Infos für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige.

Menschen mit Behinderung im Gesundheits-System

Menschen mit Behinderung haben das Recht auf eine gute medizinische Versorgung. Oft ist ihre Versorgung aber schlechter als für Menschen ohne Behinderung. Woran liegt das? Und welche Veränderungen sind nötig? Dies und mehr erfahren Sie im folgenden Text.


Welche Schwierigkeiten gibt es für Menschen mit Behinderung im Gesundheits-System?

In Deutschland leben fast acht Millionen Menschen mit einer Schwerbehinderung. Sie haben das Recht auf eine gute und umfangreiche Gesundheitsversorgung. Dieses Recht steht zum Beispiel in der UN-Behindertenrechtskonvention in Artikel 25, Gesundheit. Zudem haben Menschen mit Behinderung Anspruch auf spezielle Gesundheits-Leistungen, eben wegen ihrer Behinderung. Zum Beispiel die Leistungen der Früherkennung und Reha-Leistungen.
Tatsächlich ist die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung oft nicht gut – egal ob beim Hausarzt, beim Facharzt oder im Krankenhaus. Das gilt besonders für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Das Problem: Viele Menschen mit mehrfacher oder geistiger Behinderung finden keinen Arzt, der sie gut behandeln kann. Oder sie müssen zu einer Arzt-Praxis, die weit von ihrem Wohnort entfernt ist. Manche Ärztinnen und Ärzte behandeln Menschen mit mehrfacher oder geistiger Behinderung nicht gerne. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum Beispiel zu wenig Zeit, um auf die Bedürfnisse dieser Patient*innen einzugehen. Oder sie bekommen zu wenig Geld für eine ausführliche Behandlung.
Andererseits sind Ärzt*innen oft nicht dafür ausgebildet, Menschen mit Behinderung zu behandeln. Manche Patient*innen mit mehrfacher oder geistiger Behinderung können nicht gut ausdrücken, welches Problem sie gerade haben. Aber auch den Ärzt*innen fällt es oft nicht leicht, schwierige Themen in einfacher Sprache zu erklären.
Ein weiteres Problem ist die mangelhafte Barrierefreiheit in vielen Arzt-Praxen und Krankenhäusern. Besonders Frauen mit Behinderung stoßen hier auf Hindernisse. So ist es zum Beispiel für Frauen im Rollstuhl schwierig, eine barrierefreie Praxis für Frauenheilkunde zu finden.

Persönliche Assistenz im Krankenhaus

Manche Menschen mit Behinderung benötigen in ihrem Alltag persönliche Assistenz. Persönliche Assistent*innen unterstützen sie zum Beispiel im Haushalt, bei der Pflege, auf der Arbeit oder in der Freizeit. Diese Unterstützung brauchen Menschen mit Behinderung auch, wenn sie ins Krankenhaus kommen. Zwischen ihnen und den Assistent*innen besteht oft ein großes Vertrauens-Verhältnis. Menschen mit Behinderung leiten ihre Assistent*innen selbst an. Das ermöglicht mehr Selbstbestimmung. Und es hilft dabei, Schmerzen zu vermeiden. Diese Hilfe kann eine beliebige Person nicht leisten. Und auch das Personal im Krankenhaus kann diese Unterstützung oft nicht leisten.
Das Problem: Momentan ist nicht klar, wer die Kosten für eine begleitende Assistenz-Person im Krankenhaus bezahlt. Finanziert der Mensch mit behinderung über das persönliche Budget, dann zahlen die Kostenträger auch bei einem Krankenhaus-Aufenthalt weiter. Leistet aber ein ambulanter Dienst die persönliche Assistenz, zahlen die Kostenträger bei einem Krankenhaus-Aufenthalt die Assistenz nicht.
Der Gesetzgeber sollte hier für Klarstellung sorgen: Wenn Menschen mit Behinderung persönliche Assistenz bei einem Krankenhaus-Aufenthalt brauchen, sollte diese auch bezahlt werden. Und zwar unabhängig davon, ob sie selbst die Assistent*innen eingestellt haben. Oder ob ein mobiler Dienst die Assistent*innen schickt.
Weitere Informationen zum Thema „Assistenz im Krankenhaus“ lesen Sie auf der Internetseite der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V. (ISL) und auf der Internetseite Reha-Recht.

Welche Veränderungen sind nötig?

  • Viele Experte*innen schlagen eine Änderung bei der Abrechnung von Gesundheits-Leistungen vor. Die Ärzt*innen sollten die besondere Behandlung von Menschen mit Schwerbehinderung auch abrechnen können. Wenn die Behandlung von Menschen mit mehrfacher Behinderung oder Lernschwierigkeiten mehr Zeit braucht, sollten die Ärzt*innen dafür auch mehr Geld bekommen.
  • Wichtig ist auch, dass mehr Arzt-Praxen wirklich barrierefrei werden. Damit sind nicht nur Rampen für Rollstuhl-Fahrer gemeint. Zu einer barrierefreien Praxis gehört zum Beispiel die gute Erreichbarkeit mit Bus und Bahn, ausreichend Platz in den Behandlungsräumen und eventuell ein Aufzug. Außerdem sollten die Ärzt*innen und das Personal in der Praxis auf den Umgang mit Menschen mit Lernschwierigkeiten oder mit psychischen Erkrankungen vorbereitet sein. Gesundheits-Informationen und Infos zu Behandlungen sollte es in Einfacher und Leichter Sprache geben.
    Es gibt eine Checkliste für Patient*innen zu der Frage "Woran erkennt man eine gute Arztpraxis?". Die Liste erklärt mit Fragen und Antworten, was eine gute Arztpraxis ausmacht.
  • Das Behandlungs-Angebot muss verbessert werden. Hausärzt*innen, Fachärzt*innen und Therapeut*innen sollten besser zusammenarbeiten. Für Kinder mit Behinderung gibt es in Deutschland Sozialpädiatrische Zentren. Dort arbeiten Ärzt*innen und Therapeut*innen aus verschiedenen Bereichen zusammen. (Lesen Sie mehr dazu im Familienratgeber-Artikel Sozialpädriatische Zentren). Ein ähnliches Angebot sollte es auch für Erwachsene geben. Erwachsene Menschen mit Behinderung müssten dann nicht zu jedem Facharzt einzeln gehen. Sie könnten in einem Zentrum behandelt werden.
  • Mediziner*innen sollten mehr über Behinderung und Menschen mit Behinderung lernen. Im Medizin-Studium kommt das Thema Behinderung bislang kaum vor. Die Medizin-Student*innen sollten lernen, dass Menschen mit Behinderung ein Recht auf eine gute medizinische Versorgung haben. Und sie sollten sich vorbereiten auf den Umgang und die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Toleranz und Hilfsbereitschaft sind dabei die Grundvoraussetzung. Besonders gegenüber Menschen mit Lernschwierigkeiten oder mit psychischen Erkrankungen.

Wie bekomme ich einen Termin beim Arzt oder Ärztin?

Für Menschen mit gesetzlicher Krankenversicherung ist es oft schwierig, einen Termin bei einem Arzt oder einer Ärztin zu bekommen. Damit sich diese Situation verbessert, gibt es die Termin-Servicestellen. Bei den Termin-Servicestellen bekommen Sie einen Termin bei Fachärzt*innen oder Psychotherapeut*innen.
Termin-Servicestellen im Überblick.
Sie können bei der Termin-Servicestelle auch anrufen, täglich 24 Stunden. Unter der Nummer 116 117 bekommen Sie dann einen Termin
Oder Sie lassen sich per E-Mail einen Termin geben.

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