Doppeldiagnose: Sucht bei Menschen mit psychischer Erkrankung oder Behinderung

Frau sitzt auf einem Sofa

Doppeldiagnose – Was ist das?

Der Begriff Doppeldiagnose bezeichnet das gemeinsame Auftreten von Suchtmittelabhängigkeit und mindestens einer anderen psychischen Störung oder Erkrankung. Der Fachausdruck für diese Doppelerkrankung lautet Komorbidität. Menschen, bei denen eine Doppeldiagnose erstellt wurde, sind häufig schwerer zu behandeln als Patienten mit einfachen Erkrankungen.

Sucht oder Substanzmittelmissbrauch

Sucht meint umgangssprachlich die Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen wie Heroin oder Kokain. Wer abhängig ist, hat die eigene Kontrolle über die Einnahme dieser Substanzen verloren. Anzeichen hierfür sind das starke Verlangen, die Substanz einzunehmen sowie das Problem, den Konsum unter Kontrolle zu halten. Hinzu kommen erfolglose Versuche, mit dem Konsum aufzuhören. Wird die Einnahme der Substanz verringert oder gestoppt, treten körperliche Entzugserscheinungen auf. Die Ursachen für Abhängigkeit und Sucht sind vielfältig. Sie können in der eigenen Persönlichkeitsstruktur, aber auch im sozialen Umfeld liegen. Oft führt die Abhängigkeit zu sozialen und psychischen Problemen.
Der Missbrauch von Alkohol, Drogen und/oder Medikamenten wirkt sich negativ sowohl auf die körperliche als auch auf die psychische Gesundheit aus. Deshalb ist es nicht einfach, eine Suchtmittelabhängigkeit von einer psychischen Erkrankung klar abzugrenzen.

Psychische oder seelische Störung und Behinderung

Eine psychische Behinderung tritt in der Regel in Folge einer psychischen Erkrankung auf. Darunter versteht man die Störung von einer oder mehreren psychischen Funktionen des Menschen. Beispielsweise kann die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit oder Konzentration beeinträchtigt sein. Auch kann es zu Orientierungs- und Wahrnehmungsschwierigkeiten kommen. Die Grenzen zwischen Erkrankung und Behinderung sind fließend. Während es sich bei einer psychischen Erkrankung um eine Episode, also um eine zeitlich begrenzte Erkrankung handelt, versteht man unter der psychischen Behinderung einen langfristigen oder dauerhaften Zustand. Psychische Erkrankungen sind zum Beispiel: Schizophrenie, Angststörung, Depression, Traumatisierung, Borderline-Persönlichkeitsstörung. Mehr zu diesem Thema im Artikel „Psychische Behinderung“.

Menschen mit geistiger Behinderung und Sucht

Die Suchtproblematik bei Menschen mit geistiger Behinderung war sowohl in der Behinderten- als auch in der Suchthilfe lange Zeit kein Thema. Beide Bereiche registrieren aber in den letzten Jahren eine Zunahme von Suchtfällen bei Menschen mit geistiger Behinderung. Experten führen dies auf die veränderte Wohnform – aus vollstationären Einrichtungen oder der Unterbringung im Elternhaus, in weniger betreute Wohneinrichtungen – zurück. Durch die veränderte Wohnform gewinnen Menschen mit geistiger Behinderung einerseits an Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Andererseits nehmen in Folge dessen auch Risiken, die durch mehr Freiheit und Unabhängigkeit entstehen können, zu.
Die Internetseite und Datenbank „Geistige Behinderung und Sucht“ informiert über Therapie- und Präventionsangebote bei Menschen mit geistiger Behinderung und Suchtproblematik. In der Datenbank sind Hilfsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung und Suchtproblematik erfasst. Insgesamt aber ist das Angebot an therapeutischen und präventiven Maßnahmen, die sich an den Bedürfnissen dieser Zielgruppe orientieren, noch unzureichend.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema bietet der AWO-Bericht „Prävalenz von Suchtmittelkonsum bei Menschen mit geistiger Behinderung in Nordrhein-Westfalen“.
Ebenso die Handreichung des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe e.V. und des Gesamtverbands für Suchtkrankenhilfe e.V. mit dem Titel „Zum Umgang mit Suchterkrankungen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)“.

Welche Lösungen gibt es?

Bei Patienten mit Doppeldiagnose stellt sich die Aufgabe, beide Krankheitsbereiche angemessen zu behandeln. Eine Therapie in Hinsicht auf die Abhängigkeit von Suchtmitteln ist nur bei gleichzeitiger Behandlung der psychischen Beschwerden erfolgversprechend. Eine einseitige Behandlung der Sucht oder der psychischen Erkrankung ist wenig nachhaltig.
Als erfolgreich haben sich deshalb Behandlungsansätze erwiesen, in denen sich ein Team von Ärzten und/oder Therapeuten um beide Erkrankungen kümmert. Von zentraler Bedeutung ist dabei – neben dem wertschätzenden Umgang mit den Patienten – die Zusammenarbeit mit Freunden und Angehörigen sowie bei Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung, die in Wohneinrichtungen leben und in Werkstätten arbeiten, die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen.
In der ambulanten Psychotherapie scheitert die Behandlung oft, weil Patienten und/oder Therapeuten das Ausmaß der Suchtproblematik nicht erkennen.

Wo kann man Hilfe finden?

Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung und gleichzeitiger Suchterkrankung sollten auf jeden Fall ärztliche beziehungsweise therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Zunächst kann man sich an seine Hausärztin oder seinen Hausarzt wenden. Oder an eine/n Psychiater/in oder Psychotherapeut/in.
Häufig ist eine stationäre Behandlung oder die Behandlung in einer Tagesklinik sinnvoll.
Auf der Internetseite der Caritas-Suchthilfe findet sich eine Liste der stationären Einrichtungen der Caritas, die Erfahrung in der Behandlung von Patienten mit Doppeldiagnose haben.
Empfehlenswert für Hilfesuchende ist die Caritas Online-Beratung bei Behinderung und psychischen Erkrankungen.
Die Diakonie bietet ebenfalls eine Online-Suchtberatung an. Dort findet sich auch eine Übersicht über wohnortnahe Suchtberatungsstellen.
Außerdem können sich Hilfesuchende an die Selbsthilfe-Organisation Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (BPE) e.V. wenden.

Weitere Adressen:

Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (fdr)
Gierkezeile 39
10585 Berlin
Tel.: 030/85400490
Fax: 030/85400491
mail@fdr-online.info
www.fdr-online.info

Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft e.V.
Waldweg 6
84177 Gottfrieding-Unterweilnbach
08731/3 25 73-0
08731/3 25 73-20
aa-kontakt@anonyme-alkoholiker.de
www.anonyme-alkoholiker.de

Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahr (DHS) e.V.
Westenwall 4
59065 Hamm
02381/9015-0
02381/901530
info@dhs.de
www.dhs.de

Weitere Linktipps:

Literatur:

Gouzoulis-Mayfrank E. (2007). Komorbidität Psychose und Sucht. Von den Grundlagen zur Praxis. Steinkopf Verlag: Darmstadt

Moggi, F. & Donati, R. (2003). Psychische Störungen und Sucht: Doppeldiagnosen. Hogrefe: Göttingen.


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