Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick (Stand: 2016)

Eine Brille liegt auf einen Tisch mit Dokumenten

Leistungen der Pflegeversicherung gibt es nur auf Antrag. Die Leistungen werden ab Antragstellung gewährt, frühestens jedoch von dem Zeitpunkt an, in dem die Anspruchsvoraussetzungen vorliegen. Wird der Antrag später als einen Monat nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit gestellt, werden die Leistungen vom Beginn des Monats der Antragstellung an gewährt. Die Höhe der Leistungen hängt von der Pflegestufe des Antragstellers ab. Versicherte, die in ihrer Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt sind (zum Beispiel aufgrund einer Demenz), erhalten darüber hinaus zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Je nach Betreuungsbedarf steht ihnen entweder ein Grundbetrag von 104 Euro oder ein erhöhter Betrag von 208 Euro im Monat zu. Ab dem 1. Januar 2015 haben erstmals auch Pflegebedürftige der Pflegestufen 1, 2 und 3 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz Anspruch auf zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Ihnen steht jedoch nur der Grundbetrag in Höhe von monatlich 104 Euro zu.

Häusliche Pflege

Das Pflegegeld für häusliche Pflege ist pro Monat begrenzt auf:

  • bei der Pflegestufe 0: 123 Euro
  • bei der Pflegestufe 1: 244 Euro (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 316 Euro (mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
  • bei der Pflegestufe 2: 458 Euro bzw. 545 Euro
  • bei der Pflegestufe 3: 728 Euro

Das Pflegegeld kann in Anspruch genommen werden, wenn Angehörige oder Ehrenamtliche die Pflege übernehmen. Das Pflegegeld kann auch mit Pflegesachleistungen kombiniert werden.
 
Die von der Pflegekasse zu erbringende Pflegesachleistung ist pro Monat begrenzt auf:

  • bei der Pflegestufe 0: 231 Euro
  • bei der Pflegestufe 1: 468 Euro (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 689 Euro (mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
  • bei der Pflegestufe 2: 1.144 Euro bzw. 1.298 Euro
  • bei der Pflegestufe 3: 1.612 Euro
  • im Härtefall: 1.995 Euro

Pflegesachleistungen können für die Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienstes eingesetzt werden.
Pflegesachleistungen können auch mit dem Pflegegeld kombiniert werden.

Pflege bei Verhinderung einer Pflegeperson

Erfolgt die Verhinderungspflege (Pflegevertretung), weil die Pflegeperson an der Erbringung der Pflege verhindert ist (z.B. wegen Krankheit oder Urlaub), übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für eine Ersatzpflege:

  • Verhinderungspflege für alle Pflegestufen mit oder ohne eingeschränkter Alltagskompetenz: 1.612 Euro für die Kosten bis zu 6 Wochen; 2.418 Euro bei Kombination mit Kurzzeitpflege
  • Kurzzeitpflege für alle Pflegestufen mit oder ohne eingeschränkter Alltagskompetenz: 1.612 Euro für die Kosten bis zu 8 Wochen: 3.224 Euro bei Kombination mit Verhinderungspflege

Die Mittel für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege können ab 2015 dem eigenen Bedarf angepasst miteinander kombiniert werden.

Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung:

  • bis zu acht Wochen im Jahr.
  • Leistungsumfang kann mit den (noch nicht verbrauchten) Mitteln der Verhinderungspflege auf insgesamt 3.224 Euro pro Kalenderjahr erhöht werden.
  • Der für die Kurzzeitpflege in Anspruch genommene Erhöhungsbetrag wird auf den Leistungsbetrag für eine Verhinderungspflege angerechnet.
  • Auch Menschen mit Pflegestufe 0 haben Anspruch auf diese Leistung, die Mittel für Betreuungs- und Entlastungsangebote können auch für die Verhinderungs-/ Kurzzeitpflege eingesetzt werden.

Verhinderungspflege durch ambulante Pflegedienste oder durch Personen, die keine nahen Angehörigen sind:

  • bis zu sechs Wochen.
  • Wurden Mittel für die Kurzzeitpflege nicht ausgeschöpft, können bis zu 50 % des Kontingents der Kurzzeitpflege auch für Verhinderungspflege eingesetzt werden (1.612 Euro + 806 Euro = maximal 2.418 Euro).
  • Es ist keine Übertragung in das Folgejahr möglich.

Verhinderungspflege durch nahe Angehörige:

  • bis zu sechs Wochen.
  • Die Aufwendungen der Pflegekasse sind auf den 1,5 fachen Betrag des bisher gezahlten Pflegegeldgeldes (je nach Pflegestufe) beschränkt. Beispiel: Pflegestufe 3 = 728 Euro + 50 % = 1.092 Euro

Teilstationäre Tages- und Nachtpflege

Bei der teilstationären Tages- und Nachtpflege werden Pflegeaufwendungen pro Monat begrenzt auf:

  • bei der Pflegestufe 0: 231 Euro
  • bei der Pflegestufe 1: 468 Euro (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 689 Euro (mit eingeschränkter Alltagskompetenz)
  • bei der Pflegestufe 2: 1.144 Euro bzw. 1.298 Euro
  • bei der Pflegestufe 3: 1.612 Euro

Unter Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Versorgung) versteht man die zeitweise Betreuung im Tagesverlauf in einer Pflegeeinrichtung.
Ab dem 1. Januar 2015 können die Leistungen der Tages- und Nachtpflege neben der ambulanten Pflegesachleistung /dem Pflegegeld in vollem Umfang in Anspruch genommen werden.

Zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen

Bewohner einer Wohngemeinschaft (zum Beispiel für Menschen mit Demenz) erhalten einen Wohngruppenzuschlag von monatlich 205 Euro pro Person, um gemeinsam eine Präsenzkraft zu finanzieren, die den Alltag der WG regelt, sich um den Haushalt kümmert und bei der Pflege hilft. Dies gilt für Pflegebedürftige aller vier Pflegestufen. Also auch für Menschen mit Demenz aber ohne Pflegestufe.

Vollstationäre Pflege

Bei der vollstationären Pflege übernimmt die Pflegekasse pro Monat pauschal:

Durch Leistungen der vollstationären Pflege werden Pflegebedürftige, die zum Beispiel in einem Pflegeheim leben, unterstützt.

Pflege in vollstationären Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen

Die Pflegekasse übernimmt zur Abgeltung der Aufwendungen der vollstationären Pflege nur 10 % des vereinbarten Heimentgelts, maximal 266 Euro pro Monat.

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsangebote für Menschen mit Demenz

Menschen mit einer Pflegestufe und eingeschränkter Alltagskompetenz, beispielsweise mit Demenz, erhalten pro Monat 104 Euro (Grundbetrag) oder maximal 208 Euro (erhöhter Betrag) zusätzlich zu den oben genannten Leistungen von der Pflegekasse für Betreuungs- und Entlastungsleistungen erstattet. Über die Höhe der Leistungen wird auf Grundlage des Gutachtens des medizinischen Dienstes entschieden.
Ab 2017 erhalten alle Pflegebedürftige mit den dann geltenden Pflegegraden 1 bis 5 jeweils 125 Euro pro Monat. Der doppelte Betrag für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz entfällt.

Pflegehilfsmittel

Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln (zum Beispiel Betteinlagen), die im Alltag verbraucht werden: 40 Euro pro Monat. Dies gilt für alle vier Pflegestufen.
Grundsätzlich werden unter dem Begriff Pflegehilfsmittel Geräte und Sachmittel verstanden, die zur häuslichen Pflege notwendig sind, sie erleichtern und dazu beitragen, dem Pflegebedürftigen eine selbstständige Lebensführung zu ermöglichen. Darunter fallen Geräte und Sachmittel, die zur häuslichen Pflege notwendig sind.
Kosten für Pflegehilfsmittel werden von der Pflegeversicherung übernommen, wenn keine Leistungsverpflichtung der Krankenkasse besteht.
Zu den Kosten für technische Pflegehilfen muss der Pflegebedürftige einen Eigenanteil von 10 Prozent, maximal jedoch 25 Euro zuzahlen. Größere technische Pflegehilfsmittel werden oft leihweise überlassen, sodass eine Zuzahlung entfällt. Wenn Rollstühle oder Gehhilfen ärztlich verordnet werden, tragen die Krankenkassen die Kosten.

Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes

Zu pflegebedingten Umbaumaßnahmen in der Wohnung können Zuschüsse bis zu 4.000 Euro je Maßnahme gezahlt werden (bis zum vierfachen Betrag – also bis zu insgesamt 16.000 € –, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen). Dies gilt für alle vier Pflegestufen (Pflegestufen 0 bis 3).

Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen für Pflegepersonen

Die Pflegeversicherung zahlt der Pflegeperson Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Die Pflegeperson pflegt nicht erwerbsmäßig eine oder mehrere Pflegebedürftige mindestens 14 Stunden wöchentlich in deren häuslicher Umgebung.
  • Die Pflegeperson ist nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig.

Die Beitragshöhe richtet sich nach der Pflegestufe der zu pflegenden Person. Die Pflegekasse meldet die rentenversicherungspflichtige Pflegeperson beim zuständigen Rentenversicherungsträger und führt die Beiträge ab.
Die Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen werden auch während eines Urlaubs bis zu sechs Wochen im Jahr von der Pflegeversicherung weiterbezahlt.
Auch Pflegepersonen, die einer versicherungspflichtigen Beschäftigung (z.B. während der Familienpflegezeit) nachgehen, bekommen zusätzliche Beiträge zur Rentenversicherung durch die Pflegekasse.

Weiterführende Informationen im Internet:



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