Assistenzen

Eine ältere Dame möchte mit Hilfe eines Rollators und eines Mannes von einer Bank aufstehen.

Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderung ihr Leben weitgehend nach eigenen Vorstellungen, also selbstbestimmt, zu führen. Mit Hilfe von Assistenten und Assistentinnen lässt sich der persönliche Tagesablauf individuell nach den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen umsetzen.
Assistentinnen und Assistenten unterstützen bei der Arbeit, in der Schule oder beim Studium, zu Hause (z.B. bei der Haushaltsführung), bei der Pflege oder in der Freizeit. Nach Angaben der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben e. V. (ISL) gibt es in Deutschland rund 3.000 Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Behinderung, die persönliche Assistenten eingestellt haben. Die Einarbeitung der persönlichen Assistenten erfolgt in der Regel durch die Menschen mit Behinderung selbst und durch ergänzende Fortbildungsveranstaltungen.

Seit 2008 können Menschen mit Behinderung oder mit einer chronischen Erkrankung, die Anspruch auf Teilhabeleistungen haben, ein „Persönliches Budget“ beantragen. Über dieses Budget (Geld) entscheiden sie selbst und können sich damit Hilfe (Assistenz) „einkaufen“. Als Assistenznehmer wählen Menschen mit Behinderung ihre Assistenten selbst aus. Das Ganze wird auch als „Arbeitgebermodell“ bezeichnet.

Assistenzbereiche

Assistenzen werden berufs- und freizeitbezogen angeboten:

  • für den Besuch eines Kindergartens
  • für den Schul- und Hochschulbesuch
  • für den Arbeitsbereich
  • für die Pflege
  • für das Wohnen
  • für die Freizeitgestaltung
  • für Aktivitäten der Erwachsenenbildung
  • als Hilfen für Eltern mit (geistiger) Behinderung und ihre Kinder

In der Regel handelt es sich um Einzelunterstützung, die Assistenz kann sich aber auch auf eine Kleingruppe beziehen. Inhaltlich können die Assistenzen sehr unterschiedlich sein. Hier die wichtigsten:

  • Aufbau von Beziehungen
  • Unterstützte Kommunikation
  • Verständigungs- und Übersetzungshilfen
  • Spaziergänge
  • Spielplatzbesuch
  • kleine Ausflüge
  • Tagesausflüge
  • Besuch kultureller Veranstaltungen
  • Besuch von Bildungsveranstaltungen
  • Begleitung zu Vereinen
  • Büchereibesuch
  • Besorgen von Zeitschriften, Literatur
  • Vorlesen von Büchern und Zeitschriften
  • gemeinsamer Einkauf, Besorgungen
  • Hilfe zum Aufbau von Kontakten und Freundeskreisen
  • Besuch von Sportveranstaltungen
  • Besuch von Kinder- und Jugendgruppen
  • Begleitung im Alter

Kulturtechnische Hilfen:

  • Hilfen im Lesen, Schreiben und Rechnen
  • Hilfen im Umgang mit Geld
  • Hilfen im Umgang mit Behörden, Institutionen

Mobilitätshilfen

  • Hilfen zur Bewältigung von Wegen, Wegetraining
  • Training der Verkehrs- und Orientierungssicherheit
  • Hilfen bei der Bewegung mit Rollstuhl, Gehhilfen, Tandem
  • Hilfen bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Hilfen zur Förderung der Mobilität durch Sport und Spiel

Hilfen beim Schulbesuch:

  • Vorbereitung zum Besuch einer Schule
  • Begleitung auf dem Schulweg
  • Begleitung im Unterricht
  • Begleitung zu Ausflügen, Schulveranstaltungen
  • Vor und Nachbereitung der Hausaufgaben/Unterrichtsinhalte
  • Einzelnachhilfe
  • Besorgung von Unterrichtsmaterial
  • Begleitung von schulischen Praktika

Hilfen zur sozialen Integration mit dem Ziel:

  • Selbstständigkeit
  • Teilhabe an gesellschaftlichen Aktivitäten
  • Weiterentwicklung sozialer Fähigkeiten
  • Selbstbewusstsein und Belastbarkeit

Finanzierung

Menschen mit Behinderung haben zur Teilhabe an sämtlichen Lebensbereichen das Recht auf notwendige Assistenzfinanzierung. Seit 2008 gibt es bundesweit das sogenannte „trägerübergreifende Persönliche Budget“. Mit diesem Budget (Geld) kann die notwendige Assistenzleistung finanziert werden. Hierbei beantragt man die notwendige Assistenzleistung bei einem der beteiligten Kostenträger (Rehabilitationsträger) oder bei einer der Gemeinsamen Reha-Servicestellen. Dadurch hat es der Antragsteller mit nur einem „Budgetbeauftragten“ zu tun, der für sämtliche Fragen und Belange zuständig ist.
Reichen die Leistungen der Pflegekasse und das eigene Vermögen bzw. der eigene Verdienst nicht aus, um die nötige Assistenz zu bezahlen, kann man über die überörtlichen Sozialhilfeträger „Hilfe zur Teilhabe am Leben“ beziehen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch "Assistenz und Hilfe" in der Rubrik "Bildung und Arbeit".

Tipp:
Ausführliche Informationen zum Thema Assistenz und Persönliches Budget bietet die Broschüre der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL)

Weiterführende Informationen im Internet


Stichworte, die diesem Artikel zugeordnet wurden:

Arbeit, Assistenz, Erwachsenenbildung, Hilfe im Alltag, Integration, Kindergarten, Schule, Teilhabe

Hilfe in Ihrer Nähe

Sie suchen Beratungsstellen in der Umgebung? Finden Sie diese jetzt ganz einfach mit unserer Suche.

Zur Suche
Seite weiterempfehlen

Quell-URL: https://www.familienratgeber.de/beratung_hilfe/hilfe_alltag/assistenzen.php