversichert sind Sie dort, wo Sie auch krankenversichert sind. Dies gilt sowohl für gesetzlich als auch privat Versicherte. Detaillierte Auskünfte hierzu erteilen im Einzelfall die Kranken- und Pflegekassen.

Wichtige Änderungen

Das Pflegestärkungsgesetz I (seit 2015 in Kraft) und das Pflegestärkungsgesetz II (voraussichtlich ab 2016 in Kraft, wirksam ab 2017) bringen erhebliche Veränderungen für pflegebedürftige Menschen mit sich. Unter anderem werden die bisherigen drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt und es wird ein neues Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eingeführt.

Mehr dazu in den Familienratgeber-Beiträgen Pflegestärkungsgesetz (2015) und Pflegestärkungsgesetz (2017).



Hilfe in Ihrer Nähe

Sie suchen Beratungsstellen in der Umgebung? Finden Sie diese jetzt ganz einfach mit unserer Suche.

Zur Suche
Seite weiterempfehlen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/recht/pflegebeduerftig.php