Psychische Behinderung

3 Menschen essen zusammen an einem Tisch

Psychische Erkrankungen sind alltäglicher als man denkt. Sie sind kein Zeichen von Schwäche und können prinzipiell jeden Menschen treffen.
Wird eine psychische Erkrankung nicht geheilt, kann daraus eine Behinderung werden. Anders als viele Körperbehinderungen und auch geistige Behinderungen, werden psychische bzw. seelische Behinderungen von Außenstehenden oft nicht als solche wahrgenommen. Sie sind eben meist nicht offensichtlich.

Wann von einer psychischen Behinderung gesprochen wird, legt im Zweifelsfall das Sozialgesetzbuch, Neuntes Buch (SGB IX), fest:
„Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“ (§ 2 Abs. 1, SGB IX).
Auch die UN-Behindertenrechtskonvention (Artikel 1) zählt Menschen mit langfristigen seelischen Beeinträchtigungen ausdrücklich zum Personenkreis der Menschen mit Behinderung.

Psychische oder seelische Behinderung – was ist das?

Eine psychische Behinderung tritt in der Regel in Folge einer psychischen Erkrankung auf.
Die Grenzen zwischen Erkrankung und Behinderung sind fließend. Aber nicht jede psychische Erkrankung führt zu einer psychischen Behinderung.

Eine psychische Behinderung bedeutet die langfristige Störung von einer oder mehreren psychischen Funktionen des Menschen. Beispielsweise kann die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit oder Konzentration beeinträchtigt sein. Auch kann es zu Orientierungs- und Wahrnehmungsschwierigkeiten kommen. Die emotionale Stabilität kann aus dem Gleichgewicht geraten. Das Nachlassen der Motivation und der Kommunikationsbereitschaft sind ebenfalls Symptome.

Auswirkungen im Alltag

Menschen mit einer psychischen Behinderung sind in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung kann in verschiedenen Lebensbereichen deutlich werden:

• Schule, Universität, Arbeit
• Wohnen
• Soziale Kontakte / Freundschaften

Die Fähigkeit zur Selbstversorgung kann bei Menschen mit einer psychischen Behinderung nachlassen oder nicht mehr vorhanden sein. Die Bereitschaft bzw. Motivation zur Schule, zur Universität oder zur Arbeit zu gehen, kann abnehmen. Die Kommunikation mit anderen Menschen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben können gestört sein, manchmal werden sie auf das Nötigste reduziert. Es kann auch zu einem weitgehenden oder totalen Realitätsverlust kommen. Im Extremfall drohen der Verlust des Arbeitsplatzes, der Wohnung oder von Freundschaften.

Diagnose „Psychische Behinderung“

Die Feststellung einer psychischen Erkrankung ist nicht einfach. Eine gezielte Diagnose muss von einem Facharzt für Psychologie oder einem Psychotherapeuten nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten gestellt werden. Die Ursachen für die Erkrankung bleiben dabei häufig unbekannt.

Aufgrund der Schwierigkeit, eine psychische Erkrankung festzustellen, orientieren sich Diagnosen vielfach an der Beschreibung des Zustands und des Verlaufs der Erkrankung. Häufig sind es jedoch zwei grundlegende Krankheitsbilder, die einer psychischen oder seelischen Behinderung vorausgehen: Neurosen und Psychosen. Aber auch Depressionen, Burnout sowie Drogen- und Alkoholabhängigkeit beinhalten ein hohes Risiko, zu einer psychischen Behinderung zu führen.

Psychische Behinderungen können auch in Kombination mit geistiger oder körperlicher Behinderung auftreten.

Wo kann man Hilfe bekommen?

Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder Behinderung sollten auf jeden Fall ermutigt werden, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wer bei psychischer Erkrankung Hilfe sucht, kann sich entweder direkt an einen ärztlichen Psychotherapeuten oder einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wenden. Oder man kann sich vom Hausarzt bzw. Kinder- und Jugendarzt dorthin überweisen lassen. Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt „Behandlung der Seele“. Die Therapien werden ambulant oder stationär angeboten. (Informationen zur Unterscheidung zwischen Facharzt und Psychotherapeut)
Psychotherapeutische Behandlungen können in der Regel (bei einer Verhaltenstherapie oder einer Psychoanalytischen Therapie) als Kassenleistung in Anspruch genommen werden.

Vor einer psychischen Behinderung steht meist eine entsprechende Erkrankung. Bei akuten psychischen Erkrankungen ist „Krisenintervention“ das Stichwort. In einer akuten Krisensituation stoßen Menschen an ihre Grenzen, können im Extremfall zu einer Gefahr für sich selbst und andere werden. Eine stationäre Unterbringung und Behandlung in einer psychiatrischen Klinik ist dann ratsam.
Viele Menschen wenden sich in Krisensituationen auch an psychosoziale Beratungsstellen, zum Beispiel Familien-, Lebens- oder Suchtberatungsstellen. Die Mitarbeiter dieser Beratungsstellen sind darauf geschult, Ratsuchenden bei ihren Problemen zu helfen.

Beratungsstellen in der Adressdatenbank des Familienratgebers

Vielen psychisch Erkrankten oder Menschen mit einer psychischen Behinderung fällt es schwer, sich zu ihrer Erkrankung oder Behinderung zu bekennen. Manche fürchten mögliche Nachteile, beispielsweise am Arbeitsplatz. Andere sind selbst nicht in der Lage, die eigene Situation richtig einzuschätzen.
Für Ärzte und Therapeuten besteht eine wichtige Aufgabe darin, den Patienten das Gefühl der Stigmatisierung zu nehmen. Entscheidend bei der Hilfe ist es, dass Menschen, die unter lang andauernden psychiatrischen Beeinträchtigungen leiden, so gut wie möglich bei der Bewältigung ihres Alltagslebens unterstützt werden.

Zusätzliche Hilfe für Kinder und Jugendliche

Liegt bei einem Kind oder Jugendlichen eine seelische Behinderung oder eine drohende seelische Behinderung vor (nachgewiesen oder auch nur vermutet), so kann ein Antrag auf Eingliederungshilfe gestellt werden. Diesen können Jugendliche selbst beziehungsweise ihre Sorgeberechtigten beim zuständigen Jugendamt einreichen. In einem Beratungsgespräch werden dann die möglichen Hilfsangebote erklärt.

Anerkennung als Schwerbehinderung

Auch eine psychische Behinderung kann als Schwerbehinderung anerkannt werden. Dies kann Auswirkungen auf den Kündigungsschutz oder finanzielle Unterstützungen haben (Nachteilsausgleiche). In Deutschland kann jeder Mensch mit Behinderung bei der für seinen Wohnsitz zuständigen Kommunalverwaltung oder beim Versorgungsamt einen Antrag auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises stellen. Ob eine Schwerbehinderung im Falle einer psychischen Behinderung vorliegt, wird aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens entschieden.

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