Staatliche Hilfen für Familien

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Eine Großfamilie mit drei Generationen

Der Staat unterstützt Familien durch verschiedene Zuschüsse und steuerliche Vergünstigungen. Hier finden Sie eine Auswahl der wichtigsten bundesweiten Leistungen:

Mutterschaftsgeld

Schwangere Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder arbeitslos gemeldet sind, befinden sich sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung im Mutterschutz. Anspruch auf Mutterschaftsgeld und den Zuschuss des Arbeitgebers haben sie während der gesamten Schutzfrist. Gesetzlich krankenversicherte Mütter bekommen bis zu 13 Euro am Tag (oder 385 Euro pro Kalendermonat) von ihrer Versicherung. Voraussetzung ist eine Bescheinigung des behandelnden Arztes, die den voraussichtlichen Geburtstermin enthält. Der Arbeitgeber übernimmt die Differenz zwischen den 13 Euro und dem täglichen Netto-Entgelt. Diesen Betrag bekommt auch die Mutter, die nicht gesetzlich krankenversichert ist. Hierbei gilt das Prinzip, dass Frauen im Mutterschutz finanziell nicht schlechter gestellt sein sollen als vorher. Hausfrauen, Selbstständige (unter Vorbehalt) und Adoptivmütter haben keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld.
Privat versicherte Frauen oder in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversicherte Frauen bzw. geringfügig beschäftigte Frauen erhalten ein einmaliges Mutterschaftsgeld von bis zu 210 Euro vom Bundesversicherungsamt. Antragsformulare und weitere Informationen gibt es hier: www.mutterschaftsgeld.de. Einige private Krankenversicherungen zahlen zusätzlich 200 Euro und versichern Frauen während der Schutzfrist kostenlos weiter. Der Zuschuss des Arbeitgebers wird wie bei Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung berechnet.

Weitere Informationen zum Mutterschaftsgeld finden Sie auf der Website des zuständigen Bundesministeriums.

Kindergeld

Für alle minderjährigen Kinder wird vom Staat Kindergeld gezahlt. Das Kindergeld wird einkommensunabhängig geleistet und ist nach der Zahl der Kinder gestaffelt. Seit 2010 gibt es für das erste und zweite Kind 184 Euro Kindergeld im Monat, für das dritte Kind 190 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind 215 Euro.
Der Anspruch verlängert sich bis zum 25. Lebensjahr (plus Zivil- bzw. Wehrdienst), wenn und solange sich ein Kind in Ausbildung befindet. Arbeitslose Kinder werden bis zum 21. Lebensjahr berücksichtigt. Hatte ein volljähriges Kind eigenes Einkommen, entfiel bisher der Anspruch auf Kindergeld (ggfls. rückwirkend) für das gesamte Kalenderjahr, wenn die Einkommensgrenze von 8.004 Euro überschritten wurde. Seit dem 1. Januar 2012 ist diese Einkünfte- und Bezügegrenze entfallen. Desweiteren ist der Werbungskostenpauschbetrag bei der Berechnung des Einkommens abzuziehen. Ausgezahlt wird das Kindergeld an die Person, in deren Obhut sich das Kind befindet. Lebt das Kind mit beiden Eltern zusammen, können diese bestimmen, wer von ihnen das Kindergeld erhalten soll.
Zeitlich unbegrenzt wird Kindergeld für Kinder gezahlt, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten. Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist.

Weitere Informationen zum Kindergeld und das Antragsformular finden Sie auf der Website der Bundesagentur für Arbeit.

Elterngeld

Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes auf eine (volle) Erwerbstätigkeit verzichten, können Elterngeld erhalten. Es ersetzt mindestens 65 Prozent des monatlichen Erwerbseinkommens, das bis zu der Geburt des Kindes erzielt wurde. Die Höchstgrenze liegt allerdings bei 1.800 Euro. Die Mindestzahlung beträgt 300 Euro. Für Geringverdienende, Mehrkindfamilien und Familien mit Zwillingen oder Drillingen wird das Elterngeld erhöht .
Das Elterngeld wird bis zu 14 Monate lang ab der Geburt des Kindes gezahlt (aber nur 10 bis 12 Monate bei Bezug von Mutterschaftsgeld). Den Zeitraum können die Eltern frei untereinander aufteilen, allerdings muss dazu seit 2009 jedes Elternteil mindestens zwei Monate Elterngeld in Anspruch nehmen. Verzichtet nur ein Elternteil auf die (volle) Erwerbstätigkeit, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen, kann Elterngeld für lediglich 12 Monate bezogen werden (gilt nicht für Alleinerziehende).

Eltern, die vor der Geburt des Kindes nicht erwerbstätig waren, können 12 Monatsbeträge Elterngeld in Höhe von mindestens 300 Euro erhalten.
Neben dem Elterngeld ist eine Teilzeittätigkeit von bis zu 30 Stunden in der Woche möglich. Die dabei erzielten Einkünfte werden bei der Bemessung des Elterngeldes berücksichtigt. Für Lehrerinnen und Lehrer gilt eine Sonderregelung.

Weitere Informationen zum Elterngeld finden Sie auf der Website des zuständigen Bundesministeriums. Dort gibt es auch einen Elterngeldrechner: www.bmfsfj.de/elterngeldrechner.

Die Versorgungsverwaltung NRW hat darüber hinaus eine Liste mit nützlichen Fragen und Antworten zum Elterngeld auf Ihrer Internetseite veröffentlicht. Da die Bestimmungen zum Elterngeld bundesweit einheitlich sind, sind die Antworten auch auf andere Bundesländer übertragbar.

Elternzeit

Berufstätige Eltern haben nach der Geburt ihres Kindes drei Jahre lang Anspruch auf Elternzeit. Der Anspruch gilt jeweils für Mutter und Vater. Das Arbeitsverhältnis bleibt während dieser Zeit bestehen und die Eltern haben nach Ablauf der Elternzeit Anspruch auf Rückkehr auf den ursprünglichen Arbeitsplatz bzw. auf einen, der mit dem vorherigen vergleichbar ist. Es ist möglich, zunächst nur einen Teil der Elternzeit zu nehmen und bis zu 12 Monate Elternzeit „aufzusparen“. Man kann dann die aufgesparte Elternzeit zu einem frei wählbaren Zeitpunkt bis zum 8. Lebensjahr des Kindes nehmen. Hierfür ist aber immer eine Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich.

Seit 2009 können unter bestimmten Voraussetzungen auch Großeltern Elternzeit in Anspruch nehmen, sofern sie in ihrem Haushalt ein Enkelkind betreuen.

Weitere Informationen zur Elternzeit finden Sie auf der Internetseite des zuständigen Ministeriums und in der Elternzeitbroschüre des Bundesfamilienministeriums.

Kinderzuschlag

Eltern, die zwar sich selbst, nicht aber ihre Kinder finanzieren können, bekommen für jedes Kind, das in ihrem Haushalt lebt, einen Kinderzuschlag von bis zu 140 Euro pro Monat. Der Zuschlag wird zusätzlich zum Kindergeld gezahlt und soll gemeinsam mit dem Wohngeld verhindern, dass Familien mit geringem Einkommen auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind.

Um den Kinderzuschlag erhalten zu können, müssen Elternpaare über ein Einkommen von mindestens 900 Euro brutto und Alleinerziehende über ein Einkommen von mindestens 600 Euro brutto verfügen (jeweils ohne Kinder- und Wohngeld). Gleichzeitig darf die Höchsteinkommensgrenze von 1.466 Euro nicht überschritten werden. Einkommen und Vermögen des Kindes werden auf den Kinderzuschlag angerechnet.

Weitere Informationen zum Kinderzuschlag und das Antragsformular gibt es auf der Website der Bundesagentur für Arbeit oder auf der Internetseite des Bundesfamilienministeriums.

Leistungen zur Bildung und Teilhabe

Seit dem 1.1.2011 stehen den Empfängern von Kinderzuschlag sowie den Empfängern von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe auch sieben Leistungen zur Bildung und Teilhabe (auch Bildungspaket genannt) zu:

  • eintägige Schul- und Kitaausflüge (tatsächliche Kosten),
  • mehrtägige Klassen- und Kitafahrten (tatsächliche Kosten),
  • persönlicher Schulbedarf (insgesamt 100 Euro jährlich, bis zum 10. Schuljahr),
  • die Beförderung von Schülerinnen und Schülern zur Schule (tatsächliche Kosten),
  • Lernförderungen (tatsächliche Kosten),
  • die Teilnahme an einer gemeinschaftlichen Mittagsverpflegung in Schule oder Kindertageseinrichtungen (Zuschuss)und
  • die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (wie im Sportverein oder in der Musikschule in Höhe von 10 Euro monatlich).

Weitere Informationen zum Bildungspaket gibt es hier.

Unterhaltsvorschuss

Diese Förderung soll Alleinstehenden helfen, wenn die Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils ausbleiben. Das eigene Einkommen des Alleinstehenden spielt hierbei keine Rolle. Der Vorschuss beträgt (ergänzend zum Kindergeld) seit 2010 für Kinder unter sechs Jahren 133 Euro monatlich und für Kinder von sechs bis zwölf Jahren 180 Euro monatlich. Der Unterhaltsvorschuss wird vom Jugendamt maximal sechs Jahre lang und höchstens bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres des Kindes gezahlt.

Der Antrag kann bei der zuständigen Unterhaltsvorschuss-Stelle – in der Regel beim zuständigen Jugendamt – gestellt werden. Das ist das Jugendamt, in dessen Bezirk das Kind lebt.

Weitere Informationen finden sich in der Broschüre zum Unterhaltsvorschuss des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

BAföG

Insbesondere Studierende an Hochschulen und bestimmte Schülergruppen werden mit BAföG gefördert, wenn die Eltern nicht genug Geld haben, um ihnen eine Ausbildung zu finanzieren. Der Höchstbetrag liegt bei 643 Euro pro Monat. 2008 bekamen Studierende im Durchschnit 398 Euro im Monat, Schüler 321 Euro. Die allgemeine Altersgrenze wurde 2010 von 30 Jahren auf 35 Jahre (für Masterstudiengänge) angehoben.

Die Förderung wird für Studenten im Regelfall zu 50 Prozent als Zuschuss und zu 50 Prozent als zinsloses Darlehen ausgegeben. Die Hälfte der erhaltenen Förderung ist also zurückzuzahlen, jedoch höchstens 10.000 Euro (sofern das Studium nach dem 1.3.2001 aufgenommen wurde). Ein Teilerlass von Darlehensraten ist möglich, wenn und solange der Darlehensnehmer kein oder nur ein geringes Einkommen erzielt und ein Kind unter 10 Jahren pflegt und erzieht oder ein behindertes Kind betreut. Die Rückzahlung beginnt mit Ablauf von fünf Jahren nach Ende der Förderungshöchstdauer in vierteljährlichen Beträgen von mindestens 315 Euro (3 x 105 Euro).

BAföG-Antragsformulare auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Weitere Informationen zum BAföG gibt es hier.

Wohngeld

Einkommensschwache Familien können einen staatlichen Zuschuss zur Miete und zu den Heizkosten beantragen. Seine Höhe ist unter anderem davon abhängig, wie viele Personen zum Haushalt gehören, wie hoch die Miete ist und über welches Einkommen die Haushaltsmitglieder verfügen. Der Wohngeldantrag ist mit den erforderlichen Nachweisen bei der Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung einzureichen, in deren Einzugsbereich der Wohnraum liegt.

Lesen Sie in der Rubrik "Wohnen" mehr zum Thema Wohngeld.

Krankenversicherung

Minderjährige Kinder sind in der gesetzlichen Krankenkasse kostenlos mitversichert.

Kinderfreibetrag

Anstelle des Kindergeldes kann auch der Kinderfreibetrag in Anspruch genommen werden. Er beträgt seit 2010 je Elternteil 2.184 Euro und 4.368 Euro für beide Elternteile. Zusätzlich gibt es den sogenannten Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildung (BEA-Freibetrag) in Höhe von 1.320 Euro je Elternteil, pro Jahr und Kind (2.640 Euro für beide Elternteile). Damit soll der Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf des Kindes abgedeckt werden. Ob das Kindergeld oder die Steuerfreibeträge im Einzelfall günstiger sind, prüft das Finanzamt in der Regel im Rahmen der Einkommensteuererklärung.

Kinderbetreuungskosten

Zwei Drittel der Kosten, die für die Betreuung von Kindern entstehen, können steuerlich abgesetzt werden. Maximal dürfen für jedes Kind von 0 bis 14 Jahren 4.000 Euro pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Berufstätige Alleinerziehende und berufstätige Paare können die Betreuungskosten als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben absetzen. Bei nicht berufstätigen Alleinerziehenden und Paaren, bei denen nur einer berufstätig ist, beschränkt sich der Zeitraum auf das 3. bis 6. Lebensjahr des Kindes (Absetzung als Sonderausgaben). Hier können bis zum 3. Lebensjahr und zwischen dem 6. und 14. Lebensjahr des Kindes jedoch unter Umständen Aufwendungen für haushaltsnahe Kinderbetreuung geltend gemacht werden, die ebenfalls zu einer Steuerermäßigung führen.

Bei einem Kind mit einer Behinderung, die vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist, das außerstande ist, sich selbst zu unterhalten, können die Betreuungskosten nach dem 14. Lebensjahr auch weiterhin als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des zuständigen Bundesministeriums.

Entlastung von Alleinerziehenden

Alleinerziehenden steht ein steuerlicher Freibetrag von 1.308 Euro pro Jahr (109 Euro monatlich) zu.

Schulbedarfspaket

Für jedes Kind, dessen Eltern Kinderzuschlag, Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe beziehen, wird ab dem Schuljahr 2009/2010 ein Betrag von 100 Euro pro Schuljahr gezahlt. Das Geld dient der Finanzierung von Schulsachen. Die Zahlung erfolgt bis zum 10. Schuljahr des Kindes. (Siehe auch „Leistungen zur Bildung und Teilhabe“)

Kinderzulage im Riestervertrag

Wer einen Riester-Vertrag zur privaten Altersvorsorge abschließt, erhält jährlich eine Kinderzulage vom Staat. Die Kinderzulage beträgt bei einem Altersvorsorgevertrag nach dem Riester-Modell je Kind 185 Euro im Jahr. Für ab 2008 geborene Kinder erhöht sich die Kinderzulage auf 300 Euro jährlich. Die Kinderzulage wird nur so lange von der Zulagenstelle gezahlt, wie auch eine Berechtigung auf Kindergeld besteht.


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