Inklusion in der Schule

3 Kinder

Seit März 2009 gilt in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Das rechtsverbindliche Abkommen betont in Artikel 24 ausdrücklich die Forderung nach schulischer Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Wörtlich heißt es dort: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen (…)“. Die Vereinten Nationen sehen vor, dass in einem inklusiven Bildungssystem 90 Prozent aller Kinder mit Behinderung eine allgemeine Schule besuchen.
Inklusion in der Schule bedeutet den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Dies schließt grundsätzlich alle Kinder ein, unabhängig von der Schwere ihrer Behinderung. Dadurch werden soziale Kompetenzen und gegenseitiger Respekt gefördert. Kinder mit besonderem Förderbedarf sollen nicht länger vom gemeinsamen Lernen und Leben ausgeschlossen werden.

Aktuelle Situation

Dort wo bereits Kinder mit Behinderung einzeln in reguläre Klassen an allgemeinen Schulen aufgenommen werden können, erhalten diese Klassen meistens bedarfsorientiert zusätzliche Personalstunden, etwa durch einen Sonderschullehrer.
In Deutschland besteht bei fast 490.000 Schülerinnen und Schülern sonderpädagogischer Förderbedarf. Das entspricht etwa sechs Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Insgesamt gehen deutschlandweit aber nur 31,4 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf in eine Regelschule. Kinder mit einer geistigen Behinderung werden dabei am stärksten ausgeschlossen. Die Chance auf schulische Inklusion hängt nicht zuletzt vom Wohnort ab. Während in Hessen nur 21,5 Prozent der Kinder mit Förderbedarf eine Regelschule besuchen, sind es in Bremen 68,5 und in Schleswig-Holstein 60,5 Prozent (Schuljahr 2013/14, 1.-10. Klasse).
Insgesamt aber bildet Deutschland im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter hinsichtlich der inklusiven Bildung. Denn die meisten EU-Staaten haben den Großteil ihrer Förderschulen bereits geschlossen. Stattdessen werden die Kinder von Sonderpädagogen an den Regelschulen unterstützt. Fast 85 Prozent aller Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen im EU-Durchschnitt inklusiv.

Inklusion und Förderschule

Ziel ist es, entsprechend der Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 24), alle Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in einem inklusiven Bildungssystem zu unterrichten. Gegenwärtig wird die Mehrzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf jedoch in Förderschulen unterrichtet. Entsprechend ihrem Leistungsvermögen und der Art ihrer Beeinträchtigung besuchen sie Schulen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten.
Grundsätzlich sollen Förderschulen als Durchgangsschulen dienen. Ihre Aufgabe besteht in erster Linie darin, die Schülerinnen und Schüler dahingehend zu fördern, dass sie in einem inklusiven Schulsystem unterrichtet werden können. In der Realität ist der Weg auf die Förderschule häufig eine Einbahnstraße. Nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler wechseln von diesem Schultyp auf die Regelschule. Zudem dürfen die meisten Förderschulen keine Hauptschulabschlüsse vergeben. Aufgrund fehlender Abschlüsse und Ausbildung bleiben viele Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft ohne Perspektive. Diesbezüglich stehen die Kultusministerien der Bundesländer aber auch die einzelnen Schulen und Pädagogen vor großen Aufgaben.

Index für Inklusion

Eine Hilfe hierbei könnte der „Index für Inklusion“ sein. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Materialien, Aussagen und Fragen zu den Aspekten, die eine „alle Kinder und Jugendliche willkommen heißende“ Bildungseinrichtung ausmachen. Im Zentrum des Index steht ein Inklusionskonzept, das den Abbau von Barrieren für das Lernen und die Teilhabe für alle Kinder an einem inklusiven Schulsystem ermöglichen soll.

Inklusion und Schulen vor Ort

Weiterführende Informationen zum Thema "Inklusion in der Schule" im Internet

Lesetipp:

Praxisheft „Inklusion: Schule für alle gestalten“ – Publikation mit Informationen und Praxisbeispielen der Aktion Mensch



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